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08.06.2015

15:14 Uhr

Deutsche Post

Briefträger streiken unbefristet

Die Deutsche Post weicht nicht zurück, Verdi lässt die Muskeln spielen: Ab dem Nachmittag sollen die Briefträger und Paketboten unbefristet streiken. Eine Lösung des Streits scheint nicht in Sicht.

Bei der Deutschen Post kommt es zum großen, unbefristeten Streik. dpa

Post bleibt liegen

Bei der Deutschen Post kommt es zum großen, unbefristeten Streik.

Frankfurt/BonnErstmals seit dem Börsengang vor 15 Jahren wird die Deutsche Post von unbefristeten, bundesweiten Streiks getroffen. Die Gewerkschaft Verdi werde die Postler schrittweise in den Arbeitskampf führen, kündigte Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis am Montag an. Sie wolle im Tarifkonflikt den Druck auf den Post-Vorstand damit massiv erhöhen. Zunächst sollen bundesweit 116 Verteilzentren vom Ausstand getroffen werden.

Die Post nannte die Streiks „unverhältnismäßig und in Bezug auf die laufende inhaltliche Auseinandersetzung destruktiv“. Personalchefin Melanie Kreis appellierte an Verdi, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Beuge sich der Konzern der Gewerkschaft, drohten ihm Mehrkosten von 300 Millionen Euro und damit Nachteile im Wettbewerb.

Post und der Streik: Verdi macht die Post zur Schnecke

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Die Postler bleiben zu Hause und die Briefe auch? Verdi hat jetzt zum Dauerstreik bei der Post aufgerufen. Kommt jetzt nichts mehr an? Wer arbeitet noch? Worum geht es? Sechs Antworten auf die sechs wichtigsten Fragen.

Das Klima zwischen Verdi und dem Post-Management ist seit Monaten vergiftet. Entzündet hatte sich der Konflikt nach der Ankündigung des Bonner Konzerns, Tausende neue Stellen schaffen zu wollen - allerdings in 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne als im Konzern gelten. Die neuen Firmen orientieren sich an den Tarifverträgen der Logistik-Branche, diese liegen deutlich unter dem Haustarif der Post. Konzernchef Frank Appel hatte erst Ende Mai diesen Kurs verteidigt: „Wir sind mit unseren Löhnen nicht wettbewerbsfähig. Deshalb müssen wir neue Wege gehen.“

Verdi will Appel nun zwingen, die Entscheidung zu revidieren: Auch in den neuen Gesellschaften soll wieder nach dem für rund 140.000 Postler geltenden Haustarifvertrag gezahlt werden, fordert die Gewerkschaft. Sie hatte der Post dazu ein ultimatives Angebot vorgelegt, das auch einen Verzicht auf eine Lohnerhöhung für 2015 beinhaltete. Der Konzern wies dies ab.

Der Post zufolge arbeiten rund 6000 Menschen in den neuen Gesellschaften, bis zum Jahresende sollen es rund 8500 Beschäftigte sein. Personalchefin Kreis stellte sich erneut entschieden hinter diesen Schritt: Die Post wolle massiv in ihr boomendes Paketgeschäft investieren. Das im Vergleich zur Konkurrenz höhere Lohnniveau verhindere aber, dass der Konzern dauerhaft im Wettbewerb mithalten könne. Deshalb zahle die Post in den neuen Gesellschaften nun „marktgerechte Löhne“: „Diese neue Struktur ist unverzichtbar.“ Niemand verliere durch die neuen Firmen seinen Arbeitsplatz.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

Die Brief- und Paketsparte der Post, in der nun gestreikt wird, soll in diesem Jahr den Planungen der Post zufolge einen operativen Gewinn (Ebit) von mindestens 1,3 Milliarden Euro einfahren. Im Konzern sollen es 3,05 bis 3,20 Milliarden Euro werden. Im kommenden Jahr will Appel dann operativ noch deutlich mehr verdienen - zwischen 3,4 und 3,7 Milliarden Euro sind dann das Ziel. Die vom Tarifstreit in Deutschland betroffenen Postler machen nur einen Teil der weltweiten Belegschaft aus: Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 490.000 Mitarbeiter.

Verdi-Verhandlungsleiterin Kocsis pocht auf ihre Position. Die Post habe sich in den bisherigen sechs Verhandlungsrunden mit Verdi um keinen Millimeter bewegt und die Offerte Verdis ignoriert. Verdi ziehe nun die Konsequenzen.

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