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13.12.2013

18:49 Uhr

Comeback am Hauptstadtflughafen

BER wird Wowereit nicht los

Wowereit ist zurück. Am Abend wurde der Regierende Bürgermeister von Berlin erneut zum Aufsichtsratschef des neuen Berliner Flughafens gewählt. Der Rücktritt von seinem Rücktritt sorgt für Entrüstung.

Klaus Wowereit ist wieder Aufsichtsratschef des Berliner Hauptstadtflughafens.

Klaus Wowereit ist wieder Aufsichtsratschef des Berliner Hauptstadtflughafens.

MotzenKnapp ein Jahr nach dem Rücktritt als Flughafen-Aufsichtsratschef kehrt Klaus Wowereit (SPD) auf den Posten zurück. Der Regierende Bürgermeister von Berlin bestimmt damit wieder die Geschicke des bislang missglückten Projekts Hauptstadtflughafen. Das Kontrollgremium wählte ihn mit 12 Ja-Stimmen bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung, ein Mitglied fehlte. Wowereit hatte das Amt nach der vierten Absage der Flughafeneröffnung im Januar abgegeben. Er übernahm es aber schon im August wieder kommissarisch. Zum Stellvertreter wählten die Vertreter der Flughafeneigentümer - Berlin, Brandenburg und der Bund - sowie der Arbeitnehmer den brandenburgischen Staatssekretär Rainer Bretschneider (SPD).

Einen neuen Eröffnungstermin für den künftigen Airport in Schönefeld könne er nicht nennen, sagte Wowereit. Er machte auch keine Angaben zu einer neuen Kostenprognose. Wowereit betonte lediglich, das zur Verfügung gestellte Geld werde im kommenden Jahr ausreichen. Damit gilt noch immer ein Kostenrahmen von 4,3 Milliarden Euro.

Kritik an der Wahl Wowereits gab es nicht nur aus der Opposition, sondern auch aus den Regierungsfraktionen der Länder Berlin und Brandenburg, die mit dem Bund Eigentümer des Flughafens sind. Die in Brandenburg mitregierende Linkspartei betonte: „Wie angekündigt haben die Vertreter der Linken Klaus Wowereit nicht gewählt.“ Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus bedauerte, dass das Kontrollgremium nicht die Kraft gefunden habe, einen externen Vorsitzenden zu finden. Die Fraktionschefin der oppositionellen Berliner Grünen, Ramona Pop, sprach vom peinlichsten Comeback des Jahres. Wowereit habe bereits gezeigt, dass er es nicht könne.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Wowereit sagte zu seiner Wahl, er empfinde keine Genugtuung: „Es gibt lukrativere und interessantere Posten, die man anstreben kann.“ Er haben sich jedoch nicht vor der Verantwortung „wegducken“ wollen. Und auch vom Land Brandenburg, welches das Vorschlagsrecht für den Posten gehabt habe, sei keine andere Lösung angeboten worden. Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte den Posten abgelehnt, nachdem sein Amtsvorgänger Matthias Platzeck ihn im August niedergelegt hatte. Die Landesregierung in Potsdam hat sich unter dem Druck eines erfolgreichen Volksbegehrens verpflichtet, am neuen Flughafen für mehr Nachtruhe zu sorgen - was Berlin bislang ablehnt.

Wowereit hatte das Amt bis zum Januar schon mehr als elf Jahre lang inne. Nach der Absage eines weiteren Eröffnungstermins für den Flughafen im Januar gab Wowereit den Posten als Aufsichtsratschef ab. Platzeck (SPD) übernahm das Amt, bis er es im August nach einem Schlaganfall niederlegte.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

13.12.2013, 17:33 Uhr

Wer soe eklatant versagt hat und soviel Steuergeld verbrannt hat, gehört normalerweise abgesetzt !

Aber hier, wo es um zig Milliarden geht, regt sich kein Mensch auf und tritt den Wowi in den Allerwertesten, aber über Steuersünder wird flugs der Stab gebrochen und diese Menschen moralisch vernichtet.



InteressierterBuerger

13.12.2013, 17:35 Uhr

So, nun ist es also amtlich: derjenige, der wie kaum ein anderer für Inkompetenz, Versagen und die Verschwendung von Steuergeldern steht, wurde erneut zum obersten Kontrolleur des skandelträchtigen Hauptstadtflughafens BER gewählt. Hier wird, auf "höchstem politischen Niveau", der "Bock zum Gärtner" gemacht. Falls es bislang noch keinen Grund zum Fremdschämen gab, dann ist hier nun einer generiert worden. Armes Deutschland!

w-hitzel

13.12.2013, 18:20 Uhr

Jetzt hat der politische Filz die zwei "größten Manager"
zum Kostennirwanna des BER berufen. Da heißt es immer es ist kein Geld für soziale Projekte vorhanden. Hier werden durch die unfähigsten Leute Milliarden verbrannt.

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