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21.03.2013

13:41 Uhr

Dauerkonflikt

Die Streikhansa

VonLukas Bay

Die Lufthansa durchlebt den größten Umbau der Konzerngeschichte – und riskiert deshalb immer wieder den Konflikt mit der Belegschaft. Die Streikschäden steigen seit Jahren. Die Saat hat die Airline selbst gelegt.

Lufthansa bleibt am Boden

Video: Lufthansa bleibt am Boden

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DüsseldorfNichts geht mehr bei der Lufthansa – mal wieder. Rund 700 Flüge musste die größte deutsche Fluggesellschaft bis Donnerstagmittag streichen, die Techniker und das Servicepersonal streiken. Vor der zweiten Verhandlungsrunde will die Gewerkschaft Verdi damit den Druck auf die Lufthansa erhöhen. Mittelstreckenflieger in Frankfurt, München und Düsseldorf bleiben am Boden. 5,2 Prozent mehr und Kündigungsschutz fordert die Gewerkschaft, die Airline bietet eine Nullrunde und längere Arbeitszeiten. Der Konflikt ist weit entfernt von einer Lösung.

Der Ton zwischen Gewerkschaften und der Lufthansa ist rauer geworden. Neun Streiks und Warnstreiks in einem Jahr haben Deutschlands Flughäfen seit März 2012 lahmgelegt. Im Durchschnitt wird alle drei Monate gestreikt. Und schon die bloße Drohung reicht, um die Buchungszahlen der Lufthansa einbrechen zu lassen.

Streiks und Warnstreiks im deutschen Luftverkehr

21. März 2012

Am Frankfurter Flughafen fallen während eines fünftägigen Arbeitskampfes mehr als 1700 Flüge aus, rund 170 000 Passagiere sind betroffen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld legen rund 1500 Beschäftigte des Bodendienstleisters Globeground die Arbeit nieder.

7. September

Die Gewerkschaft Ufo verursacht den bislang größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100 000 Passagiere sind betroffen. Es ist der erste bundesweite Streik der rund 18 000 Lufthansa-Flugbegleiter. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

10. Dezember

Warnstreiks des privaten Sicherheitspersonals führen an mehreren deutschen Flughäfen zu Verspätungen. Verdi hatte zu den Aktionen aufgerufen. Hintergrund sind stockende Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag.

18. Januar 2013

Ein Streik legt den Hamburger Flughafen weitgehend lahm. Die meisten Beschäftigten an den Sicherheitskontrollen folgen einem Verdi-Aufruf und legen für den ganzen Tag die Arbeit nieder. Betroffen sind rund 19 000 Reisende.

24./ 25. Januar

Ein Streik des privaten Sicherheitspersonals auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn sorgt für große Behinderungen. Hunderte Flüge fallen aus.

14./ 15. Februar

Streiks der Sicherheitskräfte in Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn legen den Betrieb erneut fast komplett lahm.

20. Februar

Die Streiks gehen in Hamburg weiter, vor den Terminals gibt es wieder lange Warteschlangen.

26. Februar

In der ersten Runde der Tarifverhandlungen bei der Lufthansa kommen sich die Parteien nicht näher. Die Gespräche werden auf den 22. März vertagt.

20. März 2013

Kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde ruft Verdi zu Warnstreiks an den Standorten Frankfurt, Berlin und Hamburg auf. Die Gewerkschaft Verdi vertritt vor allem Beschäftigte in den Boden- und Serviceeinheiten der Lufthansa.

Flugsicherung, Flughafen-Feuerwehr, Flugbegleiter – es gibt kaum eine Berufsgruppe, die im vergangenen Jahr nicht die Arbeit niedergelegt hätte. Nicht immer ist die Lufthansa verantwortlich für die Streiks. Bei dem Personal auf dem Rollfeld und beim Sicherheitspersonal führen andere die Verhandlungen. Doch auch das Lufthansa-Personal, das traditionell selten in den Streik tritt, verliert langsam die Geduld. Daran ist Lufthansa-Chef Christoph Franz nicht unschuldig.

