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07.06.2016

16:21 Uhr

DB Cargo

Eisenbahner mobilisieren die Politik

VonDieter Fockenbrock

Die Sanierung des Güterverkehrs auf der Schiene droht ein Politikum zu werden. Jetzt soll sogar die Kanzlerin den Arbeitnehmern von DB Cargo helfen, die Sparpläne des Bahnvorstands zu verhindern.

Der Konflikt um einen Stellenabbau geht weiter. dpa

Ärger für die Bahn

Der Konflikt um einen Stellenabbau geht weiter.

DüsseldorfIm Konflikt um einen Stellenabbau in der Gütersparte der Deutschen Bahn mobilisieren Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter die Politik. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Das Managementkonzept ist ein Schrumpfkonzept im Schienen-Güterverkehr“, kritisieren die Arbeitnehmervertreter von DB Cargo das Sanierungskonzept des Bahnvorstands. Das sei „kein Schritt nach vorne, sondern ist ein gewaltiger Schritt in die Vergangenheit“. Die Güterbahn brauche stattdessen einen Wachstums- und Produktivitätsschub.

Die Betriebsräte verwiesen auf Worte Merkels bei der Eröffnung des Gotthard-Tunnels in der Schweiz, als sie die Bedeutung für den Güterverkehr gewürdigt hatte. „Wir hoffen in diesem Sinne auf ihre Unterstützung“, bitten die Arbeitnehmer um Hilfe.

Am Mittwochvormittag wollen sie gemeinsam mit Vertretern der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Berlin gegen die Sparpläne der Bahn protestieren. Danach sollen unter anderem auch 215 kleinere von insgesamt 1.500 Verladestationen nicht mehr angefahren werden. Diese Stationen bringen nach Berechnungen der Bahn nur 0,4 Prozent des gesamten Transportaufkommens der DB Cargo und sind deshalb unwirtschaftlich. Der Gesamtbetriebsrat von DB Cargo kritisiert das als falschen Weg. Das Ziel der Sanierung müsse mehr Wachstum sein – und das nicht erst in ein paar Jahren, betonte der Vorsitzende Jörg Hensel.

Hier baut die Bahn 2016

Hamburg − Hannover

Von Mai bis Mitte Juli Weichen- und Gleiserneuerung. Umleitungen im Fernverkehr mit bis zu 30 Minuten längerer Fahrzeit, im Nahverkehr 15 Minuten.

Hannover – Göttingen

Von Mitte Juli bis Anfang September teilweise Totalsperrung und Umleitungen. 40 Minuten mehr Fahrzeit im Fernverkehr. Auch Nahverkehr betroffen.

Hannover – Kassel

Möglicherweise kurzfristig Austausch von Schotter. Zeitplan und Umfang möglicher Sperrungen will die Bahn „in Kürze“ bekannt geben.

Mannheim − Karlsruhe/Stuttgart

Längere Fahrtzeiten von fünf Minuten wegen eines Stellwerksbaus von Ende April bis Anfang September und Mitte November bis Dezember.

Münster – Osnabrück

Von Anfang August bis Anfang November teilweise Sperrungen und Umleitungen einzelner Fernzüge, 22 Minuten längere Fahrzeit.

Berlin − Elsterwerda − Dresden

Ab Anfang August sind Fernzüge wegen einer Umleitung 20 Minuten länger unterwegs. 75 Regionalzüge zwischen Flughafen Schönefeld und dem Süden Brandenburgs fallen pro Tag aus.

München − Salzburg/Kufstein

Teilausfälle Ende April und Anfang Mai sowie von August bis Oktober

Köln − Hagen

Längere Fahrzeiten im Fernverkehr wegen Umleitung über Düsseldorf ab Juli. Grund sind Gleiserneuerungen zwischen Solingen und Opladen.

Ulm − Augsburg

Von Ende Juli bis Mitte September Teilausfälle und längere Fahrtzeiten von 20 Minuten wegen Gleis- und Brückenarbeiten, im Nahverkehr 30 Minuten.

Der Bahn-Aufsichtsrat trifft sich am Mittwoch zur alljährlichen Strategiesitzung. Dabei geht es um die Pläne für DB Cargo, die seit Jahren mit Defizit fahren, und die weiteren Umbauvorhaben des Konzernvorstands Rüdiger Grube. Grube hatte Ende 2015 ein „Zukunftskonzept“ vorgelegt, mit dem die Bahn sowohl im Güter- wie auch im Personenverkehr, zuverlässiger, pünktlicher und kundenfreundlicher werden soll.

DB Cargo mit 17.500 Mitarbeitern hat in den vergangenen Jahren erhebliche Marktanteile an die private Konkurrenz und auch an den Straßenverkehr verloren. Die Bahntochter erwirtschaftete 2015 ein Defizit vor Zinsen und Steuern von 183 Millionen Euro. Zwischen 2008 und 2015 verlor die Bahn 26 Milliarden Tonnenkilometer an Transportleistung. Das geht aus einem Informationsschreiben an die SPD-Bundestagsfraktion hervor. Auch die SPD stellt das Konzept des Bahnvorstands infrage.

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