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10.04.2013

17:14 Uhr

Costa Concordia

Reederei muss für Costa-Unglück Strafe zahlen

Noch dauert die juristische Aufarbeitung der Havarie der Costa Concordia an. Eine Million Euro soll die Kreuzfahrtgesellschaft zahlen, dann werden die Ermittlungen gegen die Reederei eingestellt.

Nach Costa-Concordia-Havarie

Millionenstrafe für Kreuzfahrtgesellschaft

Nach Costa-Concordia-Havarie: Millionenstrafe für Kreuzfahrtgesellschaft

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Grosseto/RomDie Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere muss nach der Havarie der Costa Concordia eine Strafe in Höhe von einer Million Euro zahlen. Das Unternehmen einigte sich mit der Justiz auf einen Vergleich, im Gegenzug werden die Ermittlungen gegen die Gesellschaft eingestellt. Nach der Staatsanwaltschaft stimmte am Mittwoch auch das Gericht in Grosseto dem Vorschlag des Unternehmens zu, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Im Januar 2012 waren bei dem Unglück vor der italienischen Insel Giglio 32 Menschen ums Leben gekommen. Der Kreuzfahrtgesellschaft war unter anderem vorgeworfen worden, die Rettungsmaßnahmen verzögert und zu spät Alarm ausgelöst zu haben, um ihr Image zu retten. Nach italienischem Recht haften Unternehmen auch für die Vergehen ihrer Mitarbeiter und können dafür mit Verwaltungsstrafen belegt werden.

„Das ist die vernünftigste Lösung im Vergleich zu dem, was passiert ist“, sagte Marco De Luca, der Anwalt von Costa Crociere. Die Gesellschaft wolle als Kläger in einem möglichen Prozess auftreten und Schadensersatz für den Verlust des Schiffes fordern, kündigte er an.

Die Hauptvorwürfe richten sich weiter gegen den Kapitän Francesco Schettino. Die Staatsanwaltschaft hatte Ende Februar einen Prozess gegen ihn und weitere Besatzungsmitglieder gefordert. Ob ein Verfahren eröffnet wird, muss das Gericht noch entscheiden. Die nächste Anhörung ist für den kommenden Montag vorgesehen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Costa-Kapitän mehrfache fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie und das Verlassen des Schiffs vor.

Die Rechte der „Costa Concordia“-Passagiere

Die Ausgangslage

Urlaub futsch, Gepäck weg, aber froh am Leben zu sein: Für die Passagiere des havarierten Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» stellen sich nach dem ersten großen Schrecken nun Fragen nach ihren Rechten gegenüber dem Kreuzfahrtveranstalter. Nach Angaben des Reiserechts-Experten Ernst Führich von der Hochschule Kempten steht den Betroffenen grundsätzlich ein Ausgleich und Entschädigung zu.

Welche Entschädigung steht den Urlaubern zu?

Nach dem deutschen Reisevertragsrecht können die Passagiere grundsätzlich die nicht verbrauchten, aber bezahlten Reiseleistungen zurückverlangen. Da das Kreuzfahrtschiff kurz nach Beginn der Seereise sank, steht den Urlaubern laut Führichwohl der ganze Reisepreis zu. Zusätzlich haben sie Anspruch auf eine Entschädigung in Höhe des Tagespreises für jeden ausgefallenen Kreuzfahrttag.

Hat die Reederei bereits Entschädigungen zugesagt?

Eine «Standardentschädigung» für die havarierten Kreuzfahrer soll es laut Costa Deutschland nicht geben. Das Unternehmen klärt nach eigenen Angaben derzeit mit jedem einzelnen Gast die erlittenen Schäden. Urlauber, deren Reise auf der «Costa Concordia» am14. und 21. Januar beginnen sollte und die nun geplatzt ist, erhalten noch in dieser Woche den Reisepreis zurück. Zudem wird ihnen für dieses Jahr eine kostenlose Kreuzfahrt bei Costa angeboten. Wer dies nicht annimmt, erhält als Ausgleich noch einmal 30 Prozent des Reisepreises.

In welcher Höhe haftet der Veranstalter bei Verletzungen oder im Todesfall?

Die Reederei Costa haftet nach den Passagierrechten der EU laut Führich bei Tod oder Körperverletzung bis zu einem Höchstbetrag von rund 275.000 Euro pro Person. Dadurch werden unter anderem Kosten für Ärzte, Überführungen, Beerdigungen oder Unterhaltskosten abgedeckt. Dabei kommt es nicht darauf an, wer die Schuld für das Unglück trägt. Bei Tod oder Körperverletzung ist binnen 15 Tagen ein Vorschuss von mindestens 21.000 Euro zu zahlen.

Wird auch ein höherer Schaden erstattet?

Grundsätzlich haftet der Schiffseigner auch für einen höheren Schaden, wenn ein Verschulden vorliegt und zwar bis zu einer Höchstgrenze von rund 440.000 Euro. Die Reederei muss mangelndes Verschulden ausdrücklich beweisen.

Wer ersetzt verloren gegangenes Reisegepäck?

Für den Verlust oder die Beschädigung von Reisegepäck einschließlich der Kleidung haftet Costa bis zu einem Betrag von rund 2400 Euro pro Person. Für Wertsachen wie Schmuck haftet der Veranstalter bis zu einer Summe von 3500 Euro, vorausgesetzt, die Wertsachen lagen im Safe der Schiffsrezeption. Ein Zimmersafe genügt nicht. Möglicherweise zeigt sich Costa in diesem Fall aber kulant, so Führich.

Welche Fristen müssen die Reisenden beachten?

Grundsätzlich müssen Ansprüche binnen eines Monats angemeldet werden. Eine detaillierte Auflistung der Verluste und Schäden ist zunächst nicht erforderlich. Bei Verlust oder Schäden am Gepäck gilt laut Führich allerdings eine kürzere Frist von 15 Tage nach der Havarie. Die Betroffenen sollten unbedingt alle Belege sammeln, um anfallende Kosten und Ansprüche gegenüber Costa belegen zu können. Die Ansprüche können nur gegenüber dem Veranstalter geltend gemacht werden.

Kann ein Kunde einer anderen Kreuzfahrt jetzt kostenlos umbuchen?

Nein. Wer eine Kreuzfahrt auf einem anderen Schiff oder bei einem anderen Veranstalter gebucht hat und nun Angst vor der Reise hat, kann nicht kostenfrei stornieren.

Schettino hat unterdessen am Dienstag die Rückgabe seines Besitzes gefordert, darunter sein Haus und ein Motorrad. Die Güter waren vor einiger Zeit beschlagnahmt worden, um sicherzustellen, dass Schettino Prozesskosten und eventuelle Strafen bezahlen kann. Auch über diesen Antrag sollte das Gericht noch entscheiden.

Von

dpa

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