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17.02.2012

11:32 Uhr

Deutsche Flugsicherung

Führungsstreit sorgt bei Fluglotsen für Chaos

VonDaniel Delhaes, Jens Koenen

Die Gewerkschaft der Flugsicherung ist wegen des Streiks des Vorfeldpersonals in Frankfurt in den Schlagzeilen. Eine entscheidende Rolle spielt sie auch bei der Deutschen Flugsicherung, wo Intrigen Probleme machen.

Mitarbeiter klagen über gewaltige interne Unruhe bei der Deutschen Flugsicherung. dapd

Mitarbeiter klagen über gewaltige interne Unruhe bei der Deutschen Flugsicherung.

Berlin, FrankfurtJeder Deutsche, der in einen Flieger steigt, vertraut sein Leben der Deutsche Flugsicherung an. Die Firma betreibt 16 Kontrolltürme an deutschen Flughäfen. Von denen aus koordinieren und kontrollieren die 2000 Lotsen sämtliche Flugbewegungen im deutschen Luftraum - also etwa drei Millionen im Jahr.

Eine Milliarde Euro setzt das bundeseigene Unternehmen mit seinen 6000 Mitarbeitern dabei um, und das von den Airlines bezahlte Geld ist gut investiert: Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es keinen Unfall gegeben, der auf menschliches Versagen eines DFS-Lotsen zurückzuführen wäre. Auch wirtschaftlich ist die Firma kerngesund. Selbstbewusst will sie expandieren und laut Medienberichten bei der britischen Luftverkehrsaufsicht NATS einsteigen. Ausgerechnet die „Krauts“ in der hochsensiblen britischen Luftraumüberwachung - das wäre was.

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Doch so tadellos der Ruf der DFS national wie international auch ist - die Wirklichkeit sieht anders aus. Intern regieren weder kühle Sachlichkeit noch strategische Weitsicht, sondern hitziger Streit und gemeine Intrigen. Persönliche Ambitionen einzelner Führungskräfte sowie politische und gewerkschaftliche Interessen prallen dabei aufeinander. Der vorläufige Höhepunkt der Krise: Vor knapp drei Wochen verkündet der Bund als Eigentümer, dass die gesamte dreiköpfige Geschäftsführung zum Jahresende gehen muss. „Die interne Unruhe ist gewaltig. Keiner weiß, wie es weitergehen soll“, berichtet ein leitender Mitarbeiter der DFS.

Der Streit begann im Sommer 2011. Die Tarifgespräche mit der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) waren festgefahren - doch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer verfügte eine Einigung um jeden Preis. Neben Lohnsteigerungen von insgesamt neun Prozent rang die GdF Ramsauers Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle, der auch Vorsitzender des DFS-Aufsichtsrats ist, eine Zusage ab, die bis heute weitgehend unbekannt ist: Künftig solle es einen Arbeitdirektor geben. Und der dürfe nicht Jens Bergmann heißen. Bergmann, der bisherige Personalvorstand der DFS, hatte sich in den Tarifverhandlungen als harter Verhandlungspartner gezeigt.

Dummerweise gab es für den neuen Vorstand keine Vakanz. Denn Scheurle hatte sowohl Bergmann bereits eine Vertragsverlängerung versprochen wie auch Ralph Riedle, dem Chef des operativen Geschäfts. Und die Nachfolge des altersbedingt ausscheidenden DFS-Chefs Dieter Kaden - der bereits 67 ist - würde Scheurle selbst gerne antreten. Zum Leidwesen des Staatssekretärs war ein viertes Vorstandsressort politisch nicht durchsetzbar.

Kommentare (3)

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uschi

17.02.2012, 17:18 Uhr

ich frage mich ernsthaft, wer da ca. 100€ pro meiner arbeitsstunde eingesteckt hat!

Dr.Fischer

18.02.2012, 12:26 Uhr

"Dabei hat die EU festgelegt, dass die Flugsicherungen ihre Effizienz steigern, die Gebühren sinken müssen."
Die EU will zwar nationale Flugsicherungsorganisationen regulieren, ihre eigene Flugsicherungsorganisation, Maastricht UAC, aber nicht!! Die deutschen Arbeitskosten sind u.a. auch deshalb so hoch, weil hier Ausbildungskosten und Betriebsrenten eingerechnet sind, in Frankreich z.B. zahlt der Staatshaushalt die Renten und die Nachwuchsausbildung.

manfred.sack

20.02.2012, 19:02 Uhr

Ich bin sicher, daß die Fluglotsen am Board weiterhin ihre Arbeit sicher und souverän leisten. Auch wenn in der "Belle Etage" das Intrigenkarussel rotiert. Der GdF möchte ich jedoch raten, nicht über Nebenkriegsschauplätze wie den aktuellen Streik der Vorfeld-"Lotsen" ihre eigentlichen Schutzbefohlenen, die Fluglotsen, ins Abseits zu manövrieren.
Manfred, Fluglotse und Wachleiter im Ruhestand

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