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20.09.2012

16:33 Uhr

Das Geschäft mit den Haustieren

Wenn Tierliebe keine Grenzen kennt

VonChristine Mattauch
Quelle:absatzwirtschaft

Antidepressiva für traurige Katzen oder Kauknochen aus Yakmilch für süße Hunde - Tierliebe kennt keine Krise. Vor allem das Premium-Segment wächst. Da spitzen auch Hersteller wie Melitta oder Bayer schon die Ohren.

Tierliebe kennt keine Krise: Die Heimtierbranche ist ein Wachstumsmarkt in Deutschland. dpa

Tierliebe kennt keine Krise: Die Heimtierbranche ist ein Wachstumsmarkt in Deutschland.

New YorkDer letzte Schrei in New York ist Dickson’s. Der Edelmetzger im Chelsea Market, einer kultigen Einkaufsmeile in Manhattan, verkauft sündhaft teures Biofleisch von Weidevieh aus dem Umland der Metropole. Wie der Herr, so der Hund: Innereien und Schlachtabfälle verarbeitet Jake Dickson mit Gemüse der Saison zu hochwertigem Futter. „Farm to Bowl“, vom Hof in den Napf, nennt er das. Der Preis: 800 Gramm für zehn Dollar. Der Absatz: reißend.

Rund 51 Milliarden Dollar gaben die Amerikaner im vergangenen Jahr aus, um ihre tierischen Mitbewohner zu verwöhnen, ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit so gigantischen Zahlen kann die deutsche Branche – ihr Gesamtumsatz lag 2011 bei 3,8 Milliarden Euro – nicht mithalten, doch die Stimmung ist ähnlich. Nämlich gut.

Was die Deutschen für ihre Haustiere ausgeben

Katzenfutter

Im Jahr 2011 wuchs der Markt für Katzenfutter weiter und behauptete sich mit einem Umsatz von 1.486 Mio. Euro (plus 0,7 Prozent). Das Segment „Snacks und Katzenmilch“ erzielte dabei ein Plus von 5,9 Prozent und übertraf damit das Vorjahresergebnis mit jetzt 197 Mio. Euro erneut. Der Bereich „Trockenfutter“ legte ebenfalls zu, mit 0,6 Prozent Zuwachs auf 318 Mio. Euro. Lediglich das Segment „Feuchtfutter“ musste mit nun 971 Mio. Euro einen leichten Rückgang hinnehmen (minus 0,2 Prozent).

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Hundefutter

Der Hundefuttermarkt setzte 2011 insgesamt 1.146 Mio. Euro um und wuchs somit mit einem Plus von 0,9 Prozent wieder stärker als im Vorjahr. Besonders positiv stellte sich im Hundefuttermarkt 2011 mit einem Zuwachs um 5,1 Prozent auf 373 Mio. Euro das Segment „Snacks“ dar. Nach Umsatzeinbußen im Vorjahr entwickelte sich auch der Bereich „Feuchtfutter“ 2011 wieder positiv, mit einem Wachstum um 0,6 Prozent auf 362 Mio. Euro. Das Segment „Trockenfutter“ hingegen verzeichnete erneut einen Rückgang (411 Mio. Euro, minus 2,4 Prozent).

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Zierfischfutter

Nach deutlichen Verlusten in den Vorjahren entwickelte sich das Segment „Zierfischfutter“ im Jahr 2011 erstmals wieder positiv und verzeichnete mit 64 Mio. Euro ein Umsatzplus von 4,9 Prozent. Bedingt wurde dieses erfreuliche Ergebnis vor allem durch positive Veränderungen im Bereich Teichfutter. Die Umsätze in den Segmenten „Kleintierfutter“ (121 Mio. Euro, minus 4,7 Prozent) sowie „Ziervogelfutter“ (49 Mio. Euro, minus 9,3 Prozent) gingen 2011 erneut zurück.

