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23.10.2014

15:08 Uhr

Datenspeicherung

Amazon eröffnet Rechenzentrum in Deutschland

Viele Kunden drängten, nun lenkt Amazon ein: Daten der Firmenkunden sollen künftig im Inland gelagert werden. Von dem neuen Rechenzentrum in Frankfurt am Main verspricht sich Amazon viel.

Amazon eröffnet ein Cloud-Datenzentrum in Frankfurt. dpa

Amazon eröffnet ein Cloud-Datenzentrum in Frankfurt.

MünchenDer US-Internetriese Amazon eröffnet auf Drängen seiner europäischen Kunden ein Cloud-Datenzentrum in Deutschland. Bereits ab Donnerstag könnten Unternehmen Speicher- und Rechenleistungen aus Frankfurt am Main beziehen, teilten die Amerikaner mit. Bisher bedienten sie den europäischen Markt von Irland aus. „Viele Kunden hatten uns gefragt, ob sie bei uns ihre Daten in Deutschland behalten können“, sagte Amazon-Spartenchef Andy Jassy im Reuters-Gespräch. Im Zuge der NSA-Affäre und angesichts der Neugier amerikanischer Geheimdienste haben viele deutsche Unternehmen gezögert, Daten oder Rechenleistung ins Internet zu Dienstleistern wie Amazon Web Services (AWS) zu verlagern.

Konkurrenten wie die Deutsche Telekom oder Fujitsu werben seit langem mit einer „deutschen Cloud“, wo die Daten der Firmenkunden auf Servern im Inland gelagert werden. AWS-Chef Jassy beteuerte, er werde Behörden allenfalls nach richterlichem Beschluss Zugriff auf die in seinem Haus gespeicherten Informationen gewähren und die Daten der Kunden mit aller Kraft geheim halten, die meist ohnehin verschlüsselt würden.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Allerdings ist umstritten, welchen Zugriff US-Behörden auf in Europa gespeicherte Daten haben. So streitet sich der Softwareriese Microsoft nach wie vor mit der amerikanischen Justiz, inwieweit diese Durchgriff auf ihre ausländische Töchter bekommt. US-Technologiefirmen leiden zunehmend unter der Sammelwut amerikanischer Regierungsstellen, die sich über ausländische Regelungen hinwegsetzen.

Jassy verspricht sich indes viel von dem Zentrum in Frankfurt. „Wir führen Gespräche mit vielen neuen Kunden“, sagte er und verwies auf die globalen Zuwächse des Datenvolumens bei AWS von 90 Prozent im vergangenen Quartal. In Deutschland nutzten bereits Firmen wie Talanx, SAP, Siemens oder Kärcher die Amazon-Internetdienste. Der ganz große Durchbruch stehe noch bevor. „AWS hat das Potenzial dazu, das größte Geschäftsfeld von Amazon zu werden, noch vor dem Internethandel, der zuletzt 70 Milliarden Dollar Umsatz machte“, erklärte Jassy.

Von

rtr

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