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05.02.2016

17:47 Uhr

Deutsche Bahn

Spar-Tickets könnten billiger werden

Bisher waren es zeitlich begrenzte Aktionen. Nun denkt die Deutsche Bahn darüber nach, ihre Sparpreise auf Dauer zu reduzieren. Es ist eine Reaktion auf die Konkurrenz durch Privatautos und Fernbusse.

Der Staatskonzern denkt darüber nach, ihre Sparpreise im Fernverkehr dauerhaft zu senken. dpa

Deutsche Bahn

Der Staatskonzern denkt darüber nach, ihre Sparpreise im Fernverkehr dauerhaft zu senken.

BerlinDie Deutsche Bahn erwägt, ihre Sparpreise im Fernverkehr dauerhaft zu senken. Ziel sei es, mehr preissensible Kunden für die Bahn zu gewinnen, sagte das Vorstandsmitglied für Verkehr und Transport, Berthold Huber, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Vom 11. Februar bis 20. März will der Konzern nochmals in großem Umfang Tickets für 19 Euro anbieten. „Wir probieren es jetzt noch mal, um dann eine Entscheidung zu treffen, das möglicherweise dauerhaft einzuführen“, erläuterte Huber.

Im vergangenen Jahr hatte die Bahn bei zwei Aktionen nach eigenen Angaben 4,5 Millionen Tickets zu je 19 Euro verkauft. Die Fahrgäste seien dabei im Durchschnitt 450 Kilometer gefahren. Wie viele dieser Sondertickets mit Zugbindung diesmal auf den Markt kommen werden, ist nach Hubers Worten offen: „Die Tickets sind natürlich für die einzelnen Züge kontingentiert. Es gibt aber keine Begrenzung der Gesamtzahl.“

Hier baut die Bahn 2016

Hamburg − Hannover

Von Mai bis Mitte Juli Weichen- und Gleiserneuerung. Umleitungen im Fernverkehr mit bis zu 30 Minuten längerer Fahrzeit, im Nahverkehr 15 Minuten.

Hannover – Göttingen

Von Mitte Juli bis Anfang September teilweise Totalsperrung und Umleitungen. 40 Minuten mehr Fahrzeit im Fernverkehr. Auch Nahverkehr betroffen.

Hannover – Kassel

Möglicherweise kurzfristig Austausch von Schotter. Zeitplan und Umfang möglicher Sperrungen will die Bahn „in Kürze“ bekannt geben.

Mannheim − Karlsruhe/Stuttgart

Längere Fahrtzeiten von fünf Minuten wegen eines Stellwerksbaus von Ende April bis Anfang September und Mitte November bis Dezember.

Münster – Osnabrück

Von Anfang August bis Anfang November teilweise Sperrungen und Umleitungen einzelner Fernzüge, 22 Minuten längere Fahrzeit.

Berlin − Elsterwerda − Dresden

Ab Anfang August sind Fernzüge wegen einer Umleitung 20 Minuten länger unterwegs. 75 Regionalzüge zwischen Flughafen Schönefeld und dem Süden Brandenburgs fallen pro Tag aus.

München − Salzburg/Kufstein

Teilausfälle Ende April und Anfang Mai sowie von August bis Oktober

Köln − Hagen

Längere Fahrzeiten im Fernverkehr wegen Umleitung über Düsseldorf ab Juli. Grund sind Gleiserneuerungen zwischen Solingen und Opladen.

Ulm − Augsburg

Von Ende Juli bis Mitte September Teilausfälle und längere Fahrtzeiten von 20 Minuten wegen Gleis- und Brückenarbeiten, im Nahverkehr 30 Minuten.

Die Konkurrenz vor allem durch Fernbusse hat der Bahn stark zugesetzt. 2015 stieg die Anzahl der Fahrgäste dennoch leicht auf rund 130 Millionen nach 129 Millionen im Jahr zuvor.

Bei der Bahn gibt es auch Gedankenspiele darüber, für den Flexpreis Spielräume zu schaffen. Das ist der bisher Normalpreis genannte Tarif, der bei der Bahn ohne Ermäßigung oder Sonderticket zu zahlen ist. „Ich könnte mir vorstellen, dass der Flexpreis auch variiert“, sagte Huber. Radikale Änderungen im Preissystem seien aber nicht zu erwarten.

