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18.01.2007

16:59 Uhr

Das Gegenteil von Discount

Luxusreisen mit Chauffeur, Skipper und Koch liegen im Trend

VonE. Krummheuer

Während mehr und mehr Billiganbieter auf den Reisemarkt drängen, entdecken die Touristik-Konzerne die Luxusreisen neu. Diese sind an der Grenze zum Massenartikel – aus mehreren Gründen. Für Reisewillige wird es 2007 eine mehr als ausreichende Auswahl geben.

FRANKFURT. Während Billigflieger und Discount-Anbieter in der Reisebranche immer mehr am Brot-und-Butter-Geschäft der Pauschalreise nagen, wächst parallel dazu das Segment extrem teurer Luxusreisen beständig. Dieses Geschäft ist relativ unabhängig von der Konjunktur, doch derzeit profitiert der Markt vom Aufschwung und zugleich auch von der demographischen Entwicklung: Immer mehr Menschen können viel Geld für Traumreisen ausgeben.

„Luxus wird spannender“, konstatiert Günter Rücker, der als Fernreise-Chef des zur Rewe-Touristik gehörenden Veranstalters Dertour das Angebot „Dertour Deluxe“ verantwortet. Dertour, bekannt als Marktführer in der Baustein-Touristik mit individuell zusammenstellbaren Reise-Bestandteilen, ist 2006 neu in das Marktsegment eingestiegen – und stockt 2007 bereits das Angebot von 52 auf 129 exklusive Fünf- und Sechs-Sterne-Hotels auf.

Vielfach läuft das Geschäft mit der vermögenden Klientel über kleine Spezialveranstalter, die der Kundschaft individuelle Pakete schnüren können. Von den großen Touristikanbietern ist neben Dertour lediglich Marktführer Tui schon länger im Luxussegment aktiv. Die Marke Airtours ist die unangefochtene Nummer 1. Angesichts von einem aktuellen Buchungsplus von 20 bis 30 Prozent bei einigen Reisezielen wird der Trend zum luxuriösen Reisen auch für die großen Veranstalter immer interessanter, bestätigt Airtours-Chefin Kirsten Feld-Türkis die Einschätzung von Wettbewerber Rücker: „Der Markt wächst, und dieser Trend wird sich fortsetzen.“

Optimismus herrscht auch in der Konzernzentrale. Tui-Deutschand-Chef Volker Böttcher sagt: „Wir sehen deutliches Wachstumspotenzial für den Premium- und Luxus-Reisemarkt in Deutschland. Der Markt für sehr hochwertige Produkte ist in den vergangenen drei Jahren in Deutschland jährlich zwischen zehn und fünfzehn Prozent gewachsen.“

Die wachsende „50-Plus-Generation“ und die hohe Zahl doppelverdienender kinderloser Haushalte machen Luxus-Reisen fast schon zum Massenartikel. Bei Airtours schätzt man den Kernmarkt auf eine Million Reisende. Allerdings sei die Zahl derer, die mehr Geld für den Urlaub ausgeben können, vermutlich etwa zehnmal so groß, sagt Feld-Türkis.

Dertour-Manager Rücker verweist auf die Reiseanalyse 2006 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Sie kommt zu der Erkenntnis, dass 28 Prozent der „reisefähigen“ Bundesbürger über ein frei verfügbares Haushaltseinkommen von 2500 Euro verfügen – eine potenzielle Klientel von 18 Millionen Kunden.

In zehn Katalogen präsentiert Airtours 2000 Hotels, 150 mehr als im Vorjahr. Über 1000 Reiseerlebnisse werden angeboten – darunter Privattouren mit Auto und eigenem Chauffeur oder etwa Segeltörns im Great Barrier Reef vor Australien mit eigener Yacht mit Skipper und Koch an Bord. Die Kundschaft genießt auf etlichen Airports bei den Pass- und Zollformalitäten VIP-Status, sie kann am Urlaubsort schon mal einen Ferrari als Mietwagen buchen.

Das schließt nicht aus, dass der verwöhnte Kunde sich zuweilen unters Pauschalreise-Volk mischt. Vor allem bei Kurz- und Mittelstreckenflügen spart auch der anspruchsvolle Urlauber gerne und steigt ohne Hemmungen in den Billigflieger.

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