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20.06.2017

16:16 Uhr

Daimler-Werk in Moskau

Russland rollt Autobauern den roten Teppich aus

Daimler baut sein erstes Werk in Russland. Trotz Absatzeinbruch der russischen Autobranche weiten deutsche Autohersteller ihr Engagement in dem Land aus – dafür bekommen sie Geschenke vom ehemaligen Zarenreich.

Die Wolfsburger haben nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren rund 500 Millionen Euro in Russland investiert und unter anderem ein Motorenwerk gebaut. AP

VW-Werk in Kaluga

Die Wolfsburger haben nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren rund 500 Millionen Euro in Russland investiert und unter anderem ein Motorenwerk gebaut.

MoskauDie schwarzen Flaggen mit dem silbernen Mercedes-Stern flattern schon im Wind. Sonst deutet in dem Wäldchen rund 40 Kilometer nordwestlich von Moskau bislang wenig darauf hin, dass hier in rund zwei Jahren serienmäßig Luxus-Limousinen von Daimler vom Band laufen sollen.

Vor den Toren der russischen Hauptstadt auf einem Ex-Militärgelände hat der Stuttgarter Hersteller mit dem Bau seines ersten Werks im größten Flächenstaat der Erde begonnen. „Mutter Russland fährt Mercedes“, sagt Markus Schäfer, Vorstandsmitglied bei Mercedes-Benz Cars. Bei Harfenmusik und teurem Edelwasser hat Daimler zur Grundsteinlegung geladen. Mit der Produktion in einem der größten Märkte der Welt mache sich Mercedes fit für die Zukunft, betont Schäfer.

In dem neuen Daimler-Werk in Russland sollen die Klassiker, wie die E-Klasse-Limousinen und Geländewagen, des Autoherstellers vom Band laufen. dpa

Mercedes

In dem neuen Daimler-Werk in Russland sollen die Klassiker, wie die E-Klasse-Limousinen und Geländewagen, des Autoherstellers vom Band laufen.

Nach Jahren des Abschwungs auf dem einstigen Hoffnungsmarkt wertet Russland den Neubau als Prestigeprojekt. Der Zeitpunkt erscheint gut gewählt: Experten sehen Bewegung auf dem Markt. Doch noch ist der Aufschwung ein zartes Pflänzchen.

Das Betonfundament ist schon gegossen. Etwas abseits stehen schwere Baufahrzeuge in Reih und Glied und warten auf ihren Einsatz. Auf einer Fläche von rund 85 Hektar soll das Mercedes-Werk im Industriepark Jessipowo entstehen. Das Ziel: 25.000 Autos sollen ab 2019 jährlich in dem flexibel für verschiedene Modelle einsetzbaren Werk vom Band laufen.

E-Klasse-Limousinen und Geländewagen – die bisherigen Bestseller in Russland – will Mercedes-Benz produzieren und so seine ohnehin starke Position im russischen Premium-Segment ausbauen. „Das sind die Autos, die unsere russischen Kunden lieben“, sagt Schäfer.

2016 hat Mercedes-Benz knapp 37.000 Neuwagen in Russland verkauft. Zwar war dies ein Minus von elf Prozent im Vergleich zu 2015, doch zuletzt legte der Absatz leicht zu. Im Lkw-Segment baut Daimler bereits seit einigen Jahren zusammen mit dem staatlichen Hersteller Kamaz Fahrzeuge für den russischen Markt.

Das sind die rentabelsten Autokonzerne

Platz 10

Honda – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 5,2 Milliarden Euro*

Unter den japanischen Herstellern konnte keiner den Gewinn so stark steigern wie Honda. Im Jahresvergleich legte das Unternehmen um 31,5 Prozent zu. Dabei fiel die Ebit-Marge allerdingt mit 4,6 Prozent unterdurchschnittlich aus.

Quelle: CAM Bergisch-Gladbach; Stand: 12/ 2016 - Bei japanischen Herstellern wird das Kalenderjahr abgebildet

Platz 9

Nissan – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 5,7 Milliarden Euro

Das vergangene Jahr war für die Japaner durch Wechselkursschwankungen durchaus turbulent. Der Gewinn sank um 7,4 Prozent. Immerhin landete man mit einer Ebit-Marge von 6,2 Prozent im Mittelfeld aller Hersteller.

Platz 8

Hyundai – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 6 Milliarden Euro

Heimlich schielt der viertgrößte Autokonzern der Welt immer noch Richtung Weltspitze. Doch 2016 war für die Koreaner ein Rückschritt. Der Absatz schrumpfte leicht, der Gewinn sogar um satte 8,8 Prozent. Und auch die Marge war mit 5,2 Prozent unterdurchschnittlich.

