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11.03.2016

14:46 Uhr

Deutsche Bahn

Bahn schreibt ersten Verlust seit über zehn Jahren

Die Deutsche Bahn hat zum ersten Mal seit über zehn Jahren rote Zahlen geschrieben. Grund dafür sind Sonder-Abschreibungen in Milliardenhöhe. Bei den Fahrgästen hat der Konzert einen neuen Rekord aufgestellt.

Sonder-Abschreibungen zehren das im normalen Betrieb erreichte Ergebnis der Bahn vollständig auf. dpa

Krise im Güterverkehr

Sonder-Abschreibungen zehren das im normalen Betrieb erreichte Ergebnis der Bahn vollständig auf.

BerlinDie Deutsche Bahn hat wegen milliardenschwerer Sonder-Abschreibungen vor allem auf Firmenkäufe 2015 den ersten Verlust seit über zehn Jahren geschrieben. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) werde daher über 100 Millionen Euro im Minus liegen, sagten mit den Zahlen Vertraute am Freitag. Der „Spiegel“ berichtete vorab von einem Minus von 150 Millionen Euro. Der Umsatz stieg jedoch leicht auf 40,5 Milliarden Euro.

Unternehmenskreisen zufolge betragen die Sonder-Abschreibungen auf Käufe etwa im Güterverkehr allein deutlich über eine Milliarde Euro. Zudem kommen vor allem aufgrund der Krise im Güterverkehr weiter Sonderaufwendungen von 700 Millionen Euro. Dies allein zehrt das im normalen Betrieb erreichte Ergebnis praktisch vollständig auf. Dabei konnte das Unternehmen den Angaben zufolge durch zahlreiche Sonderangebote die Passagierzahl in IC- und ICE-Zügen trotz der Fernbus-Konkurrenz leicht steigern.

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Noch schlechter sieht es für die Bahn beim Nettoergebnis aus, da der hoch verschuldete Konzern Zinszahlungen von um die 800 Millionen Euro zu leisten hat. Daraus ergibt sich unter dem Strich dann ein Verlust von rund einer Milliarde Euro. Dennoch verlangt der Bund noch eine Dividende von seinem Unternehmen von 850 Millionen Euro, was nur über neue Schulden finanziert werden kann. Der Konzern wird so im Laufe des Jahres mit an die 20 Milliarden Euro in der Kreide stehen.

Die Bahn wollte sich nicht äußern und verwies auf die Bilanzpressekonferenz in der nächsten Woche.

Bei den Fahrgast-Zahlen im Fernverkehr hat die Bahn im vergangenen Jahr einen Rekord erzielt. Reisende unternahmen rund 132 Millionen Fahrten mit dem ICE oder Intercity, das waren 2,9 Millionen mehr als 2014, wie der „Spiegel“ berichtete. Diese Angaben wurden der Deutschen Presse-Agentur am Freitag aus dem Umfeld des Aufsichtsrats bestätigt.

Hier baut die Bahn 2016

Hamburg − Hannover

Von Mai bis Mitte Juli Weichen- und Gleiserneuerung. Umleitungen im Fernverkehr mit bis zu 30 Minuten längerer Fahrzeit, im Nahverkehr 15 Minuten.

Hannover – Göttingen

Von Mitte Juli bis Anfang September teilweise Totalsperrung und Umleitungen. 40 Minuten mehr Fahrzeit im Fernverkehr. Auch Nahverkehr betroffen.

Hannover – Kassel

Möglicherweise kurzfristig Austausch von Schotter. Zeitplan und Umfang möglicher Sperrungen will die Bahn „in Kürze“ bekannt geben.

Mannheim − Karlsruhe/Stuttgart

Längere Fahrtzeiten von fünf Minuten wegen eines Stellwerksbaus von Ende April bis Anfang September und Mitte November bis Dezember.

Münster – Osnabrück

Von Anfang August bis Anfang November teilweise Sperrungen und Umleitungen einzelner Fernzüge, 22 Minuten längere Fahrzeit.

Berlin − Elsterwerda − Dresden

Ab Anfang August sind Fernzüge wegen einer Umleitung 20 Minuten länger unterwegs. 75 Regionalzüge zwischen Flughafen Schönefeld und dem Süden Brandenburgs fallen pro Tag aus.

München − Salzburg/Kufstein

Teilausfälle Ende April und Anfang Mai sowie von August bis Oktober

Köln − Hagen

Längere Fahrzeiten im Fernverkehr wegen Umleitung über Düsseldorf ab Juli. Grund sind Gleiserneuerungen zwischen Solingen und Opladen.

Ulm − Augsburg

Von Ende Juli bis Mitte September Teilausfälle und längere Fahrtzeiten von 20 Minuten wegen Gleis- und Brückenarbeiten, im Nahverkehr 30 Minuten.

Das gute Abschneiden sei mit besserem Service und dem Verkauf von mehr Billigtickets zu erklären. Dadurch sei allerdings der Umsatz der Fernverkehrs-Sparte um zwei Prozent auf unter vier Milliarden Euro gesunken. Die Bahn legt am kommenden Mittwoch in Berlin ihre Jahresbilanz für 2015 vor.

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