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14.07.2017

12:03 Uhr

Deutsche Bahn

Spezialabteilung soll Verspätungen reduzieren

Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla will baustellenbedingte Verspätungen reduzieren. Eine neue Spezialabteilung soll dafür sorgen, dass die Modernisierung des Streckennetzes reibungsloser abläuft.

Der Ex-Politiker und heutige Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn will baustellenbedingte Zugverspätungen reduzieren. dpa

Ronald Pofalla

Der Ex-Politiker und heutige Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn will baustellenbedingte Zugverspätungen reduzieren.

BerlinBaustellen bei der Bahn sollen die Fahrpläne künftig weniger durcheinander bringen. Dazu hat im Konzern ein neues „Lagezentrum Bau“ die Arbeit aufgenommen, wie Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla in Berlin sagte. „Es hat die Aufgabe, die Baustellen für die Zukunft besser durchzuplanen und noch besser abzustimmen auf den Fahrplan.“ Die Spezialabteilung sei Anfang Juli zunächst mit 15 Beschäftigten gebildet worden und solle bis zum Jahresende auf mehr als 100 Mitarbeiter wachsen. Ziel ist es, dass die Züge trotz des laufenden Modernisierungsprogramms pünktlicher werden.

Mit einem neuen Punktesystem wollen die Fachleute verspätungsträchtige Bauvorhaben identifizieren, gewichten und besser planen. „Wir haben uns ein internes Radarsystem aufgebaut“, sagte Pofalla am Donnerstagabend. Erste Effekte erwarte er im nächsten Frühjahr. Das Lagezentrum arbeite ergänzend zu den regionalen Planungs- und Baueinheiten.

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Der Staatskonzern steckt in das Schienennetz in diesem Jahr die Rekordsumme von 7,5 Milliarden Euro, größtenteils Bundesmittel. In dem 33.000 Kilometer langen Netz werden 1650 Kilometer Gleise erneuert, außerdem 1800 Weichen und 4600 Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik. In diesen Sommerferien gebe es in Spitzenzeiten bis zu 1000 Baustellen, sagte Pofalla.

Von den Fernzügen der Bahn waren im ersten Halbjahr 81,1 Prozent pünktlich - nach 78,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Als verspätet gilt ein Zug, der mindestens sechs Minuten nach der Fahrplanzeit ankommt.

Von

dpa

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