Lufthansa: Flugbetrieb pendelt sich nach Streik wieder ein

Lufthansa

Flugbetrieb pendelt sich nach Streik wieder ein

Am Freitag liefe alles wieder planmäßig, heißt es von der Fluggesellschaft.

Bis 2015 will er das operative Ergebnis der Airline auf 2,3 Milliarden Euro steigern. Ein Ziel, dem Franz alles andere unterordnen will. Mit dem Sparprogramm „Score“ hat Franz darum den größten Umbau in der Geschichte der Lufthansa eingeleitet.  Rund 740 Millionen Euro soll das Umbauprogramm allein in diesem Jahr zum Ergebnis beitragen. Weitere 768 Millionen Euro sollen dann im Jahr 2014 dazukommen und 2015 noch mal 744 Millionen Euro. Geld, das in die Modernisierung der Flotte gesteckt werden soll, um den großen arabischen Konkurrenten die Stirn bieten zu können. Aber auch Geld, das letztlich auch bei den Mitarbeitern eingespart werden muss.

Die 627 Flugzeuge des Lufthansa-Konzerns (Ende 2012)

Airbus A310/A319

A310: Zwei Maschinen (Vermietet)

A319: 81 Maschinen, davon 32 bei Germanwings

Airbus A320/A321

A320: 89 Maschinen

A321: 75 Maschinen

Airbus A330/A340

Airbus A330: 36 Maschinen

Airbus A340: 63 Maschinen

Airbus A380

A380: 10 Maschinen

Boeing 737

B737: 45 Maschinen

Boeing 747 (Jumbo-Jet)

B747: 29 Maschinen

Boeing 767/777

Boeing 767: Sechs Maschinen

Boeing 777: Vier Maschinen

Boeing MD-11F

MD-11F: 18 Maschinen (alle Lufthansa Cargo)

Bombardier

Bombardier CRJ: 56 Maschinen

Bombardier C-Series: 0 (bestellt für 2013 bis 2018: 30 Maschinen)

Bombardier Q-Series: 14 Maschinen

Sonstige

ATR: 11 Maschinen

Avro RJ: 22 Maschinen

Embraer: 42 Maschinen

Fokker F70: 9 Maschinen

Fokker F100: 15 Maschinen

Über 2500 Einzelmaßnahmen hat die Airline seit Anfang 2012 ausgearbeitet: Die Zahl der Flugzeugtypen soll reduziert werden. Der Treibstoffverbrauch soll sinken. Und Mitarbeiter müssen gehen. 3.500 Stellen will das Unternehmen abbauen. Um die Details wird gerungen. „2013 wird ein hartes Jahr für Unternehmen und Mitarbeiter“, sagt Franz. So hart, dass der langjährige Tariffrieden bei der Lufthansa längst Geschichte ist.

Kommentare (19)

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tja

21.03.2013, 14:06 Uhr

Streikhansa?
Und woher kommt das?
Etwa aus produktorientierten Konzeptionen?
Pickelhaubenhansa dann doch wohl eher.
Und mit sowas auch noch durch die Luft fliegen?
Warum?

aktionaer

21.03.2013, 14:06 Uhr

Bisher steht die Lufthanser charttechnisch ja noch gut dar. Mal sehen, ob damit der Höhenflug beendet wird.

Wenn ja, dass kippt also die Lufthansa nach dem Stahl (Thyssen), Börse Shanghai.

Auch AUS kippt gerade weg.

ehemaliger_lufthansa_Kunde

21.03.2013, 14:15 Uhr

der aktionär,
der hats nicht schwär.

am besten er sieht sich mal genauer an womit er sein geld verdienen möchte.

und der lh aktionär kann auf mich als kunden doch ziemlich gut verzichten: weil

der aktionär
der hats nicht schwär.

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