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13.02.2012

17:03 Uhr

Deutsche Börse und Nyse

Fusionsfreunde werden zu Börsenrivalen

VonCarina Kontio, Rolf Benders

Nach dem Fusionsflop der Börsen von Frankfurt und New York wird von den Chefs eine neue Strategie gefordert. Während Reto Francioni noch seinen Posten verteidigen muss, bläst Nyse-Chef Niederauer bereits zum Angriff.

Die gescheiterte Fusion ist eine herbe Schlappe für Reto Francioni, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse. Reuters

Die gescheiterte Fusion ist eine herbe Schlappe für Reto Francioni, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse.

Düsseldorf/New YorkEs war der dritte Anlauf für einen Zusammenschluss, doch die EU-Kommission hat der Mega-Fusion von Deutscher Börse und der New Yorker Börse Nyse am Ende kein grünes Licht gegeben. Gegen das Nein aus Brüssel hätten die beiden Konzerne zwar vor dem Europäischen Gerichtshof klagen können - aber ihre Chefs Reto Francioni und Duncan Niederauer verzichteten und ließen ihren Plan endgültig fallen.

Die EU-Wettbewerbshüter hatten sich vor allem am Börsenhandel mit Derivaten gestoßen, der nach einer Fusion etwa 90 Prozent Marktanteil gehabt hätte - ein Monopol im europäischen Derivatemarkt. „Wenn man ein solches Monopol zulässt, das zu höheren Preisen und weniger Innovation führt, dann ist das nicht im europäischen Interesse“, sagte EU-Kommissar Joaquin Almunia. „Am Ende hatten wir keine andere Alternative, als die Fusion zu verbieten.“

Nach der geplatzten Fusion heißt es jetzt: Alles auf neu, und die beiden Unternehmer richten ihren Blick nach der herben Schlappe in die Zukunft. „Wir können das EU-Verbot verkraften. Die Deutsche Börse konzentriert sich nun auf ihr Wachstumsprogramm aus eigener Kraft“, verkündete Deutsche-Börse-Chef Francioni in einer ersten Stellungnahme. Der Dax-Konzern gehe nach einer „deutlichen Ergebnissteigerung“ im vergangenen Jahr mit „positiven Wachstumserwartungen“ ins Jahr 2012. „Was jetzt folgt, ist ein zäher Wettlauf aller Börsenplätze - die asiatischen eingeschlossen - um die beste Positionierung an den Kapitalmärkten“, sagte der Schweizer.

Knapp zwei Wochen nach dem Scheitern wird er den Aktionären bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2011 erklären müssen, warum der Deal geplatzt ist, was er stattdessen plant und wie sich das Unternehmen alleine im globalen Wettbewerb behaupten will. Etwa 80 Millionen Euro investierte der Frankfurter Marktbetreiber 2011 in das Projekt. Analysten erwarten für das erste Quartal 2012 nochmals Kosten in zweistelliger Millionenhöhe für das Fusionsvorhaben.

Und so steht die Frage im Raum, ob sich Reto Francioni bis Ende Oktober 2013 - so lange läuft sein Vertrag - an der Spitze des Dax-Konzerns halten kann. Auf Dauer werden sich die Anteilseigner der Börse in einem von Konsolidierung geprägten Marktumfeld wohl kaum mit „Wachstum aus eigener Kraft“ begnügen. Allerdings spricht momentan einiges dafür, dass an der Spitze des Konzerns erst einmal nichts überstürzt wird.

Reto Francioni: Der Mannschaftsspieler bleibt Einzelkämpfer

Reto Francioni

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Das Scheitern der Fusion von Deutscher und New Yorker Börse ist auch eine schmerzhafte Niederlage für Reto Francioni. Sie wird unangenehme Fragen für ihn zur Folge haben.

In einer Pressemitteilung signalisierte der Börsen-Aufsichtsratschef Manfred Gentz bereits, dass er hinter Francioni steht. „Es besteht zu grundlegenden Änderungen von Strategie, Struktur und Führung kein Anlass, vielmehr sind jetzt Ruhe und Kontinuität geboten“, ließ er per Pressemitteilung verbreiten. Man dürfe nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, fordert dagegen Johannes Witt, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat: „Hier sind ganz klar Managementfehler passiert, dafür müssen hoch bezahlte Vorstände die Verantwortung übernehmen.“ Aber dass die Arbeitnehmer Stimmung gegen Francioni machen, halten andere für unwahrscheinlich. Wie „Welt Online“ schreibt, heißt es aus dem Umfeld des Schweizers, dass keine Anzeichen dafür gebe, dass die Kapitalseite Francioni stürzen will.

Kommentare (1)

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13.02.2012, 20:12 Uhr

Da fällt mir nur eins dazu ein.“ Wann legt man ihnen das Handwerk“.

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