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26.01.2012

18:55 Uhr

Corporate Governance

Wer regiert bei den Marseille-Kliniken?

VonMaike Telgheder

Auf der Hauptversammlung der Marseille-Kliniken muss Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff mit kritischen Fragen rechnen. Die Eigentümer wollen wissen, welche Rolle Hauptaktionär Ulrich Marseille im Unternehmen spielt.

Ulrich Marseille, Gründer der Marseille-Kliniken, besitzt 60 Prozent der Stimmen im Unternehmen. picture-alliance/ ZB

Ulrich Marseille, Gründer der Marseille-Kliniken, besitzt 60 Prozent der Stimmen im Unternehmen.

FrankfurtBei der Marseille-Kliniken AG gibt es Ärger: Die vielen Kleinaktionäre des börsennotierten Pflegeheimbetreibers, die am morgigen Freitag zur Hauptversammlung nach Hamburg kommen, dürfte eine Frage umtreiben: Wer steuert eigentlich das Unternehmen? Der Vorstand, kontrolliert vom Aufsichtsrat, oder Hauptaktionär Ulrich Marseille?

Aufsichtratschef Thomas Middelhoff wird viele kritische Fragen beantworten müssen, wie die Gegenanträge von Kleinaktionären schon heute zeigen. Stoff dafür liefert der Geschäftsbericht 2010/11.

Dort sind in 41 Punkten Beziehungen zu nahestehenden Personen und Unternehmen aufgeführt. So vergaben die Marseille-Kliniken unter anderem Kredite an Gründer und Hauptaktionär Ulrich Marseille, seine Frau Estella-Maria und eine Firma des Medienunternehmers Hans-Hermann Tiedje, ehemals Chefredakteur der Bildzeitung. Frau Marseille und Tiedje sind Mitglieder des Aufsichtsrats der Marseille-Kliniken AG.

Die Rechtsanwaltskanzlei von Frau Marseille hatte zudem im abgelaufenen Geschäftsjahr für Beratungsleistungen 655000 Euro erhalten. Die PR-Agentur WMP Eurocom, an der Tiedje knapp 50 Prozent hält, bekam für Beratungsdienstleistungen 298 000 Euro von den Marseille-Kliniken.

Corporate-Governance-Experte Christian Strenger geht davon aus, dass die Unabhängigkeit der Aufsichtsratsmitglieder Estella-Maria Marseille und Hans-Herrmann Tiedje dadurch nicht gewährleistet ist. Denn der Lohn für ihre Beratungsleistungen habe im abgelaufenen Geschäftsjahr um ein Vielfaches höher gelegen als ihre Aufsichtsratsbezüge. Der sechsköpfige Aufsichtsrat erhielt laut Geschäftsbericht insgesamt 153000 Euro. Für Strenger ist das ein Hinweis darauf, „dass beide Aufsichtsratsmitglieder nicht als unabhängig anzusehen sind“.

Weiteres Indiz dafür sei die Tatsache, dass Estella-Maria Marseille die Ehefrau des Hauptaktionärs sei. Sein Urteil: „Aus Corporate-Governance-Sicht sind derart intensive geschäftliche Beziehungen zwischen dem Unternehmen und Firmen von Aufsichtsratsmitgliedern per se problematisch.“

Kommentare (3)

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26.01.2012, 19:41 Uhr

Wo der Middelhoff seine schmierigen Finger drin hat,...

gast

27.01.2012, 09:49 Uhr

Grau ist er geworden, der Herr Marseille.

gast03

27.01.2012, 16:25 Uhr

Gute Frage, wer da lenkt. Aber wenn Estella und Ulrich Marseille 60% an der AG besitzen, ist es wohl verständlich, dass sie beide einen gewissen Einfluß haben. Ob sie nun Ämter haben oder nicht, scheint da eher nachrangig zu sein. So wird vermutlich auch Herr Middelhoff zum Aufsichtsratsmitglied und schließlich zum Aufsichtsratsvorsitzenden geworden sein.

Etwas merkwürdig in diesem Zusammenhang ist dann aber, dass Herr Middelhoff noch da ist nachdem einer seiner alten Vertrauten aus Arcandor/Karstadt-Zeiten wieder aus dem Vorstand gehen musste bzw. ging.

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