Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.12.2015

06:59 Uhr

Deutsche Bahn

Gewerkschafter kritisieren Grubes Umbaupläne

Die Bahn hat die Weichen für den Sanierungsplan von Rüdiger Grube gestellt. Der Konzern nimmt dafür 20 Milliarden Euro in die Hand – spart aber bei der Gütertochter. Arbeitnehmervertreter bleiben skeptisch.

Bahnexperte zum Konzernumbau

So schlimm steht es um die Deutsche Bahn AG

Bahnexperte zum Konzernumbau: So schlimm steht es um die Deutsche Bahn AG

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinMit mehr Investitionen und einer effizienteren Struktur will die Deutsche Bahn zurück in die Erfolgsspur. Der Aufsichtsrat der Staatskonzerns billigte am Mittwoch ein entsprechendes Konzept von Vorstandschef Rüdiger Grube.

Schwerpunkt sei das mehrjährige Programm „Zukunft Bahn“, teilte das Unternehmen nach der Sitzung der Kontrolleure mit. Es sieht Investitionen von 20 Milliarden Euro vor, mit denen der Zugverkehr für die Kunden attraktiver und pünktlicher werden soll.

Wohin fährt die Deutsche Bahn?: Rendite oder Staatsräson

Wohin fährt die Deutsche Bahn?

Premium Rendite oder Staatsräson

Die Deutsche Bahn fährt mit unklarem Ziel. Soll der Konzern auf Profitabilität getrimmt werden oder einen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen? Der Eigentümer Staat muss sich entscheiden, was er will. Eine Analyse.

Die Bahn sprach von „weitreichenden Beschlüssen zur Zukunft des Unternehmens“. Wichtige Details zu dem geplanten Maßnahmenbündel ließ der Konzern aber noch offen. Grube und seine Vorstandskollegen wollen das Programm am Donnerstag der Öffentlichkeit offiziell vorstellen. Die Aufseher unterstützten „ausdrücklich den Kurs des Vorstandes für mehr Qualität, Pünktlichkeit und Wirtschaftlichkeit“, ließ sich Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht zitieren.

Zugleich hieß es aber auch: „Der Vorstand wird mit dem Aufsichtsrat weitere Konkretisierungen im Jahr 2016 diskutieren.“ Umstritten war zuletzt vor allem, wie es mit dem notleidende Schienengüterverkehr weitergeht. Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats hieß es, die Güterbahn DB Schenker Rail solle in den Jahren 2016 und 2017 saniert werden. Von 2018 an solle die Sparte dann wieder ein Prozent stärker als der Marktdurchschnitt wachsen.

Die Ärgernisse bei der Deutschen Bahn

Pünktlichkeit

Jeder vierte Fernzug fährt heute mindestens sechs Minuten zu spät in den Bahnhof und ist damit nach Konzerndefinition verspätet. 2016 soll die Quote der pünktlichen Züge von 74 auf 80 Prozent steigen, langfristig auf 85 Prozent - was einen Kraftakt erfordert. 30 000 von 70 000 Weichen sollen Sensoren erhalten, die vor Störungen warnen - denn diese sind oft für Verspätungen verantwortlich. Störungen sind häufig auch die Ursache, wenn Züge in umgekehrter Wagenreihung ankommen - wenn sie umgeleitet werden und aus anderer Richtung in die Bahnhöfe kommen.

Verschwindende Züge

Jeder Kunde kennt das: Kommt sein Zug zu spät und ein anderer fährt vorher auf dem Gleis ein, verschwindet der eigene Zug von der Anzeigetafel. Gibt es dann einen Gleiswechsel und Bremslärm übertönt die Durchsage, wartet man vielleicht sogar vergeblich. Lösung: Die Tafeln sollen die nächsten drei Züge anzeigen. 10 000 Anzeigetafeln sollen dafür im nächsten Jahr umprogrammiert werden. Grubes Ziel: „Die größten Ärgernisse über falsche und verspätete Informationen werden 2016 abgestellt.“

Gesperrte Toiletten

Auch das gibt es immer wieder: Das Wasser geht aus, Bordtoiletten müssen gesperrt werden. Hier soll die Instandhaltung besser werden. Noch geht morgens jeder zweite Fernzug mit einem Mangel ins Netz, die Toiletten sind nur ein Beispiel. Ein mobiler Service soll dafür sorgen, dass die Zugflotte immer zu 100 Prozent intakt ist.