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„Im Moment ist es so, dass wir im Durchschnitt im Sparpreissegment die Preise senken mit dem Effekt, dass ich mehr Fahrgäste in die Züge kriege und hoffentlich am Ende mehr Umsatz mache“, erläuterte Huber seine Strategie. „Wir versuchen einen Platz zu verkaufen, der sonst leer geblieben wäre.“ Bei der Preisbildung müsse die Bahn „viel flexibler und schneller werden. Da können wir von den Fernbussen lernen.“

Huber denkt auch darüber nach, die Bahncard 50 für Studenten dauerhaft günstiger zu verkaufen. „Wir haben bei der Bahncard 50 erhebliche Probleme gehabt, weil wir unter den jungen Leuten massiv Kunden verloren hatten.“ Weil es inzwischen mehr Wahlmöglichkeiten beim Reisen gebe, hätten sich die jungen Leute gefragt, „soll ich so viel Geld für ein Stück Plastik ausgeben, von dem ich gar nicht genau weiß, ob ich es brauche“.

Wie die Bahn Kunden im Fernverkehr gewinnen will

Keine flächendeckende Preiserhöhung

Bereits für das laufende Jahr hat die Deutsche Bahn in der zweiten Klasse nicht an der Preisschraube gedreht. Das ist auch im nächsten Jahr der Fall, dann auch in der ersten Klasse. Einschränkung: Fahrten über die Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig, die zum Fahrplanwechsel in Betrieb genommen wird und Fahrzeiten deutlich verkürzt.

Ansonsten bleibt bei 90 Prozent der Tickets alles beim Alten: Die Normalpreise ändern sich nicht, die Bahn-Card-Preise bleiben stabil wie auch die Preise für Streckenzeitkarten. Sparpreise gibt es weiter ab 19 und 29 Euro.

Höhere Preise auf neuer Strecke

Kunden, die Verbindungen über die Neubaustrecke Erfurt - Halle/Leipzig nutzen, müssen tiefer in die Tasche greifen; sie kommen aber auch schneller an ihr Ziel. Der Fahrpreis erhöht sich um ein bis sieben Euro. Normalpreise und Streckenzeitkarten werden ebenfalls angepasst.

Die Fahrzeit von Frankfurt am Main nach Leipzig verkürzt sich beispielsweise um 23 Minuten auf rund drei Stunden. Dafür werden mit 85 Euro künftig fünf Euro mehr fällig als bisher. Wer von Berlin nach Erfurt unterwegs ist, zahlt ab dem Fahrplanwechsel 71 statt 64 Euro. Hier gelangt der Bahnreisende dann unter zwei Stunden an sein Ziel; 44 Minuten schneller als bisher.

Sparpreise ohne Vorkaufsfrist

Für den Sparpreis ab 29 Euro auf längeren Strecken entfällt künftig die Vorverkaufsfrist. Je nach Verfügbarkeit kann solch ein Angebot dann noch bis kurz vor Abfahrt gebucht werden. Damit sollen vor allem Kunden angelockt werden, die bisher nicht oder selten Bahn fahren. Sparpreise werden auf Strecken zur Verfügung gestellt, die nicht ausgelastet sind - und zu Zeiten, in denen die Züge nicht voll sind.

Fahrten mit ICE-Sprinter werden günstiger

In etwa dreieinhalb Stunden von Frankfurt am Main nach Berlin oder von Köln nach Hamburg - das ist mit dem ICE-Sprinter möglich. Die Sprinter-Fahrten werden mit dem Fahrplanwechsel günstiger, weil die Reservierungspflicht und der Sprinter-Aufpreis von 11,50 Euro entfallen. Wer auf eigenen Wunsch einen Sitzplatz reservieren will, zahlt in der zweiten Klasse die üblichen 4,50 Euro. In der ersten Klasse ist die Reservierung im Fahrpreis enthalten.

Normalpreis wird zum Flexpreis

Mit dem Normalpreis können Kunden flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zug reisen. Das will die Deutsche Bahn gleich im Namen deutlich machen und tauft den Normalpreis in Flexpreis um.

Kein Termin für Gratis-Internet in zweiter Klasse

Mit dem Normalpreis können Kunden flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zug reisen. Das will die Deutsche Bahn gleich im Namen deutlich machen und tauft den Normalpreis in Flexpreis um.

Deshalb habe die Bahn die Studenten-Bahncard 50 probeweise zum halben Preis von 68,50 Euro eingeführt. „Wir werten den Test zurzeit noch aus, aber man kann jetzt schon sehen: Wir haben die Bahncard in der jungen Zielgruppe signifikant mehr verkauft“, so Huber. Dadurch nehme das Unternehmen zwar bei den Bahncards weniger ein, aber mehr bei den Zugfahrten: „Denn wenn die Kunden einmal eine Bahncard haben, dann fahren sie auch.“

Von

dpa

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