Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2005

07:58 Uhr

DB Energie auf Markt für Bahnstrom laut Gericht „ohne Wettbewerb"

Private Bahnen machen Front gegen Strompreise

VonEberhard Krummheuer

In einem Rechtsstreit um die Versorgung privater Bahnen mit Strom für Lokomotiven hat die Deutsche Bahn AG eine vorläufige Niederlage einstecken müssen. Ihre Tochter DB Energie verlor in erster Instanz einen Prozess vor dem Frankfurter Landgericht, den die Bahn Rail4Chem angestrengt hatte. Das drei Speditionen und BASF gehörende Unternehmen sieht sich durch das Preissystem der DB Energie für Bahnstrom-Lieferungen diskriminiert.

DÜSSELDORF. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. DB Energie prüfe die Möglichkeit einer Berufung beim Oberlandesgericht, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Das Verfahren ist eins von mehreren Prozessen, mit denen Rail4Chem gegen die Preispolitik der Stromversorgungstochter des Bahnkonzerns zu Felde zieht.

Der Essener Newcomer, dessen Chef Matthias Raith in Branchenkreisen als hartnäckiger Streiter gegen den Riesen Deutsche Bahn gilt, hat in den vergangenen Jahren bei seinen Bahnstromrechnungen einen „Diskriminierungsabschlag“ von 20 Prozent einbehalten. Als wesentliches Argument führt Rail4Chem an, dass das Preissystem von DB Energie ganz großen Bahnstromkunden kräftige Rabatte bis zu 14 Prozent einräume. Die kleinen privaten Bahnen aber hätten als Abnehmer geringerer Mengen keine Vorteile.

„Für uns sind die hohen Nachlässe unerreichbar“, sagte auch Raimund Stüer, Vorstandschef der TX Logistik AG, dem Handelsblatt. „Das Maximum von 14 Prozent erreichen Sie nur, wenn Sie DB sind.“ Die TX, Nummer eins unter den privaten Güterbahnen, sei zwar schon mit ihren 40 Loks ein Großkunde bei DB Energie, doch bekomme sie gerade mal ein bis zwei Prozent Rabatt eingeräumt. Stüer: „Selbst alle privaten Güterbahnen zusammen würden den Superrabatt nicht erreichen können.“ Das sei Diskriminierung.

Prinzipiell sah das auch das Landgericht Frankfurt so. Auf dem Markt von Bahnstrom sei die DB Energie „ohne Wettbewerb“, heißt es in der Urteilsbegründung. Es gebe keine Möglichkeit, die spezielle Energie mit der für den Bahnbetrieb erforderlichen Frequenz von 16,7 Hertz bei anderen Stromversorgern zu beziehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×