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11.11.2015

12:04 Uhr

Deutsche Post

Gelber Riese schrammt knapp an Verlust vorbei

Die Frachtsparte macht der Deutschen Post große Sorgen. Ein neues IT-System wird nun doch nicht eingeführt, der Konzern bleibt auf Millionen-Kosten sitzen. Die Abschreibungen drücken den Gewinn in den Keller.

Zu Quartalszahlen der deutschen Post

Vorstandschef: „Wir haben uns zu viel vorgenommen in zu kurzer Zeit“

Zu Quartalszahlen der deutschen Post: Vorstandschef: „Wir haben uns zu viel vorgenommen in zu kurzer Zeit“

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Bonn/BerlinEin Gewinneinbruch hat die erfolgsverwöhnte Deutsche Post im dritten Quartal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wegen eines Fehlgriffs beim neuen Computersystem in der Frachtsparte und verbuchter Einmaleffekte für Risiken in allen anderen Konzernbereichen schrumpfte das Nettoergebnis des „gelben Riesen“ um rund 90 Prozent auf 49 Millionen Euro. Die Post schrammte damit im abgelaufenen Vierteljahr nur knapp an der Verlustzone vorbei.

Es war der höchste Rückgang in einem Quartal seit sechs Jahren. Das operative Ergebnis fiel - bei einem Umsatzplus von 3 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro – um gut 70 Prozent. Vorstandschef Frank Appel sprach von einem Jahr des Übergangs für den Konzern. Die Konsequenzen aus dem IT-Flop seien nun gezogen. Unter anderem hat der Postchef persönlich die Führung der Frachtsparte übernommen. Das Unternehmen ist aber auf der Suche nach einem neuen Manager.

Kritik an Portoerhöhung der Post: Aufregung um acht Cent

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Premium Aufregung um acht Cent

Die Deutsche Post will das Briefporto von 62 auf 70 Cent erhöhen. Wettbewerber fühlen sich benachteiligt. Auch die Politik hegt Zweifel an der angekündigten Preiserhöhung. Denn große Geschäftskunden zahlen kaum drauf.

Die Belastungen habe die Post schon jetzt in die Bilanz genommen, um jede Sparte zu stärken und um die langfristigen Ziele abzusichern. Bis 2020 hat sich der weltweit größte Logistik- und Postkonzern einen jährlichen Anstieg des operativen Ergebnisses um durchschnittlich 8 Prozent vorgenommen. Am Ende dieses Zeitraums soll ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von über 5 Milliarden Euro stehen. Davon ist das Unternehmen derzeit allerdings noch weit entfernt. Für das laufende Jahr hatte die Post schon Ende Oktober ihre Jahresprognose auf 2,4 Milliarden Euro nach unten korrigiert.

Appel ist zuversichtlich, dass der gelbe Logistikkonzern im kommenden Jahr wieder kräftig Geld verdienen wird. Das Betriebsergebnis (Ebit) soll auf 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro steigen und damit um mindestens eine Milliarde Euro über dem erwarteten Ergebnis für dieses Geschäftsjahr liegen. Dazu wird auch die geplante Erhöhung des Briefportos am 1. Januar von 62 Cent auf 70 Cent beitragen. Appel wollte aber bei Präsentation der Quartalszahlen keine genauen Angaben dazu machen weil solche Zahlen wettbewerbsrelevant seien.

Die Konkurrenten der Deutschen Post

DPD

DPD Deutschland gehört zur DPD Group, nach eigenen Angaben das zweitgrößte Netzwerk von Paketdiensten in Europa. Die Zentrale des Unternehmens mit 7500 Mitarbeitern ist in Aschaffenburg (Bayern). Im März 2015 kündigte der Paketdienst an, die Deutsche Post DHL mit einer einheitlichen europäischen Marke herauszufordern. So soll das Paketnetz europaweit auf 22.000 Stationen erweitern werden.

Quelle: dpa

Pin Mail AG

Bei dem Postdienstleister mit Sitz in Berlin dominiert die Farbe Grün - statt Post-Gelb. Die Firma hat rund 1150 Mitarbeiter und beförderte 1999 in der Hauptstadt die ersten Briefsendungen.

Hermes

Der international tätige Handels- und Logistikdienstleister ist ein Tochterunternehmen der Otto Group und beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter in Deutschland. In Europa bewegte die Hamburger Firma im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 530 Millionen Sendungen im Paket- und Logistikgeschäft. Deutschland gehört zu den Kernmärkten.

TNT

Das niederländische Unternehmen ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Anbieter von Expressdienstleistungen für Geschäftskunden. Dazu gehört die deutsche TNT Express GmbH mit Sitz in Troisdorf (Nordrhein-Westfalen) mit etwa 3700 Mitarbeitern. Im Jahr 2013 hatten die EU-Wettbewerbshüter eine Fusion mit dem US-Paketdienst UPS untersagt.

UPS

Der US-Paketdienstleister bezeichnet sich als der größte Express- und Paketzustelldienst weltweit mit rund 435 000 Mitarbeitern. Im April 2015 kündigte UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari in der „Wirtschaftswoche“ an, dass der Konzern eine Milliarde Euro in Europa investieren wolle - unter anderem in den Ausbau seiner Sortierzentren und in neue Paketshops.

Bei der gescheiterten Systemumstellung im DHL-Frachtgeschäft räumte Appel eine Fehleinschätzung ein. „Wir haben uns zu viel vorgenommen, in zu kurzer Zeit“, sagte er dem Nachrichtensender n-tv. Jetzt habe man einen deutlich realistischeren Plan. So wolle die Post im Frachtgeschäft bestehende Teilsysteme integrieren und weitere fertige Software kaufen, statt weiter auf das Komplettsystem der beauftragten Dienstleister SAP und IBM zu setzen.

Angetrieben durch den boomenden Onlinehandel brummen in der Paketsparte nach wie vor die Geschäfte. Hier kletterten die Umsätze im dritten Quartal um 9,7 Prozent. Um die Stellung des Unternehmens in dem Bereich zu festigen, will die Post ihre nationale und internationale Paket-Infrastruktur ausbauen.

Dem Börsenkurs der Deutschen Post konnte die misslungene IT-Einführung nur kurzfristig etwas anhaben. Seit September kletterte die Notierung der Aktie von 23 Euro auf knapp 28 Euro. Der Schock Ende Oktober durch die überraschende Ankündigung der Millionen schweren Sonderabschreibung wurde durch die Ankündigung, das Briefporto kräftig erhöhen zu wollen, schnell kompensiert. Am Mittwoch allerdings knickte die Aktie wieder ein. Vielleicht hatte Finanzchef Rosen die Anleger verschreckt mit dem Hinweis, dass die Dividende möglicherweise von den Sonderlasten in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Aber noch ist nichts entschieden.

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