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Spielzeug & Co

Der Markt für Heimtier-Bedarfsartikel erzielte 2011 einen Gesamtumsatz von 916 Mio. Euro (minus 2,2 Prozent). Ein Umsatzplus von 2,6 Prozent verzeichnete dabei der Markt für Hunde-Bedarfsartikel mit 159 Mio. Euro. Nach guten Wachstumsraten in den Vorjahren ging im Jahr 2011 der Umsatz im Markt für Katzen-Bedarfsartikel (182 Mio. Euro, minus 1,1 Prozent) sowie Katzenstreu (238 Mio. Euro, minus 4,0 Prozent) zurück. Auch die Bedarfsartikelmärkte für Ziervögel (42 Mio. Euro, minus 2,3 Prozent), Zierfische (194 Mio. Euro, minus 3,5 Prozent) sowie Kleintiere (101 Mio. Euro, minus 4,7 Prozent) entwickelten sich nicht positiv.

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

„Die Haustierbranche ist stärker als jemals zuvor“, sagte Andrew Darmohraj, Vizechef des amerikanischen Heimtierindustrieverbands APPA, auf der „Global Pet Expo“. Diese weltgrößte Messe für Heimtierprodukte lockt nach Orlando, Florida. Über 3.000 Produktneuheiten wurden dort dieses Jahr vorgestellt: Antidepressiva für die traurige Katze, künstliche Quallen fürs Aquarium oder ein Hunde-Kauknochen aus Yak- und Kuhmilch.

Börse: Tierische Aktien für Anleger

Börse

Tierische Aktien für Anleger

Für den Hund ist Herrchen nichts zu teuer. Das wissen auch Anleger. Unternehmen, die ihr Geld mit Tiernahrung verdienen, sind daher begehrt an der Börse. Allerdings gibt es nicht allzu viele davon. Ein kleiner Überblick.

Während in vielen anderen Branchen die Angst umgeht vor Rezession und Niedergang, ist das Geschäft mit Hund und Katze stabil – als Familienmitglieder werden Haustiere selbst in schlechten Zeiten nicht vernachlässigt. Im Gegenteil: Der Trend geht zu Hochwertigem. „Premium ist eine stark wachsende Kategorie, weil die Menschen das Beste für ihr Tier wollen“, sagt Clarissa Nicklaus, Research-Analystin der Londoner Marktforschungsfirma „Euromonitor.“

Während 2011 der Umsatz mit Hunde- und Katzenfutter in Deutschland insgesamt um zwei Prozent stieg, legte der Absatz von teuren „Snacks“ um das Dreifache zu, so Euromonitor. Futter mit hohem Fleischanteil, bedarfsgerechte Portionspackungen, Edelaccessoires aus feinen Werkstoffen – da kalkulieren Firmen zuweilen sogar mit zweistelligen Zuwächsen.

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

20.09.2012, 17:05 Uhr

Und woanders verhungern die Kinder auf der Straße.

Mir geht schon der Deckel, wenn ich diese stinkigen Köter in Parkanlagen frei herumlaufen sehe.

Hund und Katze sind keine Tiere. Sie sind Spielzeuge für den (gestörten) Menschen.

Noggermann

20.09.2012, 18:06 Uhr

Das ist kein Hund auf dem Foto, dass ist eine Missgeburt. Wer sich sowas kauft hat nicht alle an der Waffel.

Bei den Viechern kann man die Augen rausdrücken.

Gast

20.09.2012, 18:10 Uhr

Das ist wirklich ein gigantischer Markt geworden. Es sind z.B. vakuumverpackte Eisbeinknochen für den Hund im Angebot und werden gekauft, obwohl man für nur wenig mehr Geld ein ganzes Eisbein mit Fleisch beim Metzger kaufen kann.
Es wird aber auch seit ca 40 Jahren massiv der Eindruck vermittelt (auch durch Tierärzte), man wäre unfähig, seinen Hund/Katze ohne Verwendung von Fertigfutter zu ernähren und geradezu verantwortungslos, wenn man das tut. Es ist praktisch unerklärlich, wie diese Tiere es ohne Tierfutterindustrie es bis ins 20te Jahrhundert geschafft haben.

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