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14.02.2015

15:30 Uhr

Das Geschäft mit dem Karneval

Schunkeln für die Konjunktur

VonMaren Lohrer

Wenn „das Trömmelche jeht“, dann steht der Kölner parat. Er kann nicht anders. Der jecke Ausnahmezustand lässt bei Wirten, Hotels die Kassen klingeln – und so mancher verdient sich eine goldene Nase.

Die Jecken sorgen im Karneval für Umsatz bei den Wirten und voll belegte Hotels. dpa

Pappnasen in Spendierlaune

Die Jecken sorgen im Karneval für Umsatz bei den Wirten und voll belegte Hotels.

KölnWeshalb ist der Rheinländer so krisenunabhängig fröhlich? Der Kabarettist Jürgen Becker, Gründer der alternativen Stunksitzung, erklärt dies anhand eines Liedes von den Bläck Fööss: „Drink doch eine met!“ Wer hinterher die Zeche zahlt, spielt vor allem im Karneval offenbar keine Rolle. Denn für das närrische Treiben gibt der Kölner Jeck alles, so singen etwa „De Räuber“: „De Oma jeht nom Pfandhuus, versetzt et letzte Stöck,denn d´r Fastelovend es für sie et jrößte Jlöck.“ Karneval als närrisches Konjunkturprogramm?

460 Millionen Euro Wirtschaftskraft entfaltet der Kölner Karneval laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) von 2009. „Die Zahlen sind noch immer aktuell“, sagt Sigrid Krebs vom Festkomitee des Kölner Karnevals. Grob ein Drittel dieser gewaltigen Summe entfällt dabei jeweils auf Züge, Sitzungen und den Kneipenkarneval.

In Köln gibt es weit über 500 Veranstaltungen in einer Session, da mangelt es nicht an Gelegenheiten zum Geldausgeben: „Dann weed d´r Aap jemaht, egal, wat et och koss“, auch das singen „De Räuber“. Um sich jedoch stilecht zum Affen zu machen, muss sich der Jeck verkleiden. Rund 1,5 Millionen Kostüme und 460.000 Accessoires werden im Kölner Fasteleer an den Narr gebracht - etwa 62,6 Millionen Euro werden damit laut BCG umgesetzt.

10 Fakten zum Karneval

D'r Zoch kütt

Der Kölner Rosenmontagszug ist der älteste und längste Karnevalsumzug in Deutschland. Den ersten Maskenumzug organisierte ein eigens gegründetes "Festordnendes Comité" 1823.

Eimol Prinz zo sin

Prinz Holger I., Bauer Michael, Jungfrau Alexandra bilden das aktuelle Trifolium. Seit der Proklamation am 9. Januar 2015 residieren die drei Freunde aus der Flittarder KG in ihrer Hofburg, dem Pullman-Hotel.

Kamelle un Strüßjer

300 Tonnen Süßigkeiten und über 300.000 Sträußchen haben die Zugteilnehmer 2014 dem Narrenvolk zugeworfen. Erfahrene Jecken ziehen daher Kostüme mit Helmen an, die auch heranrotierenden Pralinenschachteln standhalten, etwa Ritterharnische oder Astronautenanzüge.

Orangene Funken

114 Fest-/Prunk-/Persiflagewagen und Kutschen formierten den Zug 2014, mit dabei wie immer Abordnungen der roten und blauen Funken. Doch dahinter und daneben waren auch die orangenen Funken mit einem Großaufgebot zur Stelle: 95 Fahrzeuge der Abfallwirtschaftsbetriebe räumten 429 Kubikmeter Müll weg.

Kosten

Das Festkomitee verfügt über einen Etat von rund zwölf Millionen Euro, "D'r Zoch" stellt den mit Abstand größten Ausgabeposten dar. Er ist nicht kostendeckend. Die Stadt Köln bezuschusst den Zug mit rund 150.000 - 170.000 Euro, erhält aber vom Festkomitee wiederum 80.000 Euro für den Tribünenbau am Zugweg.

Freie Jecken

Obwohl die Kosten nicht gedeckt sind, bleibt der Zug werbefrei, auf den Prunk- und Persiflagewagen findet sich keine Werbung für fremde Firmen. Und auch nicht für die eigenen des Zugleiters oder anderer Festkomitee-Mitglieder. Das wäre auch insofern unpassend, da Zugleiter Christoph Kuckelkorn im Hauptberuf Bestatter ist, Familienbetrieb in der fünften Generation.

Gewerbesteuer

Die Stadt Köln profitiert vom närrischen Treiben auch wirtschaftlich. So berechnet die Boston Consulting Group allein das Gewerbesteueraufkommen aus dem Karneval auf vier bis fünf Millionen Euro.

Hochdekoriert

104.000 Karnevalsorden werden jede Session hergestellt. Umsatz: rund 5,1 Millionen Euro laut BCG. Die Orden stellen ursprünglich eine Persiflage auf die militärischen Orden der Preußen dar und sind mittlerweile begehrte Sammlerstücke.

Narrennachwuchs

Rund neun Monate nach den tollen Tagen steigt in der Domstadt die Geburtenzahl. Das IW Köln hat eine deutliche Abweichung vom Mittelwert festgestellt, laut Daten von Information und Technik NRW. So wurden 1270 Kinder im Dezember 2012 geboren, im Gesamtjahr nur 10.372.

Herbert Geiss profitiert vom rheinischen Frohsinn. Geiss ist Deiters-Inhaber, das Unternehmen betreibt 15 Filialen, darunter „Das größte Karnevalskaufhaus der Welt“. Die rote Clownsnase („Pappnas“) gibt es ab 30 Cent, das Herrenkostüm „Pirat Sparrow“ kostet 69,95 Euro, das Kinderkostüm „Ritter Junge“ ist für 29,95 Euro erhältlich. „In der Session machen wir 70 Prozent des Umsatzes“, sagt Geiss und ergänzt: „Karneval ist relativ krisensicher.“

Und so schunkeln auf den Sitzungen dann Mönch neben Vampir, Römer neben Ritter, Polizist neben Pirat, die Stimmung ist ausgelassen - trotz der oft astronomischen Preise. Denn es fallen nicht nur Kosten für die Tickets, sondern auch für die Gastronomie an. Allerdings sind aus den Erlösen auch die auftretenden Künstler zu bezahlen. Bei den Gagen hält man sich hier bedeckt. Eine Nachwuchsband erzählte, dass sie rund 1300 Euro pro Auftritt bekäme.

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Doch die Sitzungen lohnen sich - nicht nur aus Spaß an der Freud, sondern auch zum Netzwerken. Es ist in Köln Usus, dass viele Unternehmen ihre Kunden und Geschäftspartner auf eine Sitzung einladen, andere nehmen ihre Mitarbeiter zum hierhin zum Betriebsausflug. Ohnehin bieten viele Arbeitgeber ihren Angestellten zu Weiberfastnacht und Rosenmontag zusätzliche Urlaubstage an.

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