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12.12.2011

14:50 Uhr

Deutsche Börse & Nyse

Hessen droht mit Veto gegen Mega-Börsenfusion

Der hessische Wirtschaftsminister hat Bedenken gegen die geplante Fusion von Deutscher Börse und Nyse. Das Ministerium ließ den Unternehmen einen Katalog mit Forderungen zukommen.

Hessen hat Bedenken gegen die Börsenfusion. dpa

Hessen hat Bedenken gegen die Börsenfusion.

FrankfurtDie Deutsche Börse und die New Yorker Nyse müssen in den nächsten Wochen an zwei Fronten um ihr Fusionsvorhaben kämpfen. Neben der EU-Kommission hat auch das Land Hessen erhebliche Bedenken gegen den neun Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss und fordert Änderungen von beiden Unternehmen. „Die Fusionsparteien müssen nun entsprechend geeignete Vorschläge zur Behebung der bestehenden Bedenken vorlegen“, sagte ein Sprecherin des hessischen Wirtschaftsministers Dieter Posch am Montag zu Reuters. Das Ministerium als Aufsichtsbehörde der Börse muss dem Zusammenschluss ebenso wie die EU zustimmen.

Posch hatte sich bereits im Sommer kritisch zu den Fusionsplänen geäußert, nun ließ der FDP-Politiker der Börse einen Katalog mit Forderungen, Wünschen und Problemen zukommen. „Die Aufsicht hat den Fusionsparteien Hinweise gegeben, hier Änderungen vorzunehmen“, sagte seine Sprecherin. Nach derzeitigem Prüfungsstand bestünden „börsenrechtliche Bedenken“. Eine Rolle spiele dabei auch, dass die Deutsche Börse der EU-Kommission den Verkauf von Teilen des Eschborn bei Frankfurt angesiedelten Derivate-Geschäfts angeboten hat, um aus Brüssel grünes Licht für die Fusion zu erhalten.

An der Börse kamen die Mitteilung nicht gut an. Die Deutsche-Börse-Aktie baute ihre Verlust aus und lag am Nachmittag rund zwei Prozent schwächer bei 41,02 Euro.

Showdown im Januar

Kritiker fürchten, dass es durch die Fusion zu einem Ausverkauf des Finanzplatzes Frankfurt kommt und dass die Amerikaner früher oder später die Macht an sich reißen. Börsen-Chef Reto Francioni beteuert dagegen, das Machtverhältnis sei ausgewogen und Frankfurt werde vom Zusammenschluss profitieren. „Er ist großartig für den Standort Frankfurt, er ist klasse für den europäischen Kapitalmarkt und er ist auch gut für die Nyse“, sagte er am Wochenende in einem Zeitungsinterview.

Francioni steht bei den Verhandlungen von zwei Seiten unter Druck: Auf der einen Seite muss er der Kommission möglicherweise weitere Zugeständnisse machen, um aus Brüssel grünes Licht für den Zusammenschluss zu bekommen. Auf der anderen Seite gibt es bei den Aufsehern und einigen Mitarbeitern Sorgen, Francioni werde zu hohe Auflagen akzeptieren - das könnte nicht nur die Ertragschancen des fusionierten Konzerns einschränken, sondern auch den Finanzplatz Frankfurt schwächen.

Die Deutsche Börse und das Wirtschaftsministerium wollten sich nicht dazu äußern, welche Änderungen die Aufseher von den Konzernen im Einzelnen fordern. „Wir sind im permanenten Dialog mit der Hessischen Börsenaufsicht“, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse lediglich. Das Ministerium erklärte, die Konzerne hätten bisher keine Vorschläge eingereicht.

Laut „Spiegel“ haben Börsen-Vorstandschef Francioni und Nyse-Chef Duncan Niederauer vor einem Monat in einem Gespräch mit Minister Posch in Wiesbaden versucht, die Bedenken des FDP-Politikers auszuräumen. Posch will zunächst das Votum der EU-Kommission abwarten, das spätestens bis 23. Januar vorliegen soll, und anschließend selbst entscheiden.

Von

rtr

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