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09.05.2017

16:06 Uhr

Deutsche Bahn

Billigtickets sollen Konkurrenz bekämpfen

Die Bahn will die Konkurrenz im Sommer mit mehreren Angeboten attackieren. Gäste sollen mit flexiblen Karten und günstigen Preisen in die Fernzüge gelockt werden. Vor allem eine Zielgruppe steht dabei im Fokus.

Die Bahn möchte im Sommer das Geschäft ankurbeln und greift die Konkurrenz deswegen mit günstigen Fahrscheinen an. dpa

Deutsche Bahn

Die Bahn möchte im Sommer das Geschäft ankurbeln und greift die Konkurrenz deswegen mit günstigen Fahrscheinen an.

BerlinMit Sonderaktionen in diesem Sommer will die Deutsche Bahn noch mehr Fahrgäste in ihre Fernzüge locken. Dazu gehören günstige Fahrscheine zum Pauschalpreis, eine monatlich kündbare Bahncard und ein Vier-Fahrten-Paket für junge Leute, wie die Vorstandschefin der Bahntochter DB Fernverkehr, Birgit Bohle, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte. So soll 2017 die Fahrgast-Rekordzahl des Vorjahres noch einmal übertroffen werden.

Das Unternehmen rechnet mit 143 Millionen Fahrten in ICE- und IC-Zügen, das wären vier Millionen Reisen oder drei Prozent mehr als 2016. Von Januar bis April seien 45 Millionen Fahrten im Fernverkehr gezählt worden, ein Plus von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sagte Bohle.

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Die Bahn bietet ihre wichtigsten Rabattkarten, die Bahncard 25 und die Bahncard 50, von Mitte Juni bis Ende Juli testweise mit einer flexiblen Laufzeit an. Bei einer Mindestlaufzeit von drei Monaten kann sie dann monatlich gekündigt werden. Diese Variante sei immer wieder von den Kunden gefordert worden, erklärte Bohle. Von Spezialangeboten abgesehen, gilt eine Bahncard bislang ein Jahr.

Im Wettbewerb mit Privatauto und Fernbus nimmt die Bahn besonders Jugendliche ins Visier. Für die Sommermonate Juli bis September verkauft das bundeseigene Unternehmen an Jugendliche unter 18 Jahren vier Fahrten, die in allen Fernzügen nutzbar sind, für 76 Euro. 18- bis 26-Jährige zahlen fürs gleiche Paket 96 Euro. Außerdem sollen eine Million Tickets mit Zugbindung vom 11. Juni bis 9. Dezember für 19,90 Euro unter die Leute gebracht werden.

Güterverkehr: Konkurrenten hängen Deutsche Bahn ab

Güterverkehr

Konkurrenten hängen Deutsche Bahn ab

Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr erneut weniger Güter auf der Schiene transportiert. Die Konkurrenten des Staatskonzerns konnten so ihren Marktanteil erstmals über 40 Prozent steigern.

Eine positive Zwischenbilanz zog die Bahn zum variablen Flexpreis, der seit Dezember ein Jahr lang getestet wird. Seitdem gibt es an einigen Tagen einen Preisaufschlag oder -abschlag von knapp drei Prozent im Vergleich zum Standardpreis. Die Bahn will so die Auslastung der Züge besser steuern. Die Nachfrage zeige, dass die Preisunterschiede von den Kunden akzeptiert würden, sagte Bohle: „In den ersten vier Monaten des Jahres haben wir knapp neun Prozent mehr Flexpreis-Tickets verkauft als ein Jahr zuvor.“

Von

dpa

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