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03.11.2016

20:48 Uhr

Deutsche Bahn

Knapp vier von fünf Fernzügen kommen pünktlich

Die Bahn macht bei ihrem Kampf gegen Verspätungen Fortschritte: Das selbst gesetzte Ziel für den Fernverkehr wird sie aber wohl knapp verfehlen. Bahnchef Rüdiger Grube ist dennoch zufrieden.

Seit dem 17. Oktober wird die Abfahrt der ICE und Intercity-Züge an allen Bahnhöfen etwas früher eingeleitet. obs

ICE 3

Seit dem 17. Oktober wird die Abfahrt der ICE und Intercity-Züge an allen Bahnhöfen etwas früher eingeleitet.

BerlinDie Deutsche Bahn erwartet in diesem Jahr im Personenfernverkehr eine Pünktlichkeitsquote von knapp 80 Prozent. „79 komma irgendetwas werden wir schaffen“, sagte Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Im vorigen Jahr lag die Quote bei 74,4 Prozent. Erklärtes Ziel für dieses Jahr waren mindestens 80 Prozent, bis 2019 sollen es 85 Prozent sein. Der geringere Anteil verspäteter Züge sei unter anderem auf ein besseres Baustellen-Management zurückzuführen.

Vor allem im ersten Halbjahr seien die Ziele verfehlt worden, auch wegen der vielen Baustellen, die sich im Sommer auf bis zu 850 am Tag addiert hätten, sagte Grube der „Frankfurter Allgemeinen Woche“. Acht Baustellen seien als besonders kritisch für die Pünktlichkeit identifiziert worden. „Da haben wir den Mut gehabt, die einfach für wenige Tage einzustellen, und von heute auf morgen wurde es schlagartig besser.“

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Seit dem 17. Oktober wird die Abfahrt der ICE und Intercity-Züge an allen Bahnhöfen etwas früher eingeleitet: Die Bandansage startet nun 45 Sekunden vor dem Losfahren. Die Türen schließen bereits 30 bis 15 Sekunden, bevor der Zug sich in Bewegung setzt. So kann er auf die Sekunde genau den Bahnhof verlassen. „Bis auf wenige Ausnahmen“ habe sich das neue Abfertigungsverfahren als unproblematisch erwiesen, sagte ein Bahnsprecher.

Grube räumte ein, dass das für die Fahrgäste eine Umstellung sei. „Da müssen wir die Kunden mitnehmen, das müssen wir gut erklären, aber wir sind stolz darauf, dass wir da deutlich besser sind als in der Vergangenheit.“

Unabhängig von dem neuen Abfertigungsverfahren läuft im Frankfurter Hauptbahnhof derzeit ein Pilotprojekt, das die Abfahrten pünktlicher machen soll. Sobald der Fahrdienstleiter dort die Fahrstrecke für einen Zug vor der Abfahrt freigegeben hat, leuchtet am Signalmast ein weißes Dreieck auf - als Zeichen für Lokführer und Zugchef, dass sie mit den Vorbereitungen für die Zugabfertigung beginnen können. Möglich, aber noch nicht entschieden sei, auch diese Neuerung bald bundesweit im Fernverkehr einzuführen, sagte der Bahnsprecher.

Von

dpa

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