Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.12.2015

16:55 Uhr

Deutsche Bahn

Bitte einsteigen – in den Internet-Bummelzug!

VonDieter Fockenbrock, Helmut Steuer

Wer in einem Zug der Deutschen Bahn im Internet surfen will, ärgert sich oft über die schlechte Verbindung. Anders läuft es in Schweden und der Schweiz. Warum die Bahn trotzdem an ihrer falschen Wlan-Strategie festhält.

Mit einer stabilen Internetverbindung in ihren Zügen tut sich die Deutsche Bahn schwer. Reuters

Deutsche Bahn

Mit einer stabilen Internetverbindung in ihren Zügen tut sich die Deutsche Bahn schwer.

Berlin/StockholmTelefonieren und Surfen im Zug wird auch auf Jahre in Deutschland kein Vergnügen sein. Selbst wenn die Deutsche Bahn ihr Versprechen einlöst, im nächsten Jahr kostenlosen Internetzugang in allen ihren Fernzügen auch in der zweiten Klasse anzubieten. Im Regionalverkehr bleibt das Smartphone vorerst oft stumm. Das Netz entlang der Schienenwege ist lückenhaft und damit unzuverlässig. Der Staat, die Eisenbahngesellschaften und die Telekomfirmen streiten darum, wer dem Internet-Bummelzug endlich Tempo machen soll. Aus gutem Grund. Eine Studie der Unternehmensberatung AT Kearny rechnet vor, dass die flächendeckende Versorgung mit Wlan und Verstärkern im Nahverkehr auf der Schiene 1,3 Milliarden Euro kosten würde.

Die Studie ist eine Gemeinschaftsarbeit von Deutscher Telekom, Vodafone, Telefonica, den Eisenbahnunternehmen Deutsche Bahn und Netinera sowie mehreren Verkehrsverbünden, die für den Nah-und Regionalverkehr auf der Schiene zuständig sind. Und die Studie soll Eindruck machen beim Bund. Nicht ohne Grund schließt die Präsentation mit der Forderung des Präsidenten des Dachverband der Nachverkehrsträger (BAG-SPNV) Thomas Geyer: „Für eine flächendeckende Ausstattung sind auch weitere Anstrengungen des Bundes erforderlich.“

Wie die Bahn Kunden im Fernverkehr gewinnen will

Keine flächendeckende Preiserhöhung

Bereits für das laufende Jahr hat die Deutsche Bahn in der zweiten Klasse nicht an der Preisschraube gedreht. Das ist auch im nächsten Jahr der Fall, dann auch in der ersten Klasse. Einschränkung: Fahrten über die Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig, die zum Fahrplanwechsel in Betrieb genommen wird und Fahrzeiten deutlich verkürzt.

Ansonsten bleibt bei 90 Prozent der Tickets alles beim Alten: Die Normalpreise ändern sich nicht, die Bahn-Card-Preise bleiben stabil wie auch die Preise für Streckenzeitkarten. Sparpreise gibt es weiter ab 19 und 29 Euro.

Höhere Preise auf neuer Strecke

Kunden, die Verbindungen über die Neubaustrecke Erfurt - Halle/Leipzig nutzen, müssen tiefer in die Tasche greifen; sie kommen aber auch schneller an ihr Ziel. Der Fahrpreis erhöht sich um ein bis sieben Euro. Normalpreise und Streckenzeitkarten werden ebenfalls angepasst.

Die Fahrzeit von Frankfurt am Main nach Leipzig verkürzt sich beispielsweise um 23 Minuten auf rund drei Stunden. Dafür werden mit 85 Euro künftig fünf Euro mehr fällig als bisher. Wer von Berlin nach Erfurt unterwegs ist, zahlt ab dem Fahrplanwechsel 71 statt 64 Euro. Hier gelangt der Bahnreisende dann unter zwei Stunden an sein Ziel; 44 Minuten schneller als bisher.

Sparpreise ohne Vorkaufsfrist

Für den Sparpreis ab 29 Euro auf längeren Strecken entfällt künftig die Vorverkaufsfrist. Je nach Verfügbarkeit kann solch ein Angebot dann noch bis kurz vor Abfahrt gebucht werden. Damit sollen vor allem Kunden angelockt werden, die bisher nicht oder selten Bahn fahren. Sparpreise werden auf Strecken zur Verfügung gestellt, die nicht ausgelastet sind - und zu Zeiten, in denen die Züge nicht voll sind.

