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01.03.2013

12:17 Uhr

Deutsche Post

Drei Cent, die Sie sich sparen können

VonSebastian Ertinger

ExklusivDie Post erhofft sich aus der jüngsten Portoerhöhung 100 Millionen Euro Mehreinnahmen. Doch wie soll das klappen? Ein Testversand zeigt: In der Praxis drückt die Deutsche Post bei der Portoerhöhung offenbar ein Auge zu.

Drei Cent gespart: Einem Test zufolge werden Briefe auch mit dem alten Porto zugestellt. dpa

Drei Cent gespart: Einem Test zufolge werden Briefe auch mit dem alten Porto zugestellt.

DüsseldorfDie Deutsche Post befördert Briefe, auch wenn diese nur mit dem alten Porto frankiert sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die das auf Servicequalität spezialisierte Institut Spectos im Auftrag von Handelsblatt Online durchgeführt hat. Demnach wurden 99 Prozent der Sendungen anstandslos zugestellt. Die Standardbriefe waren mit 55 Cent statt der seit Jahresbeginn erforderlichen 58 Cent frankiert.

„Das Ergebnis ist eindeutig“, sagt Nils Delater, Geschäftsführer von Spectos. Der Test zeige, dass die Deutsche Post für Briefe mit dem alten Porto von 55 Cent bisher nur in Einzelfällen eine Nachgebühr beim Empfänger verlange oder die Briefe an den Absender zurück schicke. „Wer sich also bisher die zusätzlichen drei Cent für Briefmarken gespart hat, dürfte kaum etwas bei der Zustellung gemerkt haben“, erklärt Delater.

Wie der Porto-Test ablief

Bundesweit 300 Testbriefe

Das auf die Messung von Servicequalität spezialisierte Institut Spectos aus Dresden verschickte für die Untersuchung bundesweit 300 Testbriefe. 288 Sendungen flossen in die Auswertung ein.

Altes Porto

Spectos versendete über eine Woche im Februar Standardbriefe, die mit 55 Cent statt der nun geforderten 58 Cent frankiert waren.

Absender

Das Institut schulte für jeden der zehn Postleitzahlenbereiche Deutschlands (die erste Ziffer der Postleitzahlen von 0 bis 9) jeweils einen Absender. Dieser verschickte 30 Sendungen über den Testzeitraum von einer Woche. 20 Prozent der Sendungen gingen in den Postleitzahlenbereich des Absenders, 80 Prozent in eine andere Zone. So sollte sichergestellt werden, dass möglichst viele Umschlagzentren der Post abgedeckt sind.

Empfänger

Das Dresdner Institut Spectos schulte zudem 300 Empfänger, also 30 je Postleitzahlenbereich. Diese sollten den Eingang der Testbriefe dokumentieren und ein ausführliches Protokoll ausfüllen. Für 288 Briefe lag zum Testende dieses Protokoll vor.

Das Ergebnis

Von den 288 falsch frankierten Testbriefen, die in die Auswertung einflossen, wurden 285 anstandslos zugestellt. Einer der Test-Empfänger erhielt eine Benachrichtigung, dass er den Brief gegen Nachporto abholen muss. Zwei weitere Sendungen waren bis zum Testende weder zugestellt worden noch wieder beim Absender angekommen.

Die Deutsche Post hatte zum 1. Januar 2013 das erste Mal seit 15 Jahren das Porto erhöht. Im Jahr 2003 hatte das Unternehmen auf Druck der Regulierer die Tarife im Schnitt um 4,7 Prozent senken müssen. Die Post begründet die jüngste Porto-Erhöhung mit einem sich verändernden wirtschaftlichen Umfeld. Steigende Kosten für Löhne und Sozialabgaben sowie eine gleichbleibende Qualität bei der Dienstleistung stünden sinkende Briefmengen gegenüber.

Leser-Erfahrungen mit der Porto-Erhöhung

Azra C.

„Nein, kein Strafporto bezahlen müssen ...“

Christian P.

„Ich habe mir ganz viele 3ct Zusatzmarken zugelegt die ich nun neben die reguläre 55ct Marke klebe.“

Tom S.

