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10.10.2016

16:54 Uhr

Deutsche Bahn

Forderungen der GDL sind „nicht praktikabel“

Die erste Verhandlungsrunde zwischen Deutscher Bahn und GDL wurde ergebnislos beendet. Die Forderungen seitens der Gewerkschaft seien nicht finanzierbar. Die Bahn profiliert sich derweil mit bisherigen Erfolgen.

Die Lokführergewerkschaft GDL fordert vier Prozent mehr Lohn, die Deutsche Bahn will hingegen über neue Arbeitszeitmodelle verhandeln. dpa

Verhandlungen zwischen Deutscher Bahn und GDL

Die Lokführergewerkschaft GDL fordert vier Prozent mehr Lohn, die Deutsche Bahn will hingegen über neue Arbeitszeitmodelle verhandeln.

BerlinIn den Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat die Deutsche Bahn deren Forderungen als nicht finanzierbar zurückgewiesen. Beim Thema Arbeitszeit und Schichtdienst halte die Bahn die Forderungen der Lokführer für den Bahnbetrieb für „nicht praktikabel“, erklärte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Die erste Verhandlungsrunde in Berlin wurde ergebnislos beendet. Die Tarifparteien treffen sich am 25. Oktober in Frankfurt am Main zur zweiten Runde.

Die GDL fordert vier Prozent mehr Lohn und „spürbare Verbesserungen bei den Arbeitszeitregelungen“ wie bessere Schichtrhythmen und langfristig planbare Ruhezeiten. Aufgrund zahlreicher struktureller Änderungen liege die Lohnforderung „jenseits von sechs Prozent“, erklärte die Bahn. Darüber sei in den Verhandlungen „Einigkeit erzielt“ worden.

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Personalvorstand Weber kündigte für die nächste Verhandlungsrunde eigene Vorschläge zu Arbeitszeitmodellen mit mehr Planbarkeit im Schichtdienst an. Die Bahn sei beim zugesagten Abbau der seit Jahren angesammelten Überstunden und beim Einsatz zusätzlichen Personals „deutlich vorangekommen“, erklärte er. In den vergangenen vier Jahren seien „massiv neue Mitarbeiter von extern eingestellt“ worden – bundesweit 2200 Lokführer vom Arbeitsmarkt und 2200 Auszubildende. In diesem Jahr seien 1200 Neuzugänge geplant.

Die Deutsche Bahn steht auch vor Tarifverhandlungen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft (EVG). Sie geht mit einer Forderung im Gesamtvolumen von sieben Prozent in die erste Runde am kommenden Montag. Die Gewerkschaftsmitglieder sollen dabei aber zum Teil selbst wählen, ob sie mehr Geld, weniger Arbeit oder mehr Urlaub wollen.

Von

afp

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