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17.07.2015

15:14 Uhr

Cockpit gegen Lufthansa

Streik-Piloten wollen sich Rückendeckung holen

Cockpit fragt die Mitglieder: In einem mehrwöchigen Verfahren will die Pilotengewerkschaft zunächst über die weitere Taktik im Tarifkonflikt beraten. Die Lufthansa dürfte solange von weiteren Streiks verschont bleiben.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit hat angekündigt, mit ihren Mitgliedern über das weitere Vorgehen im Tarifkonflikt beraten zu wollen. dpa

Streiks bei der Lufthansa

Die Pilotengewerkschaft Cockpit hat angekündigt, mit ihren Mitgliedern über das weitere Vorgehen im Tarifkonflikt beraten zu wollen.

FrankfurtKleine Atempause für die Lufthansa und ihre Passagiere: Die streikfreudige Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit will in dem langwierigen Tarifkonflikt um die Betriebs- und Übergangsrenten zunächst ihre Mitglieder zum weiteren Vorgehen befragen. Das hat die neu gebildete Tarifkommission der Piloten auf einer viertägigen Klausurtagung beschlossen, wie die Gewerkschaft am Freitag in Frankfurt auf Anfrage mitteilte.

Streiks sind in dem auf mehrere Wochen ausgelegten Kommunikationsprozess zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber auch nicht sehr wahrscheinlich. Das Meinungsbild der Piloten soll schließlich in die weitere Taktik der Gewerkschaft einfließen, die im laufenden Konflikt bereits zwölfmal Lufthansa und ihre Tochter Germanwings bestreikt hat. An der grundsätzlichen Streikbereitschaft der Mitglieder bestehe aber weiterhin kein Zweifel, erklärte ein VC-Sprecher.

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Viele Lufthanseaten stören sich an der Billig-Plattform Eurowings. Doch die Bereitschaft zu neuen Streiks sinkt. Der Druck auf die Gewerkschaften wächst, den Konflikt zu beenden. Ein Report aus dem Inneren des Konzerns.

Zunächst müssten die Mitglieder darüber aufgeklärt werden, warum es nicht zu der angestrebten Gesamtschlichtung gekommen ist, erläuterte der Gewerkschafter. Offiziell geht es um Versorgungsfragen für rund 5400 Lufthansa- und Germanwings-Piloten.

Die VC will aber auch die neue Billigstrategie unter dem Markendach „Eurowings“ bekämpfen. Darüber wollte Lufthansa zwar in einer separaten Arbeitsgruppe reden, das Thema aber nicht einer Schlichtung unterwerfen, weil es letztlich eine unternehmerische Entscheidung und keine Tariffrage sei.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Von

dpa

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