Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2015

19:10 Uhr

Containerschiffe

Wie der Stau auf dem Ozean die Wirtschaft bremst

VonPetrina Engelke

An Häfen der US-Westküste stapeln sich die Container. Eine Mischung aus logistischen Problemen und Arbeitskampf sorgt für erhebliche Verzögerungen – mit Folgen wie Pommes-Knappheit und Yogahosen-Krise.

Im Hafen von Los Angeles stapeln sich die Container – mit Folgen für die gesamte Wirtschaft. ap

Im Hafen von Los Angeles stapeln sich die Container – mit Folgen für die gesamte Wirtschaft.

New YorkIn Los Angeles ist Stau – nicht mehr nur auf den Straßen, sondern auch auf dem Meer. Vor den Häfen von Los Angeles und Long Beach dümpeln Containerschiffe tagelang an der Ankerkette. Just-in-time? Unmöglich. An Land stehen LKW-Fahrer Schlange, um Autoteile, Luxusmode oder Smartphones wegzukarren, die aus Asien über den Pazifik kommen. Auch Exportware wie Tierfutter, Baumwolle und Obst hängt in der Warteschleife. Unter dem Schneckentempo in den Westküstenhäfen leiden ganze Branchen – über die USA hinaus.

In Japan zum Beispiel werden die Pommes knapp. Ende Januar meldet der Hähnchenriese KFC, die Kartoffelbeilage gehe aus. Bereits im Dezember rationierte McDonald’s die Portionen: mittlere und große Pommes-Tüten gibt’s in Japan nicht mehr.

Der Grund: Fastfood-Ketten schicken Tiefkühlkartoffeln in ihre Filialen, und den schnellen Weg von der US-Westküste nach Asien versperren nun stapelweise Container. McDonald’s reagiert zwar schnell: Rund 1000 Tonnen Tiefkühlpommes lässt das Unternehmen mit dem Flugzeug nach Japan bringen, was bis zu zehn Mal so viel kosten kann wie auf dem Seeweg; außerdem gehen Lieferungen von der Ostküste aus auf die Reise. Ein Blick auf den Globus verrät indes: Auch das wird teuer. Und es hilft nicht.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Im Januar meldet der japanische Zweig von McDonald’s einen Umsatzrückgang von 21 Prozent, 14 Prozent weniger Kunden kamen in die Filialen des Landes. Zwar hat das Unternehmen dort auch mit mehreren Skandalen zu kämpfen – unter anderem fand ein Gast ein Stück Plastikhandschuh im Essen –, aber in der Meldung von McDonald’s Japan heißt es auch: „Probleme mit dem Nachschub an kartoffelhaltigen Produkten haben den Umsatz im Dezember beeinträchtigt, obwohl wir verschiedene Maßnahmen gegen den lang anhaltenden Tarifstreit an den Häfen der US-Westküste ergriffen hatten.“

Einen Streit zwischen Westküsten-Hafenarbeitern und ihren Arbeitgebern nennen die meisten Unternehmen als Grund für erhebliche Verzögerungen beim Im- und Export. Doch dahinter stecken noch weitere Ursachen – insbesondere in den Häfen von Los Angeles und Long Beach, in denen gut 40 Prozent aller für die USA bestimmten Waren ankommen.

Rein, runter, rauf, raus: So soll es laufen, wenn ein Containerschiff ankommt. Dafür haben die Nachbarhäfen Los Angeles/Long Beach mehrere Terminals, die Containerschiffe verschiedener Reedereien gleichzeitig löschen können. Doch inzwischen entwickeln sich Großreedereien wie Maersk, CMA CGM und MSC weg von der großen Flotte und hin zum großen Schiff – und Allianzen, um diese zu füllen.

Noch vor fünf Jahren bestand eine Ladung meist aus rund 5000 Containern. Heute schieben sich Ozeanriesen mit 12.000 Containern über die Meere, das aktuell größte Containerschiff der Welt kann 19.100 aufnehmen – und soll bald schon überholt werden. Bereits jetzt sind viele Schiffe um rund ein Drittel größer, als es die Häfen Los Angeles/Long Beach bewältigen können. Und das bedeutet: Stau.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

03.02.2015, 20:10 Uhr

Logistische Probleme? Die Logistiker behaupten doch immer, es gibt durch sie keine Probleme mehr. Liegt es etwa an der sehr schlechten Bezahlung aller Personen, die an der Logistik beteiligt sind? Früher machte man Spedition und es klappte. Heute macht man Logistik.

Herr Peter Spiegel

04.02.2015, 09:56 Uhr

"Yogahosen-Krise"

Die Lage ist ernst!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×