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04.09.2014

13:25 Uhr

Dafiti, Lamoda, Zalora & Co.

Rocket formt Handelsriesen aus Zalando-Ablegern

VonLisa Hegemann

Im Online-Handel entsteht ein neuer Moderiese: Rocket Internet will seine fünf Zalando-Ableger in Asien, Lateinamerika und Russland in einer neuen Gruppe bündeln. Das Ziel: Die globale Führungsposition.

Rocket Internet will Zalandos ausländische Kopien in einer neuen Unternehmensgruppe namens GFG bündeln. dpa

Rocket Internet will Zalandos ausländische Kopien in einer neuen Unternehmensgruppe namens GFG bündeln.

DüsseldorfIn Deutschland sagen vielen die Namen Zalora, Dafiti, Jabong, Lamoda oder Namshi wenig. In Südostasien, Lateinamerika, Indien, Russland und Nahost ist das anders: Dort sollen die Webseiten das sein, was in Deutschland Zalando ist – ein Online-Händler für den Modebereich. Sie gehören, genau wie Zalando, zu den Internet-Start-ups, die der Inkubator Rocket Internet mit aufgebaut hat. Nun wollen das Unternehmen und sein Geldgeber AB Kinnevik die fünf Plattformen in den Wachstumsmärkten bündeln.

Wie der Konzern der Samwer-Brüder am Donnerstag verkündete, sollen die fünf Modewebseiten künftig unter dem Dach der Global Fashion E-Commerce Group (GFG) firmieren. Der Sitz des neuen Unternehmens wird in Luxemburg sein.

Die Kombination der fünf Unternehmen soll nach Angaben von Rocket Internet dem Austausch der Firmen helfen. „So können die Firmen die gemeinsamen Ressourcen besser nutzen“, sagte ein Sprecher auf Anfrage von Handelsblatt Online. Auch im Bereich Marketing solle das gemeinsame Know-how gebündelt werden. Das werde es GFG möglich machen, eine „Führungsposition“ im Wachstumsmarkt Online-Handel mit Mode zu erreichen, heißt es in einer Pressemitteilung. „GFG wird sich auf die massiven Wachstumsmöglichkeiten im Online-Modehandel in Wachstumsmärkten fokussieren“, sagte Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer in einem Statement.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Die bisherigen Investoren der fünf Unternehmen sollen ihre Anteile nun in die neue Gruppe einbringen. Die Bewertung der GFG liege insgesamt bei etwa 2,7 Milliarden Euro, heißt es in der Pressemitteilung von Rocket Internet. Der schwedische Investor Kinnevik soll 25,1 Prozent der neuen Gruppe halten, Rocket wird mit 23,5 Prozent beteiligt sein.

Rocket Internet wird häufiger dafür kritisiert, Besitzverhältnisse an Start-ups durch Kapitalerhöhungen oder neue Gesellschafterformen zu verwässern. Auf die Frage, ob dies auch bei der Gruppe GFG der Fall sei, hieß es, dass an Rocket Internet sehr viele Vorwürfe gerichtet würden, man könne nicht auf alle eingehen. „Aber beide Seiten sind sehr zufrieden mit dem Deal“, versicherte ein Sprecher.

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