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26.01.2016

00:53 Uhr

Deutsche Post

Appel plant Offensive gegen Amazon

Der US-Internethändler Amazon drückt mit Expansionsplänen weiter auf den deutschen Markt. Die Deutsche Post will in die Gegen-Offensive gehen. Neueinstellungen im Paketservice sollen die Sparte konkurrenzfähig halten.

Konkurrenten: Der Online-Dienst Amazon und die Deutsche Post. Reuters

Paket-Auslieferung

Konkurrenten: Der Online-Dienst Amazon und die Deutsche Post.

BerlinDie Deutsche Post will auf Expansionspläne des US-Internethändlers Amazon mit dem Ausbau der eigenen Paketsparte reagieren. „Von den bis 2020 zusätzlich geplanten 10.000 Neueinstellungen als Paketausfahrer haben wir innerhalb eines Jahres schon mehr als 4000 Kollegen eingestellt“, sagte Post-Chef Frank Appel im „Bild“-Interview (Dienstagausgabe). „Gut möglich also, dass wir bis 2020 noch deutlich mehr neue Jobs in dem Bereich schaffen.“

Außerdem seien massive Investitionen in die Infrastruktur vorgesehen. Appel betonte, sein Unternehmen beobachte genau, was sich im Markt tue.

Amazon hatte im vergangenen Jahr in Olching bei München ein erstes Paketzentrum eröffnet und erwägt weitere solcher Verteilzentren in anderen deutschen Metropol-Regionen.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Von

rtr

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