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24.10.2016

14:44 Uhr

Deutsche Bahn

Lokführer stellen zusätzliche Forderungen

Mehr Geld und bessere Arbeitszeitplanung sind für die Lokführer nicht alles. Ihre Gewerkschaft GDL will auch das Image des Berufs verbessern. Zumindest auf diesem Feld hat die Bahn bereits gehandelt.

Die Bahn muss wieder mit den Gewerkschaften verhandeln. dpa

Neue Streiks drohen

Die Bahn muss wieder mit den Gewerkschaften verhandeln.

FrankfurtVor der zweiten Verhandlungsrunde mit der Deutschen Bahn AG hat die Lokführergewerkschaft GDL zusätzliche Tarifforderungen erhoben. Darunter seien „längst überfällige Regelungen“, sagte ein GDL-Sprecher am Montag in Frankfurt. Ohne einen Nachwuchskräfte-Tarifvertrag werde es keinen Abschluss geben, drohte die Gewerkschaft vor dem für Dienstag in Frankfurt angesetzten Treffen. Dort soll insbesondere die Fahrtkostenerstattung für angehende Lokführer geregelt werden.

Zudem will die GDL das gesamte Zugpersonal den Lokführern gleichstellen, wenn es um Schutzvorschriften bei einer dauerhaften Dienstunfähigkeit geht. Im grenzüberschreitenden Verkehr sollen GDL-Vereinbarungen mit der dänischen Gewerkschaft tarifvertraglich festgehalten werden.

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Neben dem Tarifwerk verlangt die GDL von der DB AG eine gemeinsame Imagekampagne, um das Ansehen des Zugpersonals zu verbessern. Das Personal müsse in den Zügen mit einem gestärkten Hausrecht ausgestattet werden, verlangte GDL-Chef Claus Weselsky. Schädlich für das Ansehen und Ursache für die Einstellungsflaute sei die von der DB ausgelöste Debatte um autonomes Fahren und automatische Fahrkartenkontrollen.

Die Bahn ihrerseits hat den Werbe-Etat für das Personalmarketing neu vergeben. Den Zuschlag für drei Jahre erhielten die Agenturen Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLLG), Thjnk sowie Possible Worldwide, wie die Bahn am Montag mitteilte. Die Kreativen sollen einen Nachfolger für die Kampagne „Kein Job wie jeder andere“ entwickeln.

Die Tarifrunde hatte vor zwei Wochen begonnen, als die GDL zunächst ihre Forderungen nach 4,0 Prozent mehr Geld und verbesserten Arbeitsbedingungen etwa bei Schichtrhythmen und planbarer Arbeitszeit vorgestellt hatte. GDL-Chef Weselsky hatte dabei den Vorrang der Arbeitszeitregelungen betont. Bahn-Vorstand Ulrich Weber hat für die Runde in Frankfurt ein erstes Angebot zu Gehältern und Arbeitszeiten angekündigt.

Die Bahn verhandelt wie in der vorherigen Runde parallel mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Insgesamt geht es um 150.000 Beschäftigte der Bahn in Deutschland.

Von

dpa

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