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12.01.2005

07:43 Uhr

Deutsche Veranstalter unterschiedlich betroffen

Reisebranche hofft auf neue Südasien-Urlauber

VonMatthias Eberle

Mit der Lotus Villa am Strand von Ahungalla hat für Uwe Endres alles angefangen: Der Geschäftsmann aus Starnberg hat sich auf die Vermittlung von Ayurveda-Reisen spezialisiert, vor allem nach Sri Lanka. Das Geschäft seines Reiseveranstalters Aytour ist in den vergangenen Jahren prächtig gewachsen – bis zu jenem Katastrophentag am 26. Dezember 2004.

DÜSSELDORF. Zwar hat das Seebeben in erster Linie die Menschen in Südostasien und darüber hinaus eine ihrer wichtigsten Einkommensquellen, den Tourismus, mit voller Wucht getroffen. Aber auch das Geschäft einiger Reiseveranstalter ist über Nacht zum Krisenfall geworden: „Die Lotus Villa, mit der ich mein Geschäft aufgebaut habe, ist bis auf die Grundmauern zerstört“, sagt Endres resigniert. Weil sein Fokus stark auf den Zielgebieten Sri Lanka und Indien liegt, muss er sich auf ein schweres Jahr einstellen – genau wie viele andere Südostasien-Spezialisten.

Plötzliche Umsatzeinbrüche von 35 Prozent beklagt etwa der Berliner Reiseveranstalter Suntrips, der zuletzt zwölf Mill. Euro pro Jahr umsetzte. „Hart getroffen“ fühlt sich auch der Wettbewerber Lotus Travel aus München. Fast alle dieser Spezialanbieter haben in der Flut langjährige Geschäftspartner und Freunde verloren. Das wiegt für viele noch weit schwerer als die wirtschaftlichen Auswirkungen.

Von den großen Reiseunternehmen hat Europas Marktführer Tui die wenigsten Blessuren abbekommen: Für den Konzern aus Hannover sind Zielgebiete in Südostasien bisher ein Nischenmarkt mit einem Umsatzanteil von rund einem Prozent. Stärker beeinträchtigt wurde das Geschäft des Tui-Rivalen Thomas Cook, dessen Sparte Neckermann Fernreisen der größte Thailand-Anbieter hier zu Lande ist. Auch bei Meier’s Weltreisen, dem Asien-Spezialisten aus dem Portfolio der Rewe-Touristik, tagen seit Ende Dezember die Krisenstäbe: Eine Unternehmenssprecherin bezifferte die bisherigen Umsatzausfälle seit dem Seebeben auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Fernreisen – speziell nach Asien – erfreuten sich zuletzt wachsender Beliebtheit. Im Vorjahr hatten die Fernreisemarken der Rewe (Dertour, Meier’s Weltreisen und ADAC Reisen) 1,17 Mrd. Euro umgesetzt – ein Ergebnis, das die bisherige Spitzensaison 2001 noch übertraf.

Die Optimisten unter den Reisemanagern rechnen damit, dass sich ein Großteil der Reiseströme nur in andere Regionen verlagert, wie das in der Vergangenheit häufig zu beobachten war. Als Ausweichziele würden derzeit in erster Linie die Karibik, Kenia und im höheren Preissegment Mauritius angeboten, heißt es in Reisebüros. „Zum Glück sehen wir keine generelle Reiselähmung wie nach dem Terror des 11. September 2001“, sagte eine Dertour-Sprecherin. Deshalb blieben die Einbußen für breiter aufgestellte Reiseunternehmen wohl überschaubar.

Weit schwerer getroffen sind die von der Katastrophe direkt betroffen Reiseländer. Sie müssen auf einen schnellen Wiederaufbau ihrer Ferienanlagen und auf die baldige Rückkehr der Urlauber hoffen. Man dürfe die Länder „jetzt nicht doppelt bestrafen“, sagte Außenminister Joschka Fischer gestern in Sri Lanka und sicherte dem Land langfristige und umfassende Hilfe bei der Beseitigung der Schäden zu. Auf der Website von Lotus Travel heißt es: „Es ist an uns, den Menschen Hoffnung zu geben.“

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