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15.03.2016

19:14 Uhr

Deutsche Bahn

3500 Jobs stehen auf der Kippe

Die Bahn schließt ein Drittel ihrer Verladestellen im Güterverkehr, betroffen sind unter anderem Bamberg-Hafen und der Saarbrücker Rangierbahnhof. Rund 3500 von insgesamt 20.000 Stellen in Deutschland sollen wegfallen.

Von Schließungen betroffen sind vor allem kleinere Verladestellen wie etwa Ferch-Lienewitz in Brandenburg mit 1000 Tonnen Güterumschlag. dpa

Güterverkehr

Von Schließungen betroffen sind vor allem kleinere Verladestellen wie etwa Ferch-Lienewitz in Brandenburg mit 1000 Tonnen Güterumschlag.

BerlinDie Bahn geht im Güterverkehr auf Schrumpfkurs und setzt ein Drittel ihrer Verladestellen auf die Streichliste. Insgesamt 500 Verladeplätze bei Kunden sollen nicht mehr angefahren werden, wie eine Aufstellung zeigt, die der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlag. Eine Bahnsprecherin sagte dazu, derzeit würden aber weit weniger als 500 Verladestellen untersucht. Beschlüsse seien noch nicht gefasst. Schwerpunkt der Schließungen ist demnach Nord- und Ostdeutschland.

In der Folge sollen bei der Güterbahn nach Angaben aus Unternehmenskreisen rund 3500 von insgesamt knapp 20.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Eine Projektgruppe der Bahn unter Einschluss der Unternehmensberatung McKinsey hatte sogar den Abbau von bis zu 5000 Stellen ins Auge gefasst. Die Bahn erklärte dazu, die wirtschaftliche Lage des Konzern werde sich auch auf das Personal auswirken. Alle Maßnahmen würden zunächst mit Vertretern der Arbeitnehmer diskutiert.

Die Liste mit dem Vermerk „Wegfall“ umfasst 498 Verladestellen, die größere wie Bamberg-Hafen mit fast 200.000 Tonnen oder den Saarbrücker Rangierbahnhof mit über 400.000 Tonnen Güterumschlag umfasst. Es trifft demnach aber vor allem kleinere wie etwa Ferch-Lienewitz in Brandenburg mit 1000 Tonnen.

Hier baut die Bahn 2016

Hamburg − Hannover

Von Mai bis Mitte Juli Weichen- und Gleiserneuerung. Umleitungen im Fernverkehr mit bis zu 30 Minuten längerer Fahrzeit, im Nahverkehr 15 Minuten.

Hannover – Göttingen

Von Mitte Juli bis Anfang September teilweise Totalsperrung und Umleitungen. 40 Minuten mehr Fahrzeit im Fernverkehr. Auch Nahverkehr betroffen.

Hannover – Kassel

Möglicherweise kurzfristig Austausch von Schotter. Zeitplan und Umfang möglicher Sperrungen will die Bahn „in Kürze“ bekannt geben.

Mannheim − Karlsruhe/Stuttgart

Längere Fahrtzeiten von fünf Minuten wegen eines Stellwerksbaus von Ende April bis Anfang September und Mitte November bis Dezember.

Münster – Osnabrück

Von Anfang August bis Anfang November teilweise Sperrungen und Umleitungen einzelner Fernzüge, 22 Minuten längere Fahrzeit.

Berlin − Elsterwerda − Dresden

Ab Anfang August sind Fernzüge wegen einer Umleitung 20 Minuten länger unterwegs. 75 Regionalzüge zwischen Flughafen Schönefeld und dem Süden Brandenburgs fallen pro Tag aus.

München − Salzburg/Kufstein

Teilausfälle Ende April und Anfang Mai sowie von August bis Oktober

Köln − Hagen

Längere Fahrzeiten im Fernverkehr wegen Umleitung über Düsseldorf ab Juli. Grund sind Gleiserneuerungen zwischen Solingen und Opladen.

Ulm − Augsburg

Von Ende Juli bis Mitte September Teilausfälle und längere Fahrtzeiten von 20 Minuten wegen Gleis- und Brückenarbeiten, im Nahverkehr 30 Minuten.

Der Chef der Eisenbahngewerkschaft EVG, Alexander Kirchner, hatte bereits gewarnt, die Güterbahn DB Cargo sei auf dem völlig falschen Gleis unterwegs und gefährde mit ihrem Schrumpfkurs den Schienengüterverkehr in Deutschland insgesamt. Dies werde auch Auswirkungen auf die Klimaziele der Regierung haben, die eigentlich verstärkt Verkehr auf der Bahn statt auf der Straße sehen will.

Die Verkehrsprognose der Bundesregierung sagt eigentlich voraus, dass die Güterbahnen bis 2030 im Vergleich zu 2010 über 40 Prozent mehr transportieren werden. Dies ist ein höherer Zuwachs als dem LKW unterstellt wird.

Die Verkehrsprognose ist wiederum Grundlage für den Bundesverkehrswegeplan, den Minister Alexander Dobrindt (CSU) am Mittwoch vorstellen will. Er gibt vor, in welche Straßen und Schienen die Investitionsmittel des Bundes fließen sollen, um die prognostizierten Verkehrsströme bewältigen zu können.

Die Deutsche Bahn als einstiger Monopolist verliert seit Jahren Marktanteile an private Konkurrenten im Schienen-Güterverkehr und hat derzeit noch einen Anteil von rund zwei Drittel. Auf Unternehmenskäufe fallen zudem jetzt milliardenschwere Sonder-Abschreibungen an, so dass der Staatskonzern für 2015 erstmals seit über zehn Jahren einen Betriebsverlust ausweisen wird. Der Konzern will am Mittwoch seine Bilanz vorstellen.

Von

rtr

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