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16.06.2015

16:13 Uhr

Deutsche Post

Verdi weitet Poststreik erneut aus

Die Dauerstreiks bei der Post werden ausgedehnt. Die Gewerkschaft Verdi appelliert an den Bund als Großaktionär. Für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch gibt es jedoch keine Anzeichen.

Sieben Millionen Briefe bleiben wegen des Arbeitskampfs derzeit täglich liegen. dpa

Streikende Post-Mitarbeiter in Berlin

Sieben Millionen Briefe bleiben wegen des Arbeitskampfs derzeit täglich liegen.

Bonn/BerlinIm Arbeitskampf bei der Post lässt Verdi nicht locker und schickt weitere Mitarbeiter des Konzerns in den Dauerstreik. Gleichzeitig appellierte die Gewerkschaft an den Bund als Hauptanteilseigner der Post, zur Lösung des Tarifkonflikts beizutragen. „Er darf nicht zulassen, dass ein flächendeckendes Zustellnetz zerschlagen wird“, erklärte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende Andrea Kocsis am Dienstag einer Mitteilung zufolge bei einer Demonstration vor dem Bundesfinanzministerium in Berlin. Daran beteiligten sich nach Verdi-Angaben etwa 3000 Streikende, die mit Trillerpfeifen und Sprechchören auf sich aufmerksam machten. Der Bund hält noch 21 Prozent an der Post.

Unterdessen weitete Verdi den Ausstand aus und erhöhte die Zahl aller Streikenden auf knapp 19.500. In den kommenden Tagen sollen auch die ersten Paketzentren in den Ausstand einbezogen werden, die bislang ausgenommen waren. Damit dürfte es für die Post immer schwieriger werden, Pakete pünktlich an ihre Kunden auszuliefern. Schon heute kommen durch den Streik nach Angaben des Unternehmens mehr als ein Fünftel aller Briefe und mehr als ein Viertel aller Pakete erst verspätet beim Kunden an.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

Knackpunkt des Konflikts ist die Gründung von 49 regionalen Gesellschaften im Paketgeschäft. Dort sind inzwischen mehr als 6000 Menschen beschäftigt, die nach niedrigeren Gehältern des Speditions- und Logistikgewerbes bezahlt werden. Verdi fordert deren Rückkehr in den Haustarifvertrag und erklärte sich im Gegenzug bereit, auf eine lineare Anhebung der Gehälter in diesem Jahr zu verzichten. Die Post lehnte das Angebot ab.

Von

dpa

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