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09.09.2016

18:02 Uhr

Deutsche Bahn

Fernverkehr verfehlt Ziele bei Umsatz und Gewinn

Die Bahn steuert auf einen weiteren Fahrgastrekord zu. Trotzdem hält der seit 2012 währende Abwärtstrend beim Fernverkehr auch 2016 weiter an. Nun will der Konzern Konsequenzen ziehen.

Ein Bahnsprecher versicherte auf Nachfrage, auch in diesem Jahr werde der Fernverkehr schwarze Zahlen schreiben. obs

ICE auf dem Weg Richtung Süden

Ein Bahnsprecher versicherte auf Nachfrage, auch in diesem Jahr werde der Fernverkehr schwarze Zahlen schreiben.

BerlinDer Fernverkehr der Bahn mit ICE und Intercity bleibt hinter den finanziellen Erwartungen des Konzerns zurück. „Wir verfehlen unsere Umsatzziele deutlich“, schreibt Fernverkehrschefin Birgit Bohle in einem Mitarbeiterbrief. Der seit 2012 währende Abwärtstrend beim Gewinn halte auch 2016 an. „Wenn wir jetzt nicht entschieden gegensteuern, könnte der Fernverkehr schon bald Verlust machen.“ Der Brief liegt der Deutschen Presse-Agentur vor; zuerst hatte der „Spiegel“ darüber berichtet. Ein Bahnsprecher versicherte auf Nachfrage, auch in diesem Jahr werde der Fernverkehr schwarze Zahlen schreiben.

Bohle bekräftigte das Ziel, bei besserer Qualität für die Kunden die Kosten zu senken. So soll der Betrieb flexibler gesteuert und die Führung verschlankt werden. Ferner sollen alte Züge mit hohen Kosten schneller aus dem Betrieb genommen werden. Die Bahn arbeitet auch daran, dass Kunden mit Handy-Ticket ihren Fahrschein per App selbst entwerten und für sie die Fahrkartenkontrolle entfällt.

Die Bahn steuert auf einen weiteren Fahrgastrekord zu, weil sie ihre Fahrkarten billiger verkauft als früher. Der Fernverkehrsumsatz stieg im ersten Halbjahr um 4,7 Prozent auf rund 2 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit, ohne Sonderfaktoren) sank jedoch um 5,3 Prozent auf 54 Millionen Euro, was die Bahn auch auf steigende Strom-, Personal- und Trassenkosten zurückführte.

Aus Sicht der Bahn hat der Fernverkehr in den vergangenen Monaten „tolle Fortschritte“ bei der Qualität gemacht, etwa bei der Pünktlichkeit. „Seit Juli ist uns die Trendwende gelungen“, schreibt Bohle. Das Jahresziel, wonach höchstens jeder fünfte Zug zu spät kommt, sei jedoch angesichts vieler Baustellen und je nach Wintereinbruch „sehr ehrgeizig“.

Bahnfahrer können ab Dezember 2017 erstmals auch im ICE Fahrräder mitnehmen. Das sei möglich, wenn der neue Fernverkehrszug ICE 4 seinen Regelbetrieb aufnehme, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Die Deutsche Bahn stellt den ICE 4 am nächsten Mittwoch offiziell vor; in diesem Herbst sollen die ersten dieser Züge ihren 14-monatigen Probebetrieb aufnehmen, davon zwölf Monate mit Fahrgästen an Bord.

Die Grünen-Abgeordneten Matthias Gastel und Oliver Krischer begrüßten, dass damit quasi "in wenigen Wochen die Einführungsphase" für die Fahrradmitnahme im ICE starte. "Es ist gut, dass die Deutsche Bahn die Wünsche ihrer Fahrgäste verstanden hat." Damit werde eine "jahrelange Forderung von zahlreichen Umwelt- und Fahrgastverbänden Wirklichkeit".

Die Züge der vierten ICE-Generation sollen über jeweils acht Fahrradstellplätze verfügen, wie aus einem AFP vorliegenden Brief der Konzernleitung an die Grünen-Politiker hervorgeht. Demnach verbessert der Konzern die Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme, obwohl die Auslastung der Stellplätze saisonal stark schwankt und sich dadurch das mögliche Sitzplatzangebot reduziert. Fahrräder werden laut Bahn hauptsächlich in den Sommermonaten mitgenommen.

Der erste fahrplanmäßige Einsatz des ICE 4 ist zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 geplant. Die neuen Fernzüge sollen nach und nach die Züge der ICE1- und ICE2-Flotte ersetzen.

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