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07.02.2005

18:26 Uhr

Deutsche, italienische und österreichische Bahn wollen Fahrgastschwund stoppen

Europas Bahnunternehmen kooperieren beim Alpentransit

VonOliver Stock

Die Deutsche Bahn (DB), die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sowie die italienische Staatsbahn Trenitalia wollen gemeinsam gegen den Passagierschwund auf ihren Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen vorgehen.

HB WIEN. Die Deutsche Bahn (DB), die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sowie die italienische Staatsbahn Trenitalia wollen gemeinsam gegen den Passagierschwund auf ihren Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen vorgehen. Bei einem Treffen der Personenverkehrsvorstände in der vergangenen Woche im österreichischen Semmering vereinbarten die drei Unternehmen nach Handelsblatt-Informationen, die Preise für die Verbindung zu senken, die Qualität der Wagen zu verbessern, die Fahrtzeit zu verkürzen und mehr Werbung zu machen. Ziel ist es, jährlich 100 000 Fahrgäste auf der Schiene über den Brenner zu befördern.

Hintergrund für die grenzenübergreifende Offensive ist der Druck der Billigflieger, der auf allen drei Unternehmen lastet. Problemfall Nummer eins bei der Deutschen Bahn ist deswegen schon lange der Personenfernverkehr. Seit der Übernahme des Logistikkonzerns Stinnes macht diese Sparte zwar nur noch gut zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus, in der öffentlichen Wahrnehmung der Bahn steht sie jedoch ganz oben. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres lag der Verlust wieder bei 214 Millionen Euro, nach 263 Millionen Euro vor einem Jahr. Die Auslastung der Züge liegt nur bei 40 Prozent. Die Zahl der Reisenden auf Fernstrecken der Bahn geht nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit langem zurück. 2004 nutzten nur noch 117 Millionen Menschen die Eisenbahnen im Fernverkehr, 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Besonders auf der Nord-Süd-Verbindung über die Alpen sind die Verluste beträchtlich. Der Flugverkehr dagegen boomt. Mit 136 Millionen Fluggästen in Deutschland im vergangenen Jahr gab es einen Anstieg um acht Prozent.

Die ÖBB leidet unter dem gleichen Problem. Bei den Österreichern sanken die Passagierzahlen um zwei auf 277,6 Mill. im Jahr 2003. Der neue ÖBB-Chef Martin Huber will deswegen den Personenverkehr in eine eigene Aktiengesellschaft überführen, die rentabel arbeiten soll. Bislang ist die ÖBB einer der größten Subventionsempfänger des Landes. Sie verschlingt sieben Prozent der Staatsausgaben. Bis zum Jahr 2010 soll jedoch der Bundeszuschuss für die Bahn von derzeit 4,4 auf 4,1 Mrd. Euro sinken. Entsprechend groß ist der Druck, den Huber auf die Sparte Fernverkehr ausübt.

Auch Trenitalia verzeichnet Rückgänge bei der Verbindung über die Alpen. Die Einnahmen allein im österreichisch-italienischen Verkehr sind im vergangenen Jahr für beide betroffenen Unternehmen um zwölf Prozent gesunken. Die Fahrgäste in den italienischen Wagen monieren vor allem die schlechte Qualität der Züge, die im Vergleich zum Flugzeug weniger Komfort bieten.

Dies soll sich jetzt ändern. Alle drei Seiten vereinbarten, bessere Wagen einzusetzen. Die Qualität soll vom jeweils anderen Vertragspartner überprüft werden können. Die DB hat außerdem bereits die Preise gesenkt. Seit Ende des vergangenen Jahres, gilt das Angebot, bei rechtzeitiger Buchung zum halben Preis zu fahren, nicht mehr nur bis zur Grenze bei Kufstein, sondern auf der gesamten Strecke bis nach Verona. Die Fahrtzeit von fünfeinhalb Stunden soll verkürzt werden, wobei hier aber eine spürbare Verbesserung erst ein neuer Tunnel durch den Brenner bringen wird, wie ein DB-Sprecher einräumte. Dieser geht jedoch nicht vor dem Jahr 2015 in Betrieb.

Schließlich wollen alle drei Seiten nach Angaben von Stefan Wehinger, der bei der ÖBB für den Personenfernverkehr zuständig ist, ein gemeinsames Marketingsystem einrichten, bei dem „Experten aller drei Bahnen Strecken bearbeiten und genaue Zielvorgaben bekommen“. Der ÖBB-Manager kann sich auch vorstellen, dass eine eigene Firma, an der alle drei Unternehmen beteiligt sind, den Verkehr zwischen den drei Staaten betreut.

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