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18.01.2010

21:26 Uhr

Compliance

Nach Razzia verstärkt Metro Prävention weiter

VonChristoph Hardt, Dana Heide

Korruptionsskandale wie bei Siemens haben Compliance zum Kerngeschäft gemacht. Die Metro AG hat als eines der ersten Unternehmen Präventionsmaßnahmen gegen Fehlverhalten aufgebaut. Trotz der Razzia wegen Verdachts auf Preisabsprachen - der Aufbau der Compliance in der Metro AG geht systematisch weiter. Ein Werkstattbericht.

Der Handelskonzern Metro hat als früh Präventionsmaßnahmen eingerichtet, um Fehlverhalten von Mitarbeitern zu verhindern. Trotzdem durchsuchten Fahnder kürzlich die Büros von Metro und anderen Handelskonzernen wegen des Verdachts auf Preisabsprachen. ap

Der Handelskonzern Metro hat als früh Präventionsmaßnahmen eingerichtet, um Fehlverhalten von Mitarbeitern zu verhindern. Trotzdem durchsuchten Fahnder kürzlich die Büros von Metro und anderen Handelskonzernen wegen des Verdachts auf Preisabsprachen.

DÜSSELDORF. Wenn - wie jetzt bei der Metro und zahlreichen anderen deutschen Handelskonzernen - die Fahnder anrollen und die Büros wegen Verdachts auf Preisabsprache durchsuchen, dann ist das nicht nur für den CEO der größte anzunehmende Unfall. Auch die Leute von der Abteilung Geschäftshygiene - neudeutsch: Compliance - haben dann ein Thema mehr. Denn die große Frage ist: Stimmen unsere Prozesse?

"Die Compliance als Präventionsinstrument ist keine begleitende flächendeckende Überwachung, die alle Fehler von Mitarbeitern vermeiden könnte", sagt Rolf Giebeler, Chief Compliance Officer der Metro AG, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Und weil Compliance eben keine Polizeimaßnahme, sondern eher eine Frage der Firmenkultur ist, setzt der ehemalige Partner von Clifford Chance, der früher vor allem das M&A-Geschäft bediente, auf eine möglichst optimale Organisation. "Der Schlüssel für gute Compliance ist es, Strukturen zu schaffen", sagt er. So zeige sich in jedem aufgedeckten Fall, dass gute Richtlinien alleine noch kein compliance-gerechtes Verhalten garantierten. "Es kommt auf die systematische Verankerung im Unternehmensalltag an."

Seit 2005 arbeitet Giebeler am Aufbau der Group Compliance der Metro, Hinweise auf systematische Verstöße im Unternehmen habe er nicht. "Wenn es tatsächlich Verstöße gegeben hat, sind wir sicher, dass die von den Kartellrechtlern der Rechtsabteilung unterstützte Revision diese bei einer Routineprüfung gefunden hätte", sagt der Jurist mit der berufsspezifischen Vorsicht.

Wie auch immer, die Razzia in der Konzernzentrale beweist, dass Compliance vor allem Prävention bedeutet. Und deshalb hat Metro in allen wichtigen Ländern eigene Chief Compliance Officers verankert. Denn die Gefahr, auch jenseits deutscher Grenzen in einen Korruptionsskandal zu geraten, ist in einem Unternehmen mit einem Einkaufsvolumen von jährlich 45 Milliarden Euro aus aller Herren Länder gewaltig.

Skandale machten Compliance zum Kerngeschäft

"Die haben schon viel geschafft, Handel ist kein einfaches Terrain", sagt einer der deutschen Compliance-Gurus, der für einen anderen Dax-Konzern tätig ist. Denn die Metro habe den Vorteil, ein "First Mover" im Thema zu sein. Schon 2005 wurde Hanns-Joachim Körber, der Vorgänger des heutigen CEO Eckard Cordes, aktiv: Er holte Giebeler ins Unternehmen, setzte erste Akzente. Zunächst ging es um Inhalte, Geschäftsgrundsätze wurden verabschiedet, eine Hotline eingerichtet und strenge Regeln für Einkäufer und Lieferanten erlassen.

Dann kam der Siemens-Skandal, die Razzia in der Zentrale des Technologiekonzerns in München, das größte Korruptionsverfahren der Nachkriegsgeschichte. Das hat die Welt verändert, Compliance zum Kerngeschäft gemacht: "Die Skandale werden de facto doch heute noch aufgearbeitet", sagt Giebeler.

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