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31.03.2016

16:02 Uhr

Deutsche Bahn

ICE-Strecke Hannover-Kassel soll komplett gesperrt werden

Die Deutsche Bahn will wegen Bauarbeiten die ICE-Strecke zwischen Hannover und Kassel für zwei Wochen komplett sperren. Die Trasse zwischen Hannover und Kassel gehört zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen des Landes.

Zwischen dem 23. April und dem 8. Mai sollen keine ICEs zwischen Hannover und Kassel fahren. dpa

Hauptbahnhof Hannover

Zwischen dem 23. April und dem 8. Mai sollen keine ICEs zwischen Hannover und Kassel fahren.

Berlin/HannoverBahnreisende müssen sich einem Bericht zufolge bald auf erhebliche Behinderungen auf der wichtigen ICE-Strecke zwischen Hannover und Kassel einstellen. Die Deutsche Bahn will die Strecke wegen Bauarbeiten vom 23. April bis zum 8. Mai komplett sperren, wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Mittwoch auf ihrer Internetseite berichtete. Eine Bahn-Sprecherin in Berlin wollte sich dazu am Abend nicht äußern. Die Trasse zwischen Hannover und Kassel gehört zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen des Landes.

Die Bahn müsse den Streckenabschnitt „kurzfristig“ sperren, schreibt die Zeitung unter Berufung auf ein internes Papier der Bahnsparte DB Fernverkehr. Reisenden drohen damit Umleitungen und verlängerte Fahrzeiten im großen Stil. Die Bahn arbeite derzeit an Lösungen für den Fahrplan. Bei den Bauarbeiten soll es dem Bericht zufolge um sogenannten Schotteroberbau gehen, auf dem Schwellen und Gleise liegen.

Wer zwischen München und Hamburg oder Frankfurt und Berlin unterwegs ist, nutzt oftmals die Verbindung zwischen Hannover und Kassel. Betroffen von der Sperrung sind auch Gäste der Industrieschau Hannover Messe (25. bis 29. April), die von Richtung Süden her mit dem Zug nach Hannover anreisen wollen.

Hier baut die Bahn 2016

Hamburg − Hannover

Von Mai bis Mitte Juli Weichen- und Gleiserneuerung. Umleitungen im Fernverkehr mit bis zu 30 Minuten längerer Fahrzeit, im Nahverkehr 15 Minuten.

Hannover – Göttingen

Von Mitte Juli bis Anfang September teilweise Totalsperrung und Umleitungen. 40 Minuten mehr Fahrzeit im Fernverkehr. Auch Nahverkehr betroffen.

Hannover – Kassel

Möglicherweise kurzfristig Austausch von Schotter. Zeitplan und Umfang möglicher Sperrungen will die Bahn „in Kürze“ bekannt geben.

Mannheim − Karlsruhe/Stuttgart

Längere Fahrtzeiten von fünf Minuten wegen eines Stellwerksbaus von Ende April bis Anfang September und Mitte November bis Dezember.

Münster – Osnabrück

Von Anfang August bis Anfang November teilweise Sperrungen und Umleitungen einzelner Fernzüge, 22 Minuten längere Fahrzeit.

Berlin − Elsterwerda − Dresden

Ab Anfang August sind Fernzüge wegen einer Umleitung 20 Minuten länger unterwegs. 75 Regionalzüge zwischen Flughafen Schönefeld und dem Süden Brandenburgs fallen pro Tag aus.

München − Salzburg/Kufstein

Teilausfälle Ende April und Anfang Mai sowie von August bis Oktober

Köln − Hagen

Längere Fahrzeiten im Fernverkehr wegen Umleitung über Düsseldorf ab Juli. Grund sind Gleiserneuerungen zwischen Solingen und Opladen.

Ulm − Augsburg

Von Ende Juli bis Mitte September Teilausfälle und längere Fahrtzeiten von 20 Minuten wegen Gleis- und Brückenarbeiten, im Nahverkehr 30 Minuten.

Die Fahrgäste der Bahn werden von der angekündigten Streckensperrung aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn kalt erwischt. Fernverkehrskunden auf der Nord-Süd-Strecke drohe eine um eine Stunde längere Fahrzeit, sagte Ehrenpräsident Karl-Peter Naumann am Donnerstag. „Grundsätzlich waren Bauarbeiten auf einem Teilabschnitt angekündigt“, sagte Naumann. „Was wir als Kundenverband auch nicht verstehen ist, dass man hier Maßnahmen en détail sehr kurzfristig ankündigt.“ Das sei man von anderen Baumaßnahmen nicht gewohnt.

Die Bahn hatte erst Anfang Februar angekündigt, die Zahl ihrer Bauprojekte in diesem Jahr deutlich zu erhöhen. Geplant sind nach Angaben des Unternehmens rund 850 Vorhaben, im vergangenen Jahr waren es 500.

Anfang Februar hieß es, auf der ICE-Strecke Hamburg-Hannover-Göttingen würden von Anfang Mai bis September in zwei Stufen Weichen und Gleise erneuert. Ab Mitte Juli sollen dabei täglich etwa 100 Fernzüge umgeleitet werden, was zu einer 40 Minuten längeren Fahrzeit führe. Dabei war von der neuen Baumaßnahme, von der die „Süddeutsche Zeitung“ nun berichtet, noch nicht die Rede.

Ein Schienennetz-Sanierungsprogramm des bundeseigenen Konzerns umfasst früheren Angaben zufolge 28 Milliarden Euro für die Jahre 2015 bis 2019. Ein solides Schienennetz gilt als Grundlage für einen zuverlässigen und pünktlichen Zugverkehr. 2015 allerdings erreichte jeder vierte Fernzug sein Ziel verspätet.

Die geplanten Bahn-Beschränkungen wegen Bauarbeiten auf der wichtigen ICE-Strecke Hannover-Kassel werden auch von der Deutschen Messe mit Sorge verfolgt. „Gerade die Nord-Süd-Verbindung ist für unsere Besucher extrem wichtig„, sagte am Donnerstag ein Sprecher der in gut drei Wochen anstehenden weltgrößten Industriemesse. Bei der Hannover Messe reisen viele ausländische Besucher und Aussteller über das Luftverkehrs-Drehkreuz Frankfurt am Main und nehmen dort den Zug. „Zudem kommen viele wichtige Maschinenhersteller aus dem Süden Deutschlands“, so der Sprecher. Die Messe will nun zunächst abwarten, wie sich die angekündigten Beschränkungen konkret auswirken werden.

Bei der Weltleitmesse (24.-29. April) mit ihrem diesjährigen Partnerland USA werden neben US-Präsident Barack Obama auch weitere Spitzenpolitiker und Top-Manager erwartet. Am Rande sind zudem mehrere Demonstrationen mit bis zu 30.000 Teilnehmern angemeldet.

Von

dpa

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