Platz 7

Fiat-Chrysler – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 6,1 Milliarden Euro

Die italienische Überraschung: Durch den Erfolg von Jeep hat sich der italo-amerikanische Konzern wieder erholt. Der Gewinn wurde mehr als verdoppelt, obwohl der Absatz nur leicht zulegte. Allein die Marge ist mit 5,5 Prozent immer noch bestenfalls mittelmäßig.

Platz 6

Volkswagen – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 7,1 Milliarden Euro

Der Dieselskandal drückt weiter kräftig auf den Gewinn. Doch innerhalb eines Jahres haben es die Wolfsburger geschafft, das Ergebnis um 11,2 Milliarden Euro zu verbessern. Und das obwohl die Marge mit 3,3 Prozent immer noch mager ausfällt.

Platz 5

BMW – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,4 Milliarden Euro

Für den jahrelangen Primus der Premiumbranche ist der Gewinn im vergangenen Jahr leicht gesunken. Das können die Münchener aber locker verschmerzen. Dank einer Marge von zehn Prozent erwirtschaftet kein Konkurrent mehr pro Auto.

Platz 4

Ford – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,4 Milliarden Euro

Den Titel als rentabelster Autokonzern Amerikas hat Ford dieses Jahr verloren. Denn beim Ertrag und Absatz schwächelt der Weltkonzern. Die Marge fällt mit 6,8 Prozent überdurchschnittlich aus.

Platz 3

General Motors – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,8 Milliarden Euro

Unter Mary Barra gilt die Devise: Profit zuerst. Das war auch 2016 aus den Zahlen abzulesen. Der Gewinn konnte um fast 20 Prozent zulegen. Und mit 7,5 Prozent ist auch die Marge für einen Volumenhersteller sehr zufriedenstellend.

Platz 2

Platz 2 – Daimler – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 12,9 Milliarden Euro

Der profitabelste Premiumhersteller kommt aus Stuttgart. Im Vergleich zum Vorjahr schneiden die Schwaben zwar etwas schlechter ab. Doch eine Marge von 8,4 Prozent reicht immer noch für einen zweistelligen Milliardengewinn.

Platz 1

Toyota – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 17 Milliarden Euro

Wenn der Gewinn um fast 24 Prozent einbricht, würden die meisten anderen Konzerne wohl etliche Plätze einbüßen. Toyota nicht. Die Japaner sind weiterhin profitabler als alle anderen Hersteller. Vor allem wegen einer Marge von 7,8 Prozent, die zwar deutlich kleiner ausfällt als im Vorjahr – doch das ist immer noch besser als bei allen Konkurrenten.

Mit rund 2,9 Millionen verkauften Neuwagen lag Russland 2012 europaweit auf Platz zwei hinter Deutschland. Der Ölpreis- und Rubelverfall stürzten das Land in eine schwere Krise, viele mussten sparen. 2016 kauften die Russen noch 1,4 Millionen Autos.

Erstmals seit mehr als vier Jahren Krise sehen sich die Autobauer nun wieder im Aufwind. Beflügelt von einer wirtschaftlichen Entspannung haben die Russen zwischen März und Mai erstmals wieder mehr Autos gekauft. Allein im Mai sieht die Vereinigung Europäischer Unternehmen (AEB) ein Plus von 14,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies sei das erste zweistellige Wachstum seit Jahren, sagt AEB-Experte Jörg Schreiber. „Der Erholungsprozess wandelt sich in einen dauerhaften Trend“, meint er.

Kommentare (3)

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Herr Riesener Jr.

20.06.2017, 16:41 Uhr

Eigentlich sind ja Politiker für ein gutes Klima zwischen zwei Ländern verantwortlich. Da Merkel und Co dies im Falle von Russland aber nicht wollen, muss die Wirtschaft für gute Beziehungen und gegenseitiges Vertrauen sorgen.

Der Satz: "Deutschland geht es gut, aber nicht wegen der Politik sondern trotz der Politik." wird immer richtiger......

Herr Otto Berger

20.06.2017, 17:26 Uhr

HB : "„Während amerikanische Konzerne wie General Motors Russland verlassen haben, sind deutsche Unternehmen geblieben und gehen sogar verstärkt rein.“
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Eine gute Entwicklung. Wer in Russland produziert, wird mit Sanktionen weniger Probleme haben.
(George Soros : "Ohne Frau Dr. Merkel würde es keine Russland-Sanktionen geben")

Herr Tomas Maidan

20.06.2017, 19:20 Uhr

Komisch, dass die Trump-Fans in diesem Forum nun nicht aufjaulen "Verdammt, warum produzieren deutsche Firmen nicht in Deutschland!"

Statt dessen: Russland ist immer gut. Für jeden ordentlichen deutschen Trump-Fan gehört es sich offenbar, alles, was Russland hilft, zu bejubeln.

Alles völlig Gaga, wie immer.

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