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16.08.2011

16:25 Uhr

Deutsche Bahn

Angestellte sind unmotiviert und frustriert

Zufriedene Mitarbeiter sind wichtig - denn sie sind täglich in Kontakt mit den Millionen von Kunden. Und genau hier hat die Deutsche Bahn einem Zeitungsbericht zufolge offenbar ein massives Problem.

Ein Zugführer der Deutschen Bahn am Berliner Hauptbahnhof. Quelle: Reuters

Ein Zugführer der Deutschen Bahn am Berliner Hauptbahnhof.

BerlinOb Lokführer, Zugbegleiter oder Techniker: Die Bahn kämpft gegen Unzufriedenheit und Frust beim Personal. „Wir sind auf dem Weg zu einem neuen Miteinander“, teilte der Konzern am Dienstag in Berlin mit. Nach einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ ist das auch nötig: Nach einer internen Umfrage sind demnach knapp 70 Prozent der Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz und durch ihre Tätigkeiten frustriert. Auch Fahrgastvertreter und Gewerkschaft berichten von weit verbreiteter Unzufriedenheit.

Veraltete Computertechnik

Laut Bahn waren vor eineinhalb Jahren in einer Stichprobe etwa 200 Beschäftigte befragt worden. Der Konzern hat insgesamt rund 276.000 Mitarbeiter. „Wir nehmen die darin zum Ausdruck gekommenen kritischen Rückmeldungen sehr ernst“, teilte die Bahn mit - weiter ging sie auf die Ergebnisse nicht ein. Die Beschäftigten klagen laut dem Bericht über zu wenig unternehmerische Freiheiten, lange Entscheidungswege, undurchschaubare Strukturen, überzogene Ziele oder eine veraltete Computertechnik.

Seit einem Jahr steuert die Unternehmensspitze demnach gegen. Vorstände hätten in „Dialogrunden“ mit mehreren tausend Beschäftigten gesprochen. Für die nächsten Monate seien weitere Konferenzen mit 4000 Mitarbeitern geplant - „Arbeit an einer neuen Unternehmenskultur“, wie es heißt.

Für die Bahn sind zufriedene Mitarbeiter wichtig, weil sie täglich im Kontakt mit Millionen von Kunden stehen. „Dass sie unzufrieden sind, macht sich absolut bemerkbar“, sagte Karl-Peter Naumann, der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn. Stress und Überforderung zeige sich besonders bei Störungen, wenn Bahnhofspersonal und Zugbegleiter keine Auskunft geben könnten, weil sie nicht informiert seien. „Das nervt die Mitarbeiter und es enttäuscht sie - denn die meisten geben sich ja Mühe.“

Das Problem aller Großkonzerne

Ähnlich die Sicht bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft: „Die Zufriedenheit ist nicht besonders hoch, das merken wir bei Betriebsbesuchen in allen Bereichen“, sagte Sprecher Michael Klein. Er sieht Arbeitsverdichtung, Personal- und Materialmangel als Gründe.

„Es ist das Problem aller Großkonzerne: Die Entscheidungswege sind zu lang“, sagte Naumann. „Die Manager in der Zentrale wissen oft gar nicht, was draußen los ist.“ Bei kleineren Bahn-Gesellschaften sei die Motivation oft besser als beim Marktführer.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nannte als Ursachen außerdem unregelmäßigen Schicht- und Wechseldienst. Es fehle den Beschäftigten außerdem an Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung und Qualifikation. Auch der Mitarbeiterdatenschutz werde nicht immer beachtet.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Berufspendler

16.08.2011, 14:15 Uhr

Als ob das Managment nichts wüsste von den Zahlen, eine Frechheit sich dann noch erstaunt darüber zu geben. Die Probleme sind seit Jahren bekannt. Die Bahn dient doch nur noch als Gelddruckmaschine der Bundesregierung, Effizienz, Service und Pünktlichkeit sind schlicht weg egal, es zählt nur die
Rendite. Da aber Alternativen nicht gegeben sind, wird sich daran auch so schnell nichts ändern...

Account gelöscht!

16.08.2011, 16:30 Uhr

Manager mit Visionen, die realistisch umgesetzt werden, sind gefragt. Statt dessen haben Kleingeister, die durch Lohn- u. Materialdumping die Kosten senken um die Rendite und die eigene Vergütung zu steigern das Sagen. Die Bahn könnte ein tolles Verkehrsmittel sein. Jedoch wenn die so weitermachen, kann man sie irgendwann ganz abschaffen.

Account gelöscht!

16.08.2011, 17:15 Uhr

In der heutigen Gesellschaft sind biedere Schulnoten und leeres theoretisches Wissen gefragt. Diese "Manager" sind nichts als blutleere Marionetten.

Was wir in Deutschland brauchen sind Könner. Aber in diesen Unternehmen sind nicht die gefragt, die Unternehmen weiterentwickeln sondern lediglich die, die sich unterordnen und arbeiten wie gedankenlose Maschinen.

Doch wohin das führt sehen wir ja.

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