Service im Zug

Die Zugbegleiter sollen sich wieder mehr um die Kunden kümmern. Zusatzaufgaben, wie Fahrgäste zu zählen, fallen weg. Dafür gibt es Überlegungen für eine Art Am-Platz-Service in der zweiten Klasse, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwoch) berichtet. So etwas gibt es bisher nur in der ersten, wo etwa Speisen und Getränke gebracht werden. Die harte Fernverkehrswettbewerb mit Billigfliegern und Fernbussen hat die Bahn gelehrt, dass sie an der Qualität arbeiten muss. Grube hofft auf „Leistung, die begeistert“.

WLan

Seit einem Jahr ist der drahtlose Internetzugang in der ersten Klasse des ICE inklusive, die zweite Klasse soll möglichst noch nächstes Jahr folgen. Bis zum Sommer dauert es aber mindestens noch, bis die Technik in den Zügen ist. Zudem soll es WLAN im ganzen Zug nur geben, wenn es für alle Passagiere in guter Qualität verfügbar ist.

Preissystem

Vielen Kunden halten es für schwer zu durchschauen, gar willkürlich, wie jetzt eine Umfrage ergab. Nur noch jeder zehnte Reisende zahlt nach Bahnangaben den Normalpreis ohne Rabatt. Der neue Personenverkehrschef Berthold Huber geht verstärkt mit 19-Euro-Tickets ins Rennen mit der Konkurrenz auf der Straße und in der Luft, macht die Bahn damit billiger. Eine „Riesen-Preisreform“ hat er jedoch ausgeschlossen. In der Konzernzentrale erinnert man noch sich gut an das Jahr 2002, als man ein neues Preissystem nach einem halben Jahr zurücknehmen musste.

Die Bilanz...

...ist eine der größten Baustellen. In diesem Jahr wird es wohl erstmals nach über einem Jahrzehnt tiefrote Zahlen geben. Mehr Qualität soll mehr Kunden und dann auch wieder mehr Erfolg bringen, so der Dreiklang für Grubes Umbaupläne. Bis dahin kostet der Umbau erstmal Geld, 700 Millionen Euro in diesem Jahr. Zudem werden 1,3 Milliarden Euro bei der Gütersparte abgeschrieben, was zusammen mit einer Dividenden-Zahlung an den Bund das Ergebnis um mehr als eine Milliarde Euro ins Minus drückt - trotz eines Rekordumsatzes von gut 40 Milliarden Euro und eines Gewinns (Ebit) von voraussichtlich 1,75 Milliarden Euro im laufenden Geschäft.

Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter äußerten sich skeptisch nach der Aufsichtsratssitzung zum Umbau des Bahnkonzerns. „Nicht in allen Bereichen ist eine nachhaltige Strategie erkennbar“, sagte Alexander Kirchner, Vorsitzender der Eisenbahnergewerkschaft  EVG.

Er vermisst vor allem Aussagen, welchen Folgen der Plan des Konzernchefs Rüdiger Grube für die Beschäftigten haben wird. Darüber, sagte ein Bahnaufsichtsrat dem Handelsblatt, sei auf der achtstündigen Sitzung am Mittwoch gar nicht gesprochen worden.

Nach Informationen der „Stuttgarter Zeitung“ (Donnerstag) will der Vorstand mindestens 2600 der 31.000 Stellen bei Schenker Rail streichen. Grube hatte im Oktober angekündigt, dass bei der Güterbahn „im Zuge der Umstrukturierung Arbeitsplätze verloren gehen“. Er versprach damals, dass niemand arbeitslos werde. Die Bahn hat einen internen Stellenmarkt mit Vermittlung und Möglichkeiten der Umschulung und Weiterqualifizierung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×