Fahrten mit ICE-Sprinter werden günstiger

In etwa dreieinhalb Stunden von Frankfurt am Main nach Berlin oder von Köln nach Hamburg - das ist mit dem ICE-Sprinter möglich. Die Sprinter-Fahrten werden mit dem Fahrplanwechsel günstiger, weil die Reservierungspflicht und der Sprinter-Aufpreis von 11,50 Euro entfallen. Wer auf eigenen Wunsch einen Sitzplatz reservieren will, zahlt in der zweiten Klasse die üblichen 4,50 Euro. In der ersten Klasse ist die Reservierung im Fahrpreis enthalten.

Normalpreis wird zum Flexpreis

Mit dem Normalpreis können Kunden flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zug reisen. Das will die Deutsche Bahn gleich im Namen deutlich machen und tauft den Normalpreis in Flexpreis um.

Kein Termin für Gratis-Internet in zweiter Klasse

Mit dem Normalpreis können Kunden flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zug reisen. Das will die Deutsche Bahn gleich im Namen deutlich machen und tauft den Normalpreis in Flexpreis um.

Doch der Bund denkt gar nicht daran, sich mit zusätzlichen Millionen zu beteiligen. Auf einem Branchentreff stellte Hugo Gratza, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, kürzlich unmissverständlich klar, was Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) von solchen Forderungen hält: gar nichts. Internet und Telefonie im Zug seien heutzutage wie die Zugbeleuchtung. Und da stelle ja auch niemand die Forderung nach zusätzlichen Staatsmitteln, sagte Gratza.

Der Bund zieht sich auf die Position zurück, dass die Subventionen für den Regionalverkehr gerade von 7,4 Milliarden auf acht Milliarden Euro ab 2016 aufgestockt worden seien. Zudem kommen jedes Jahr 1,8 Prozent an Bundesmitteln obendrauf. Mit diesem Geld finanzieren die Bundesländer über ihre Verkehrsträger wie zum Beispiel den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) den Nah- und Regionalverkehr auf der Schiene. Die Strecken werden ausgeschrieben und Bahnbetreiber wie DB oder Netinera lassen die Züge fahren.

Und die wiederum sind so ausgestattet wie ein VRR oder ein anderer so genannter Aufgabenträger sie haben will. Mit oder ohne Wlan und Verstärkertechnik. Die Bahnen argumentieren deshalb: gefahren wird, was bestellt ist. „Es ist an den Ländern, Wlan zu bestellen“, sagt Bahnchef Rüdiger Grube.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Westermann

01.12.2015, 17:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Matt Anderson

01.12.2015, 17:43 Uhr

Das Internet ist doch in Deutschland sowieso nur auf dem Stand von Rumänien. Naja was für Merkel Neuland ist, braucht ja auch kein anderer. Wer in Deutschland Zug fährt, muss ja eh masochistisch veranlagt sein. Zugfahren muss doch nur teuer sein oder nicht? Wie würde ein CDU-Politiker dazu sagen? "Wer Service für sein Geld verlangt, dem steht es frei Deutschland zu verlassen!"
Denn Service darf es nur für Flüchtlinge geben und auf keinen Fall für Steuerzahler! Und für Flüchtlinge selbstverständlich kostenlos!!

Herr Marc B.

01.12.2015, 17:46 Uhr

Was im Artikel nicht klar genug herauskommt. Man muss sauber unterscheiden zwischen zwei Problemen beim Internetzugang:
1. unzureichende Netzabdeckung und 2. fehlende In-Train-Repeater (im Artikel Verstärker genannt)

Oftmals ist nämlich gar nicht die Netzabdeckung das Problem, sondern die metallbedampften Scheiben der Bahn die die Strahlung abschwächen. Um die Strahlung zwischne außen und innen hin und her zu senden benötigt man deshalb die Repeater.

Der Aufbau eines WLAN Hotspots im Zug ist kein großer Unterschied zum Repeater. Auch WLAN läuft bei der Bahn über eine Mobilfunkverbindung. Der WLAN Hot Spot im Zug benötigt dazu Kontakt nach außen. Ob WLAN Hotspot oder In-Train-Mifi Repeater dürften sich kostentechnisch nicht viel nehmen, auch wenn ich dem Artikel insofern Recht gebe, dass der reine Repeater die bessere Wahl wäre. Bisher setzte die Bahn auf WLAN, weil sie durch den Verkauf des Internetzugangs sich so die Kosten finanzieren lassen wollte. Das geht mit der Buskonkurrenz nun so nicht mehr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×