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22.11.2014

09:22 Uhr

Deutsche Fleischindustrie

Wurst für die Welt

VonMarcel Bohnensteffen

Immer weniger Deutsche essen Fleisch, die Zahl der Flexitarier und Vegetarier wächst. Viele Unternehmen suchen nun ihr Glück in Fernost, andere arbeiten an neuen Möglichkeiten, Kunden für Fleisch zu begeistern.

Ein Metzger an der Fleischtheke: bald ein Bild mit Seltenheitswert? experten gehen davon aus, dass künftig immer mehr Konsumenten Fleisch übers Internet bestellen. In Bayern existiert bereits die erste Live-Metzgerei im Netz ap

Ein Metzger an der Fleischtheke: bald ein Bild mit Seltenheitswert? experten gehen davon aus, dass künftig immer mehr Konsumenten Fleisch übers Internet bestellen. In Bayern existiert bereits die erste Live-Metzgerei im Netz

DüsseldorfEs gab Zeiten, da galt Deutschland als Fleischnation schlechthin. Wann immer ausländische Gäste in hiesige Restaurants einkehrten, sie erwarteten ein sattes Stück Fleisch auf dem Teller. Man kannte ja nichts anderes.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Vegetarierbund beziffert die Zahl der Vegetarier hierzulande auf sieben Millionen. Das wären knapp acht Prozent der Bevölkerung. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) kommt in einer Marktstudie zu dem Schluss, dass sich 3,5 Prozent der Haushalte fleischlos ernähren.

Größer ist der Anteil der Flexitarier. Das sind Menschen, die nur an einzelnen Tagen in der Woche und somit in der Menge deutlich weniger Fleisch konsumieren. Sieben bis acht Prozent der deutschen Haushalte zählen laut GfK bereits zu dieser Gruppe.

Die größten Schlachtunternehmen in Deutschland

Tönnies

Deutschlands größtes Fleisch-Imperium Tönnies ist auch bei den Schlachtungen ganz vorn. 16,4 Millionen Schweine ließen im vergangenen Jahr in den Werken des Konzerns ihr Leben. Demgegenüber stehen 405.000 geschlachtete Rinder.

Vion Deutschland

Vion Deutschland, ein bundesweit verbreiteter Nahrungsmittelkonzern, schlachtete 2013 die meisten Rinder: 888.000. Bei Schweinen (9,5 Millionen) fällt er aber deutlich ab gegenüber Marktführer Tönnies.

Westfleisch

Vom Umsatz her ist Westfleisch die Nummer zwei der deutschen Fleisch-Branche. Mit 7,4 Millionen geschlachteten Schweinen und 372.000 Rindern belegt das Unternehmen im Ranking der Schlachter Platz drei ein.

Danish Crown

Danish Crown hat, wie es der Name verrät, Unternehmenswurzeln im Ausland. Seitdem dänische Fleischunternehmen auf dem Schweinemarkt aber in großem Stil expandieren, tauchen sie auch hierzulande in Rankings in der Spitzengruppe auf. In diesem Fall mit 2,7 Millionen geschlachteten Schweinen.

Vogler Fleisch

Der norddeutsche Konzern Vogler Fleisch wird mit 2,3 Millionen Schweineschlachtungen gelistet.

Müller-Gruppe

Die auf Viehwirtschaft spezialisierte Müller-Gruppe schlachtete im Vorjahr 298.000 Rinder.

Gausepohl

Das westfälische Unternehmen Gausepohl taucht 2013 mit 255.000 geschlachteten Tieren noch in den Top fünf der Rinderschlachter auf. Inzwischen ist der Konzern von Tönnies übernommen worden.

Der Fleischbranche macht dieses neue Konsumverhalten zu schaffen. Laut Zahlen der Konsumforscher orderten die Haushalte in Deutschland von Januar bis September etwa eine Million Tonnen Wurst. Bei Fleisch waren es sogar 1,1 Millionen Tonnen. Die Fleischverbände kalkulieren mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von knapp 60 Kilogramm pro Jahr.

Immer noch eine stolze Zahl, aber: Die Tendenz ist sinkend. Von Januar bis September hat die GfK beim Wurst- und Fleischverkauf im Einzelhandel verglichen mit dem Vorjahreszeitraum einen Rückgang von 2,2 Prozent gemessen. 

Noch eine andere Entwicklung bereitet der Branche Sorgen: In drei Viertel aller Haushalte leben nur noch ein oder zwei Personen. Die kochen weniger und gehen seltener einkaufen. Und diejenigen, die es noch tun, machen es unregelmäßiger als früher. Das lässt sich aus Zahlen der GfK ablesen.

Heute kochen nur noch zwei Drittel der deutschen Haushalte regelmäßig. 2006 waren es dagegen noch 74 Prozent. Dem Handel bricht damit eine wichtige Zielgruppe weg. „Wer kocht, geht 30 Prozent häufiger einkaufen“, sagt Konsumforscher Helmut Hübsch. Die Tendenz geht allerdings in die entgegengesetzte Richtung.

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