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10.12.2015

15:26 Uhr

Deutsche Bahn

Wie man auf virtuellen Schienen fahren übt

Lokführer können sich beim Fahren zurücklehnen? Von wegen. Im Fahrerraum ist einiges los, höchste Konzentration wird verlangt – genauso wie energiesparendes Fahren. Das zeigt sich auch im Übungssimulator.

Der Lokführer Olaf Carls im Simulator der Deutschen Bahn. dpa

DB-Simulationszentrum in Mainz

Der Lokführer Olaf Carls im Simulator der Deutschen Bahn.

MainzSchon bevor die Fahrt überhaupt losgeht, hat der Zug Verspätung. Er steht im Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, nach Fulda soll es gehen. „Das macht jetzt aber nichts“, sagt Olaf Carls von seinem Fahrersitz. Der 49-jährige „Triebfahrzeugführer“, wie es im Bahndeutsch heißt, sitzt nämlich in vier Metern Höhe in einem High-Tech-Kasten, der von außen nur entfernt an einen Zug erinnert. Es ist ein Simulator der Deutschen Bahn.

Bald gibt es 17 Stück davon, die sich auf zwölf Standorte in ganz Deutschland verteilen. Einer steht in der Nähe des Mainzer Hauptbahnhofes, in Blickweite zu den Kollegen auf den Gleisen. Rund 20.000 Lokführer beschäftigt der Konzern nach eigenen Angaben bundesweit. „Jeder davon muss mindestens ein Mal im Jahr in den Simulator“, sagt Steffen Renisch, Leiter Arbeitsgebiet Prozesse und Gestaltung und zuständig für den Fernverkehr.

Wie die Bahn Kunden im Fernverkehr gewinnen will

Keine flächendeckende Preiserhöhung

Bereits für das laufende Jahr hat die Deutsche Bahn in der zweiten Klasse nicht an der Preisschraube gedreht. Das ist auch im nächsten Jahr der Fall, dann auch in der ersten Klasse. Einschränkung: Fahrten über die Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig, die zum Fahrplanwechsel in Betrieb genommen wird und Fahrzeiten deutlich verkürzt.

Ansonsten bleibt bei 90 Prozent der Tickets alles beim Alten: Die Normalpreise ändern sich nicht, die Bahn-Card-Preise bleiben stabil wie auch die Preise für Streckenzeitkarten. Sparpreise gibt es weiter ab 19 und 29 Euro.

Höhere Preise auf neuer Strecke

Kunden, die Verbindungen über die Neubaustrecke Erfurt - Halle/Leipzig nutzen, müssen tiefer in die Tasche greifen; sie kommen aber auch schneller an ihr Ziel. Der Fahrpreis erhöht sich um ein bis sieben Euro. Normalpreise und Streckenzeitkarten werden ebenfalls angepasst.

Die Fahrzeit von Frankfurt am Main nach Leipzig verkürzt sich beispielsweise um 23 Minuten auf rund drei Stunden. Dafür werden mit 85 Euro künftig fünf Euro mehr fällig als bisher. Wer von Berlin nach Erfurt unterwegs ist, zahlt ab dem Fahrplanwechsel 71 statt 64 Euro. Hier gelangt der Bahnreisende dann unter zwei Stunden an sein Ziel; 44 Minuten schneller als bisher.

Sparpreise ohne Vorkaufsfrist

Für den Sparpreis ab 29 Euro auf längeren Strecken entfällt künftig die Vorverkaufsfrist. Je nach Verfügbarkeit kann solch ein Angebot dann noch bis kurz vor Abfahrt gebucht werden. Damit sollen vor allem Kunden angelockt werden, die bisher nicht oder selten Bahn fahren. Sparpreise werden auf Strecken zur Verfügung gestellt, die nicht ausgelastet sind - und zu Zeiten, in denen die Züge nicht voll sind.

Fahrten mit ICE-Sprinter werden günstiger

In etwa dreieinhalb Stunden von Frankfurt am Main nach Berlin oder von Köln nach Hamburg - das ist mit dem ICE-Sprinter möglich. Die Sprinter-Fahrten werden mit dem Fahrplanwechsel günstiger, weil die Reservierungspflicht und der Sprinter-Aufpreis von 11,50 Euro entfallen. Wer auf eigenen Wunsch einen Sitzplatz reservieren will, zahlt in der zweiten Klasse die üblichen 4,50 Euro. In der ersten Klasse ist die Reservierung im Fahrpreis enthalten.

Normalpreis wird zum Flexpreis

Mit dem Normalpreis können Kunden flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zug reisen. Das will die Deutsche Bahn gleich im Namen deutlich machen und tauft den Normalpreis in Flexpreis um.

Kein Termin für Gratis-Internet in zweiter Klasse

Mit dem Normalpreis können Kunden flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zug reisen. Das will die Deutsche Bahn gleich im Namen deutlich machen und tauft den Normalpreis in Flexpreis um.

Es wackelt, piept und blinkt - in der Fahrerkabine ist höchste Konzentration gefordert. Olaf Carls sitzt hinter dem Simulationsmonitor und bedient Tasten und Hebel fast blind. Er kann auf über 25 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Schon die kleinste Ablenkung kann aber auch bei ihm zur Vollbremsung mitten auf der Strecke führen - „Störung“ ertönt es aus dem Computer im Hintergrund.

Regelmäßig macht sich die sogenannte Sifa-Leuchte (Sicherheitsfahrschaltung) bemerkbar, die die Aufmerksamkeit der Fahrer kontrolliert. Beim Fahren muss durchgängig ein Pedal durchgetreten werden, alle 30 Sekunden geht der Fuß aber kurz hoch, um die Wachsamkeit zu gewährleisten. Geschieht das nicht, wird eine Zwangsbremsung eingeleitet.

Zur gleichen Zeit sitzt Thomas Oehl, Instruktor, im benachbarten Kontrollraum und überwacht Carls Zugfahrt. Im Normalfall sitzen in dem Simulator Aus- oder Weiterzubildende, denen Oehl auf die Finger schaut. „Mach mal die Türen auf, Leute wollen aussteigen“, erinnert er, als der Zug am Bahnsteig wartet. Vor ihm stehen drei Bildschirme, er sieht genau, wann es in dem Simulator blinkt, ob die Geschwindigkeit stimmt. Und, ob energiesparend gefahren wird.

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