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17.04.2013

03:42 Uhr

Computerfehler

American Airlines kann nicht fliegen

Eine solche Panne kann sich American Airlines nicht leisten: Weil das Buchungssystem Probleme machte, mussten Maschinen über Stunden am Boden bleiben. Dabei bereitet die insolvente Firma gerade ihren Neustart vor.

Maschinen von American Airlines sitzen am Flughafen von Dallas fest. dpa

Maschinen von American Airlines sitzen am Flughafen von Dallas fest.

Fort WorthEin Computerfehler hat am Dienstag Tausende Passagiere von American Airlines an US-Flughäfen stranden lassen. Das Buchungssystem war am Vormittag (Ortszeit) ausgefallen und über Stunden konnten dadurch keine Maschinen abgefertigt werden. Am Nachmittag lief das System wieder, aber bis in den Abend hinein gab es Verspätungen und Ausfälle. Erst am Folgetag werde der Flugbetrieb wieder einigermaßen normal laufen, teilte American Airlines mit.

Die Panne kommt zur denkbar schlechtesten Zeit für die Fluggesellschaft. Sie ist insolvent und arbeitet momentan an einem Neustart. Dazu schließt sie sich mit dem kleineren Wettbewerber US Airways zusammen. Es entsteht die größte Fluglinie der Welt. In Fernsehspots wird seit Wochen für die „neue American Airlines“ geworben. Die Jets bekommen einen neuen Anstrich mit neuem Logo.

Wo die Luftfahrt wachsen soll

Asien

Die Airlines im asiatisch-pazifischen Raum liefern den größten Anteil am Erfolg der Branche, prognostiziert die Iata. Mit einem Gesamtgewinn von 4,2 Milliarden Dollar wurden die Erwartungen erneut erhöht. Asiatische Fluggesellschaften machen rund 40 Prozent des Lufttransport-Geschäfts aus und die Nachfrage soll weiter steigen. Um dem prognostizierten Nachfragezuwachs von 4,9 Prozent gerecht zu werden, soll auch die Kapazität um fünf Prozent steigen.

Nordamerika

Die nordamerikanischen Airlines sollen nach Iata-Prognose 2013 einen Gewinn von 3,6 Milliarden Dollar erwirtschaften. 2012 hatten sie noch einen Gewinn von 2,3 Milliarden Dollar ausgewiesen. Durch ein enges Kapazitätsmanagement und trotz der hohen Treibstoffpreise soll die Nachfrage um 1,3 Prozent steigen. Auch die Kapazität soll um 1,1 Prozent zulegen.

Europa

Die europäischen Fluggesellschaften sollen 2013 einen gemeinsamen Gewinn von 800 Millionen Dollar ausweisen. Damit können die Europäer zwar wieder in die Gewinnzone zurückkehre, mit einer Rentabilität von 0,4 Prozent schneiden die Airlines aber weiterhin im globalen Vergleich schlecht ab. Zudem bedroht die Eurokrise die Bilanz. Der europäische Heimatmarkt wird sich darum auch 2013 schwach entwickeln, prognostiziert die Iata. Dafür dürften die Langstreckenflüge in die Wachstumsmärkte die Bilanzen aufpolieren. Insgesamt soll die Nachfrage um 2,6 Prozent wachsen, die Kapazität um 2,5 Prozent.

Mittlerer Osten

Die arabischen Airlines sind schon seit Jahren auf Wachstumskurs und dürften an Bedeutung zunehmen. Die Fluggesellschaften erwarten für 2013 einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro, nach 900 Millionen im Jahr 2012. Als Umschlagplatz für Langstreckenflüge gewinnen Dubai und Abu Dhabi an Relevanz. Die Nachfrage soll um 13,7 Prozent zulegen, das Angebot um 12,8 Prozent. Die Profitmarge ist mit 3,4 Prozent weltweit am dritthöchsten.

Lateinamerika

Die lateinamerikanischen Airlines dürften im laufenden Geschäftsjahr einen Gewinn von 600 Millionen Dollar ausweisen. Damit fällt die Prognose um 100 Millionen Dollar schlechter aus als noch im Dezember. Damit fallen die Gewinne aber immer noch doppelt so hoch aus wie im Vorjahr. Trotz der hohen Volatilität der Heimatmärkte geht die Iata von einem Nachfragewachstum von 8,1 Prozent aus, obwohl die Kapazität nur um 6,7 Prozent steigen dürfte.

Afrika

Auch die afrikanischen Airlines dürften nach einem Verlust von 100 Millionen Dollar im Jahr 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Für 2013 erwartet die Iata einen Gesamtgewinn von 100 Millionen Dollar. Die Nachfrage soll um 6,5 Prozent steigen, die Kapazität um 6,4 Prozent.

Bis um 18 Uhr Ortszeit am Dienstag zählte die Fluginfo-Website FlightStats mehr als 700 ausgefallene Flüge und annähernd 1000 Verspätungen bei American Airlines und der Regionaltochter American Eagle. Auch am Mittwoch werde es noch zu vereinzelten Flugausfällen kommen, teilte die Gesellschaft über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Sie bot Passagieren kostenlose Umbuchungen oder Rückerstattungen an. An normalen Tagen wickelt die drittgrößte US-Fluggesellschaft 3400 Flüge ab.

Zu den Gründen für den Computerfehler äußerte sich American Airlines nicht näher. Zunächst hatte die Gesellschaft das branchenweit verwendete Reservierungssystem Sabre verantwortlich gemacht, sich später aber für diese Aussage entschuldigt. Es gebe auch keinen Zusammenhang mit den tragischen Ereignissen in Boston, erklärte American Airlines in einer Mitteilung. Nach dem Bombenanschlag mit drei Toten waren die Sicherheitsvorkehrungen in den USA erhöht worden.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Pannen mit Buchungssystemen behindern immer wieder den Flugverkehr in den USA. Zuletzt war es vor allem der Rivale United Airlines, der damit negative Schlagzeilen machte. United ist momentan die größte Fluggesellschaft der Welt, würde aber von American Airlines und US Airways überholt. Erst am Montag hatte American Airlines einen detaillierten Plan vorgelegt, wie sich das Unternehmen den Neustart aus der Insolvenz vorstellt. Die Gläubiger von American Airlines werden 72 Prozent an der gemeinsamen Gesellschaft halten.

Von

dpa

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