Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.02.2016

15:52 Uhr

Deutsche Bahn

Ein bahn-tastisches Angebot

VonMartin Tofern

Wer künftig mit dem Fernzug nach Berlin reist, hat auch Anspruch auf ein Elektroauto. Das Gefährt können Bahnkunden direkt in Kombination mit ihrem Ticket buchen. Warum der Staatskonzern diese Marketing-Aktion lostritt.

Eine Frau steckt ein Ladekabel in ein neues Elektro-Auto. Wer künftig ein Bahnticket kauft, soll dann auch ein Elektroauto nutzen können. dpa

E-Auto

Eine Frau steckt ein Ladekabel in ein neues Elektro-Auto. Wer künftig ein Bahnticket kauft, soll dann auch ein Elektroauto nutzen können.

Das einst so träge Staatsunternehmen Deutsche Bahn geht in die Marketing-Offensive: Am kommenden Donnerstag startet in Berlin ein Pilotprojekt mit Elektroautos. Wer mit dem Fernzug in die Hauptstadt reist, kann sich dort bei der Bahntochter Flinkster für 29 Euro am Tag ein Elektroauto leihen. Und das darf er dann sogar eine Woche lang behalten. Das Pilotprojekt ist zunächst nur auf Berlin begrenzt. Aber wenn es dort gut flutscht, dann soll es auch in anderen Städten angeboten werden. Soweit die Ankündigung der Bahn.

Grund für die Offensive ist sicherlich die Angst, noch mehr Kunden zu verlieren: Fernbusse mit Billigtarifen und Carsharing-Modelle machen ihr das Leben schwer. In den vergangenen Jahren hat sie massiv Fahrgäste verloren. Gerade im Vergleich zu Fernbussen ist die Bahn viel zu teuer und – nun ja – bei jungen Leuten eben einfach nicht mehr angesagt.

Die Bahn hält mit einer Marketing-Offensive dagegen und will endlich wieder hip sein. Deshalb will sie künftig auch in der 2. Klasse kostenloses Internet anbieten. Das sollte ursprünglich schon dieses Jahr kommen, mittlerweile ist das Projekt Volksnetz aber wohl auf 2017 verschoben.

Hier baut die Bahn 2016

Hamburg − Hannover

Von Mai bis Mitte Juli Weichen- und Gleiserneuerung. Umleitungen im Fernverkehr mit bis zu 30 Minuten längerer Fahrzeit, im Nahverkehr 15 Minuten.

Hannover – Göttingen

Von Mitte Juli bis Anfang September teilweise Totalsperrung und Umleitungen. 40 Minuten mehr Fahrzeit im Fernverkehr. Auch Nahverkehr betroffen.

Hannover – Kassel

Möglicherweise kurzfristig Austausch von Schotter. Zeitplan und Umfang möglicher Sperrungen will die Bahn „in Kürze“ bekannt geben.

Mannheim − Karlsruhe/Stuttgart

Längere Fahrtzeiten von fünf Minuten wegen eines Stellwerksbaus von Ende April bis Anfang September und Mitte November bis Dezember.

Münster – Osnabrück

Von Anfang August bis Anfang November teilweise Sperrungen und Umleitungen einzelner Fernzüge, 22 Minuten längere Fahrzeit.

Berlin − Elsterwerda − Dresden

Ab Anfang August sind Fernzüge wegen einer Umleitung 20 Minuten länger unterwegs. 75 Regionalzüge zwischen Flughafen Schönefeld und dem Süden Brandenburgs fallen pro Tag aus.

München − Salzburg/Kufstein

Teilausfälle Ende April und Anfang Mai sowie von August bis Oktober

Köln − Hagen

Längere Fahrzeiten im Fernverkehr wegen Umleitung über Düsseldorf ab Juli. Grund sind Gleiserneuerungen zwischen Solingen und Opladen.

Ulm − Augsburg

Von Ende Juli bis Mitte September Teilausfälle und längere Fahrtzeiten von 20 Minuten wegen Gleis- und Brückenarbeiten, im Nahverkehr 30 Minuten.

In der ersten Klasse gibt es das Angebot ja schon, aber es ist eher theoretisch. Meistens funktioniert es nicht, weil beispielsweise der Router neu gestartet werden müsste, aber kein Schaffner an Bord dazu in der Lage ist. Und wenn das Internet mal funktioniert, dann geht es in die Knie sobald sich mehr als drei Leute angemeldet haben.

Darüber hinaus hat die Bahn angekündigt, eine Flut von 19-Euro-Tickets für Fahrten durch ganz Deutschland anbieten zu wollen. Wenn der Kunde allerdings zu einem bestimmten Zeitpunkt fahren, dann gibt es natürlich gerade zu diesem Termin kein Billigticket. Und Vielfahrer fordern, dass sich die Bahn statt auf Marketinggags mal wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren sollte: Nämlich Fahrgäste pünktlich und störungsfrei von A nach B zu transportieren.

Umbau ohne klare Linie: Warum sich der Bund mit der Bahn so schwer tut

Umbau ohne klare Linie

Premium Warum sich der Bund mit der Bahn so schwer tut

Quo vadis Deutsche Bahn? Chef Rüdiger Grube will den Konzern schnellstmöglich umbauen, doch er wird von der Politik ausgebremst. Der Staat als Eigentümer verfolgt keine klare Linie mehr – das kann teuer werden.

Dafür müsste sie allerdings ihre veraltete und störungsanfällige ICE-Flotte sowie Stellwerke und Gleisanlagen endlich auf Vordermann bringen. Zurzeit gibt es gefühlt kaum eine Zugfahrt, die völlig reibungslos abläuft. Irgendwas ist immer. Aber ein runderneuertes Stellwerk bringt natürlich keinen einzigen jungen Buskunden zurück.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×