Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.11.2016

10:50 Uhr

Deutsche Bahn

Verhandlungen mit GDL ergebnislos vertagt

Innerhalb kurzer Zeit saßen Vertreter von Deutscher Bahn und Lokführer-Gewerkschaft GDL vier Mal an einem Tisch. Nun legt Personalvorstand Weber ein Tarif-Angebot vor: 1,5 Prozent mehr Lohn. Sind Streiks nun abgewendet?

Ein ICE-Schaffner gibt das Signal zur Abfahrt: Seit Oktober läuft eine Tarifrunde, in der es um Arbeitszeiten und Freizeitregelungen geht. dapd

Deutsche Bahn und GDL

Ein ICE-Schaffner gibt das Signal zur Abfahrt: Seit Oktober läuft eine Tarifrunde, in der es um Arbeitszeiten und Freizeitregelungen geht.

BerlinDie Deutsche Bahn hat der Lokführergewerkschaft GDL ein Tarifangebot vorgelegt. Das Unternehmen bezifferte es am Freitag auf insgesamt 4,2 Prozent bei einer Laufzeit von 27 Monaten für die rund 35.000 GDL-Mitarbeiter in den Zügen. Dies setze sich aus 1,5 Prozent mehr Lohn, sowie 0,2 Prozent für zusätzliche Freizeit und weitere 2,5 Prozent durch die Absenkung der Arbeitszeit zusammen. Letzteres war allerdings schon in der vergangenen Tarifrunde vereinbart worden. Teil der Vereinbarung solle auch eine Einmalzahlung im 2017 von 375 Euro sein.

„Wir gehen große Schritte auf die GDL zu, denn wir wollen im Interesse unserer Kunden und Mitarbeiter einen schnellen Abschluss“, sagte Personalvorstand Ulrich Weber. Man gehe mit dem Paket auf alle Kernforderungen ein. Weber verwies aber auch auf die wirtschaftliche Lage der Bahn, die im vergangenen Jahr einen Milliarden-Verlust einfuhr.

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Im Mittelpunkt der seit Mitte Oktober laufenden Tarifrunde stehen Arbeitszeiten und Freizeitregelungen. Die Bahn verhandelt parallel mit der GDL sowie der größeren Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Die GDL verlangt neben den Arbeitszeitregelungen auch vier Prozent mehr Geld. Die Bahn hatte die GDL-Forderungen auf weit über 20 Prozent taxiert. Die EVG will insgesamt sieben Prozent, wobei 4,5 Prozent ausgezahlt und für die übrigen 2,5 Prozent ein Wahlrecht zwischen Geld und Freizeit eingeräumt werden soll. Es wird erwartet, dass die EVG von der Bahn ein vergleichbares Angebot bekommt.

In der vergangenen Tarifrunde waren die Forderungen und die Konkurrenz von EVG und GDL um teilweise die gleichen Beschäftigtengruppen in den längsten Streik der DB-Geschichte gemündet.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

18.11.2016, 13:27 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

Aber immer gerne, dafür gebe ich und Herr von Horn uns richtig Mühe.
Nicht einfach den ganzen Tag zu allen Artikeln Kommentare zu schreiben.
Da muss man schon einen breit aufgestellten Sachverstand haben. Danke

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×