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09.01.2005

13:04 Uhr

Deutsche Börse erwägt angeblich feindliche Übernahme

Londonder Börse will noch im Januar über Kaufangebote entscheiden

Die Londoner Börse will sich einem Bericht zufolge noch im Januar entscheiden, welchem Anbieter sie den Vorzug für eine Übernahme gibt. Die Deutsche Börse erwäge derweil eine feindliche Übernahme.

HB BERLIN. Die London Stock Exchange (LSE) will angeblich noch in diesem Monat entscheiden, welchem der beiden potenziellen Käufer, Deutsche Börse oder Euronext, sie den Vorzug geben will. Das berichtet der Londoner «Sunday Telegraph» ohne Angabe von Quellen.

Werner Seifert, Chef des Frankfurter Börsenbetreibers, sei außerdem zunehmend ungeduldig wegen des schleppenden Verlaufs der Übernahmegespräche, berichtet das Blatt weiter. Dass die LSE Verhandlungen über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage abgelehnt hatte, sei bei Seifert auf Unverständnis gestoßen.

Seifert denke deshalb über ein direktes Kaufangebot an die LSE-Anteilseigner nach, berichtet die Zeitung unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Managerkreise. Dies käme allerdings einem feindlichen Übernahmeversuch gleich. Seifert hatte bislang signalisiert, sich mit der LSE-Führung über einen Zusammenschluss einigen zu wollen.

In einem Gespräch mit LSE-Chefin Clara Furse am vergangenen Donnerstag habe Seifert außerdem Details seines Übernahmeangebots besprochen. Dabei habe er London nicht nur als Sitz der Terminbörse Eurex vorgeschlagen, sondern auch Zugeständnisse im Bereich des Aktienhandels gemacht. Insgesamt würden laut Seiferts Plänen 45 Prozent des gesamten Umsatzes der fusionierten Börse in London generiert. Außerdem ködere Seifert die LSE-Händler mit geplanten Kürzungen bei den Transaktionskosten im zweistelligen Prozentbereich.

Die europäische Gemeinschaftsbörse Euronext, die Börsen in Paris, Lissabon, Amsterdam und Brüssel betreibt, habe hingegen in einem Gespräch mit Furse am vergangenen Freitag die erfolgreiche Integration der in London beheimateten Terminbörse Liffe als Argument herausgestellt. Ein konkreter Preis für die Übernahme wurde in den Gesrächen angeblich nicht genannt. Die Deutsche Börse hatte 5,30 britische Pfund (gut 7,50 Euro) je LSE-Aktie zahlen wollen. Das Angebot wurde von der LSE als zu niedrig abgelehnt.

Doch nicht allein der Preis sei Ausschlag gebend für den weiteren Verlauf der Gespräche. Händler in London hätten sich besorgt geäußert, jede Übernahme der LSE durch einen Konkurrenten, der nicht nur im Wertpapierhandel, sondern auch in der Handelsabwicklung tätig sei, werde von den europäischen Kartellbehörden argwöhnisch beobachtet werden, hieß es unter Anspielung auf die Deutsche Börse, die mit der Tochter Clearstream auch in der Handelsabwicklung tätig ist.

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