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29.05.2013

16:14 Uhr

Dayli schließt 180 Filialen

Schlecker-Nachfolger setzt 628 Mitarbeiter vor die Tür

VonCarina Kontio

Der Investor Rudolf Haberleitner will hierzulande viele ehemalige Schlecker-Filialen aufmöbeln. Damit hat er Schlagzeilen gemacht. Doch seine Kette Dayli steckt in argen Turbulenzen – in Österreich kostet das 628 Jobs.

Er ist der neue Mr. Schlecker: Der Österreicher Rudolf Haberleitner. (Quelle: krone.at)

Er ist der neue Mr. Schlecker: Der Österreicher Rudolf Haberleitner.

(Quelle: krone.at)

DüsseldorfNoch am Dienstag wurden Insolvenzgerüchte heftig verneint, doch es läuft gerade denkbar schlecht für den Schlecker-Nachfolger Dayli. Denn nur einen Tag später macht die Restrukturierungs-Ankündigung die Runde: noch vor dem Start in Deutschland werden 180 von 885 Dayli-Filialen in Österreich wieder geschlossen - 560 Mitarbeiter werden arbeitslos, teilte der Investor Rudolf Haberleitner am Mittwoch über seine Vertriebsgesellschaft TAP mit. Neben der Filialschließung soll auch ein Verteilzentrum in der Obersteiermark mit derzeit 68 Mitarbeitern geschlossen werden.

Verantwortlich dafür macht er eine Art Verschwörung aus Politik, Justiz und Medien: Es habe „massive negative und unrichtige Berichterstattung“ gegen Dayli gegeben. Vor allem die Turbulenzen um die Sonntagsöffnung, so schreibt der „Kurier“, habe dem Unternehmen „ungeplante Verluste“ in zweistelliger Millionenhöhe beschert. Zudem spricht Haberleitner von Verzögerungen im Bereich der Finanzierung für den Rollout und der Warenversorgung.

Dayli auf dem Weg nach Deutschland

Investor

Rudolf Haberleitner ist ein österreichischer Sanierungsexperte und hat den Kauf von 1350 ausländischen Schlecker-Filialen über seinen Private-Equity-Fonds Tap 09 finanziert. Im November 2012 kaufte sich zudem der Glücksspielbetreiber Novomatic mit 50 Prozent der Anteile bei Haberleitners Projekt ein, gab die Anteile aber wenig später an ihn zurück.

Konzept

Dayli soll ein echter Nahversorger werden, der mehr bietet als Schlecker. So sollen zum Sortiment nicht nur Drogerieartikel sondern auch frische Brötchen, Dienstleistungen und ein betreuter Internetbestellservice zählen.

Geschäftsentwicklung

Forderungen an die deutsche Schlecker-Gesellschaft hat Dayli nach der Pleite abschreiben müssen, das hat Haberleitner in den Büchern für 2011 bereits verbucht. Aufgrund von Investitionen in die Filialen sollte in 2012 ein operatives Minus von acht Millionen Euro verzeichnet werden. In diesem Jahr sollten es bereits zehn bis 15 Millionen Euro Gewinn sein bei einem Umsatz von 500 Millionen Euro – die meisten deutschen Filialen waren bei dieser Schätzung noch nicht berücksichtigt.

Filialen

In Österreich zählt Dayli knapp 800 Filialen, hinzukommen 400 weitere Geschäfte in Ländern wie Polen und Italien. In Deutschland hatte Haberleitner bereits über 600 Filialen ins Auge gefasst. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 400 Geschäfte eröffnen.

Start in Deutschland

Ende Januar 2013 sollte es in den ersten deutschen Filialen losgehen mit dem neuen Konzept. Doch der Start verschob sich mehrfach. Zuletzt sollten Ende Juni die ersten Dayli-Filialen eröffnen.

Werbung

Von österreichischen Konzernen ist man in Sachen aufsehenerregender Werbung spätestens seit dem Rekord-Fallschirmsprung von Felix Baumgartner unter der Regie von Red Bull einiges gewohnt. Dennoch kündigte Haberleitner für Dayli vollmutig eine Werbekampagne an, die „noch nie da war auf der Welt“. Sie werde aber Kunden und Lieferanten nutzen, versprach der 68-Jährige.

Sollten die derzeit laufenden Verhandlungen mit Partnern sowie mit ausländischen Banken und Warenkreditversicherern allerdings positiv ausgehen, werde durch die vorgesehene Expansion die Wiedereinstellung der nunmehr angemeldeten Mitarbeiter wieder möglich sein. Laut „Wirtschaftsblatt“ würde die Umsetzung des Dayli-Konzeptes 2013 circa zusätzliche 1500 Arbeitsplätze schaffen. Der Investor hatte angekündigt, in Österreich und Deutschland rund 1300 ehemalige Schlecker-Filialen mit neuem Konzept wiederzubeleben. Bisher standen die Zeichen voll auf Expansion: Die Zahl der Shops wollte Haberleitner bis 2016 sogar auf 1350 erhöhen.

Doch schon vor wenigen Tagen hat Dayli die für Mai geplante Eröffnung seiner Testläden in Deutschland verschoben. Berichte über finanzielle Probleme wies Haberleitner vehement zurück. „Das ist Blödsinn. Wir haben keine Bankschulden.“ Auch sei der Investor Novomatic nicht ausgestiegen, sagte der Chef. „Ich habe nur meine Shares zurückgekauft, um neuen Investoren Platz zu machen.“ Darunter sei auch ein Interessent aus Deutschland, sagte er - ohne Namen zu nennen. Insgesamt sollten über 50 Millionen Euro in die Umrüstung investiert werden, was etwa 50.000 Euro pro Filiale entspricht.

Kommentare (1)

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engvertraut

29.05.2013, 21:31 Uhr

Naja, wenn die Schleckers da ja auch noch mitmischen, kann es doch nur wieder im Disaster enden. Man lernt wohl nie aus den eigenen Fehlern...

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