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24.05.2013

14:02 Uhr

Chefwechsel beim Konsumriesen

Procter & Gamble holt den alten Hasen zurück

VonMartin Dowideit, Sebastian Ertinger

Und er hat noch Reserven: Alan Lafley kehrt an die Spitze von Procter & Gamble zurück, der Mutter des Batterieherstellers Duracell. Der glücklose Vorgänger des 65-Jährigen geht. Personalberater sind verwundert.

Duracell-Häschen gehören seit 2005 zum Procter & Gamble-Portfolio: Den Zukauf hatte der alte und neue Chef A.G. Lafley getätigt. duracell.de

Duracell-Häschen gehören seit 2005 zum Procter & Gamble-Portfolio: Den Zukauf hatte der alte und neue Chef A.G. Lafley getätigt.

DüsseldorfDie Sache mit der Nachwuchsförderung nimmt Procter & Gamble (P&G) eigentlich sehr ernst. Der Hersteller von Pampers, Gillette-Rasierern und Wella-Haarspray pflegt aber auch intensiv die Kontakte zu Ehemaligen. In Genf treffen sich seit Donnerstag die Ex-Mitarbeiter zu einer großen Konferenz. Für Samstagabend war nach Informationen von Handelsblatt Online bei einem großen Gala-Dinner im Kempinski Grand Hotel eine Rede von Vorstandschef Bob McDonald angekündigt. Doch der Chef ist nicht mehr Chef. Und ausgerechnet ein Ehemaliger tritt in seine Fußstapfen.

Eigentlich gilt der Spruch: Während der Karriere begegnet man zwei Idioten – dem eigenen Vorgänger und dem Nachfolger. Im Fall von Bob McDonald ist es jetzt ein und derselbe „Idiot“. A.G. Lafley war beim Konsumgüterkonzern Procter & Gamble McDonalds Vorgänger und ist seit dem späten Donnerstagabend auch sein Nachfolger. „Der Verwaltungsrat hat mich angerufen und gefragt, ob ich zurückkomme, und offen gesagt hat die Pflicht gerufen“, sagte der 65-jährige Lafley in einer Telefonkonferenz. „Ich bin zurück. Ich bin voll da, ich setze mich ein.“

Von 2000 bis 2009 war Lafley bereits Vorstandschef des Unternehmens mit Sitz in Cincinnati. In seine Zeit fallen Mega-Übernahmen wie die des Rasiererherstellers Gillette und des Batterieproduzenten Duracell für 57 Milliarden Dollar. Er kaufte auch den deutschen Haarpflegespezialisten Wella. Lafley gilt als Manager-Idol, einen Karriereratgeber über erfolgreiche Unternehmensführung hat er seit seinem Ausscheiden bei Procter & Gamble bereits veröffentlicht (hier die Rezension). Der Versuch, alle Märkte, Kunden und Vertriebswege auf einmal einzunehmen, sei falsch, schreibt er darin unter anderem. Es sei besser Schritt für Schritt vorzugehen.

Nach Informationen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg sei schon im Sommer vergangenen Jahres über eine Ablösung des glücklosen McDonald beraten worden. Im Sommer 2009 war er angetreten und mit einer schwierigen Situation konfrontiert. Nach der Finanzkrise schrumpfte die Lust der Amerikaner auf die meist hochpreisigen Produkte wie Waschmittel oder Zahnpasta. Der Konsumgüterriese sollte vor allem im Ausland das schwächelnde Geschäft auf dem Heimatmarkt kompensieren. Die Strategie brachte McDonald Kritik ein, da er nicht schnell genug die Ausgaben an die sich verändernden Markt angepasst habe.

A.G. Lafleys Karriere

Herkunft und Ausbildung

Alan G. Lafley wurde im Juni 1947 in Keene, New Hampshire, geboren. Er studierte Geschichte in den USA und Paris und wollte in mittelalterliche Geschichte promovieren, ging aber 1970 für fünf Jahre zur Marine. Erst danach schlug er den Weg für eine Manager-Karriere ein und besuchte die Harvard Business School.

Karriere bei Procter & Gamble

Nach dem Wirtschaftsstudium ging er unmittelbar zum Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Zunächst arbeitete er im Marketing für Spül- und Waschmittelmarken und kletterte in der Abteilung bis zum Chef auf. 1994 wurde für das Fernost-Geschäft des Konzerns verantwortlich und begleitete das rasante Wachstum des Unternehmens in China. Ab 1998 leitete er das Nordamerika-Geschäft und übernahm bald auch die Sparte für Schönheitsartikel.

Wirken an der Konzernspitze

Im Juni 2000 rückte Lafley an die Konzernspitze und musste gegen schrumpfende Gewinne ankämpfen. Er verordnete dem Unternehmen einen Sparkurs und baute bis 2003 etwa 10.000 Arbeitsplätze ab, baute das Geschäft mit Schönheitspflegeprodukten aus und fokussierte das Geschäft auf besonders erfolgreiche Marken. Fast zwei Dutzend Marken erreichten unter seiner Führung die Umsatzschwelle von einer Milliarde Dollar pro Jahr.

Wachstum durch Übernahmen

Lafley trieb das Wachstum auch durch gleich mehrere große Übernahmen voran. Die Schönheitspflege-Produkte der Marke Clariol verleibte er 2001 dem Konzern ein (für 4,9 Mrd. Dollar), ab 2003 kaufte er die deutsche Marke Wella (für 6,6 Mrd. Euro) und 2005 folgte dann das Meisterstück: der Kauf des Rasierer-Herstellers Gillette mit der deutschen Marke Braun für 57 Milliarden Dollar.

Im Sommer 2009 legt Lafley sein Amt nieder. Der Umsatz des Konzerns hatte sich gegenüber 2001 auf 83,5 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.

Zurück an die Spitze

Am 23. Mai 2013 beruft Procter & Gamble A.G. Lafley im Alter von 65 Jahren zurück an die Konzernspitze. Die Pflicht habe gerufen, sagt der Manager.

Beobachter des Unternehmens sind angesichts der Nachfolgelösung überrascht. „Es ist erstaunlich, dass ausgerechnet Procter & Gamble den Posten nicht auf klassische Weise neu besetzt hat“, sagt Christoph Kleinen von der Personalberatung Heidrick & Struggles zu Handelsblatt Online. „Kaum ein Unternehmen setzt so viel Wert auf hausinterne Karriereplanung.“

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