Leser Tom S. hat unterfrankierte Briefe verschickt: „Beide wurden zugestellt. Dafür habe ich jetzt zwei drei Cent Zusatzmarken übrig.“

Ma R.

„Aussage am Postschalter: Briefe im Briefkasten werden auch mit 55 ct an den Empfänger verschickt. Bei Aufgabe in den Fillialen müsste allerdings eine Zusatzmarke erworben werden.“

Die Kommentare stammen von unserer Facebook-Seite

Im Schnitt erhöht das Unternehmen die Preise um 2,8 Prozent. So kostet ein Standardbrief bis 20 Gramm nun drei Cent, ein Maxibrief bis 1000 Gramm 20 Cent mehr. Erstmals beziffert der Bonner Logistikkonzern auch die erwarteten Mehreinnahmen durch die Portoerhöhung: 100 Millionen Euro sollen es übers Jahr gerechnet sein, sagte ein Sprecher zu Handelsblatt Online. Bislang galt die Zahl als Geschäftsgeheimnis.

Kommentare (16)

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Rechner

01.03.2013, 12:30 Uhr

In Deutschland ist die Geldentwertungsrate im Februar auf 1,5% gefallen.

Im Januar lagen die Einzelhandelsverkäufe 2,4% über dem Vorjahresmonat.

...

Stabile Preise, anziehende Binnenkonjunktur, ausgeglichener Bundeshaushalt, sinkende Arbeitslosigkeit, sinkende Staatsschuldenquote.

Wenn das 'mal keine erfolgreiche Wirtschaftspolitik ist!

Krugman, Roubini und die Untergangspropheten können einpacken.

Ein ausgeglichener Staatshaushalt und maßvolle Geldmengenausweitungen der Notenbank sind eine solide Basis für nachhaltiges Wachstum.

Uferlose Schuldenpolitik sind es nicht.

...

Handelsblattredaktion - bitte aufwachen!

Wo bleibt der Artikel zur gesamtwirtschaftlichen Lage?

Ist der zuständige Redakteur auf Urlaub?

Oder ist das Handelsblatt zu einem mikroökonomischen 3-Cent-Blättchen mutiert mit umfangreicher Berichterstattung über die letzte verbale Entgleisung von Politikern?

Rechner

01.03.2013, 12:32 Uhr

In den USA hat heute die Sequestrierung (automatische Ausgabenkürzungen) eingesetzt.

85 Milliarden verschwinden dieses Jahr aus dem Haushalt.

Auch kein Thema für's Handelsblatt?

Handelsblattredaktion - bitte aufwachen!

Schimmelpilz in Futtermitteln und 3 Cent beom Briefporto sind legitime Themen.

Aber wichtiger als die gesamtwirtschaftliche und weltwirtschaftliche Entwicklung sind sie nicht.

Hustensaft

01.03.2013, 12:47 Uhr

Wie war das noch? Etwa 80 % des Briefaufkommens stammt von gewerblichen Absendern, d.h. aus Freistemplern oder gar mit DV-Freimachung - und da darf getrost davon ausgegangen werden, dass die neuen Preise gezahlt werden. In Anlehnung an einen bekannten Satz, reden wir hier also über Peanuts. Bei den Privatkunden wird sich die Portoerhöhung eben im Zweifelsfall etwas später durchsetzen, wenn eben das nächste Mal Briefmarken gekauft werden.

Außerdem: Die (meist einzige) Kontrolle liegt bei den Zustellern bzw. in der Postfachverteilung - und die dort Beschäftigten stehen meist so unter Druck, dass sie für derartige Dinge keine Zeit haben. Zudem ist es in der Kosten-Nutzen-Relation regelmäßig unwirtschaftlich, die 3 Cent Differenz (plus eventuelle "Nachgebühr") zu erheben: Statt Einwurf in den Briefkasten klingeln, womöglich noch etliche Stockwerke steigen oder Benachrichtigung schreiben ... So lange die Post - mit Fug und Recht - davon ausgehen kann, dass das nur ein kurzfristiges Übergangsphänomen ist und die große Masse der Briefe ohnehin zum neuen Tarif befördert wird ... gilt noch eine Bemerkung aus dem Peanuts-Interview: So what ...

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