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31.08.2013

16:37 Uhr

Deutsche Bahn

Hunderte neue Fahrdienstleiter sollen Zugchaos verhindern

Der Zugverkehr rollt endlich wieder normal. Die Bahn nutzt den Moment, um aus dem Stellwerk-Chaos in Mainz zu lernen. Doch: Am Montag drohen weitere unbequeme Fragen im Verkehrsausschuss des Bundestags.

Warten in Mainz: Nach den massiven Zugausfällen Mitte August hat sich die Lage am Mainzer Hauptbahnhof zum Schulbeginn etwas normalisiert. dpa

Warten in Mainz: Nach den massiven Zugausfällen Mitte August hat sich die Lage am Mainzer Hauptbahnhof zum Schulbeginn etwas normalisiert.

BerlinMit hunderten neuer Fahrdienstleiter noch in diesem Jahr will Bahnchef Rüdiger Grube ein neuerliches Zugchaos wie unlängst am Mainzer Hauptbahnhof verhindern. „Wir werden deutlich mehr Fahrdienstleiter ausbilden und einstellen. Wir wollen bis Jahresende insgesamt über 600 zusätzlich qualifizieren“, sagte Grube dem Nachrichtenmagazin „Focus“.

In der Fünf-Jahresplanung seien weitere 1500 neue Stellen vorgesehen. Bislang beschäftige die Bahn 12.500 Fahrdienstleiter. Mainz war wegen Personalmangels im Stellwerk seit Anfang August teilweise vom Fernverkehr abgekoppelt, auch viele regionale Bahnen hielten nicht. Seit Freitagabend wird dort wieder nach Plan gefahren.

Die Wiederaufnahme des Fahrplanbetriebs bedeutet nach Einschätzung der Gewerkschaft EVG aber nicht, dass nun alle Probleme gelöst seien. „Für die Reisenden mag sich die Situation augenblicklich entspannt haben, für unsere Kolleginnen und Kollegen aber hält der Stress an, weil weiterhin nach wie vor nur der Mangel verwaltet wird“, kritisierte der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, in einer Mitteilung vom Samstag in Frankfurt.

Die wichtigsten Fragen zum Bahnchaos

Ab welcher Verspätung bekommen Bahn-Fahrer eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr - aber auch bei Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket - gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwertes erstattet.

Wann muss die Bahn kein Geld zahlen?

Die Bahn zahlt Entschädigungen erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten. Nicht für Verspätungen haften müssen Bahnunternehmen, wenn die Ursache der Verspätung nicht in der Organisation des Bahnbetriebs liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen oder bei Folgen von Unwetter und Streiks, welche für die Bahn nicht beherrschbar sind.

Können Bahn-Fahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Die meisten Bahnunternehmen haben ein gemeinsames Beschwerdeformular, das etwa in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet auf einer Gemeinschaftsseite der Anbieter erhältlich ist (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende beim Anbieter einreichen, dessen Zug ausgefallen ist - entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen müssen die Bahn-Anbieter auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahnunternehmen müssen Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Erst in den nächsten Wochen werde sich zeigen, wie ernst es den Personalverantwortlichen wirklich sei, die Zahl der Beschäftigten am tatsächlichen Bedarf auszurichten.

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn wies die Kritik der Gewerkschaft als pauschal zurück. „Es gibt kaum ein Unternehmen in Deutschland, das so viele neue Mitarbeiter eingestellt hat wie die Deutsche Bahn, Zehntausende alleine in den letzten Jahren.“ Sie verwies auf entsprechende Aussagen von Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber vor einigen Wochen. Demnach sind aktuell im Bahnkonzern 247 Fahrdienstleiter mehr beschäftigt als 2012.

Kommentare (5)

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DINO

31.08.2013, 17:53 Uhr

"........ um aus dem Stellwerk-Chaos in Mainz zu lernen"

Herr Mehdorn und Herr G. Schröder & Co. (ROT/GRÜN damals) sollten hier eigentlich lernen !!!

Eine Privatisierung in Bereiche, wo Private nichts zu suchen haben, kommen u.a. diese Ergebnisse heraus !

Durch die Vorbereitung für den zukünftigen Aktienmarkt, ist diese peinliche Situation erst entstanden.

Wir dürfen nicht mehr zulassen, das sich LOBBY-POLITIKER in unserem Land durchsetzten, oder besser, diese POLITIK-EBENE erreichen !

Dieser Bereich muss in öffentlicher Hand bleiben, sonst erleben wir es, wie in Großbritannien & Co. !

Account gelöscht!

31.08.2013, 19:05 Uhr

Zitat : Hunderte neue Fahrdienstleiter sollen Zugchaos verhindern

- das war das "ABSOLUTE ARMUTSZEUGNIS" eines Konzerns, der einen Einsatz von 10-15 Fahrdienstleiter nicht auf die Reihe gekriegt hat ( sogar ein Vorstandsmitglied musste der Bevölkerung diesen Witz im TV erläutern ) und Zugausfälle in einer Landeshauptstadt in Kauf genommen hat. !

So was hat es Deutschland noch nicht gegeben ! Und dieses Land will termingerecht Flughäfen und Bahnhöfe bauen...?

Das muss ja sogar die gedopten Hähnchen zum Lachen bringen !

Account gelöscht!

01.09.2013, 12:36 Uhr

Wo und vor allem im wann leben Sie?!

Wissen Sie, dass seit acht Jahren Frau Merkel regiert?

Im Übrigen sind das Managementaufgaben die sie hier einer Politik von anno dazumal andichten möchten. Am besten Sie lassen mal Ihr Ideologie verseuchtes Hirn durchlüften!

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