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30.01.2007

19:33 Uhr

Deutscher Versorger habe „keine Sicherheitsverfahren“

EU gibt Eon die Schuld an November-Black-out

Der deutsche Energiekonzern steht wegen des massiven Stromausfalls am 4. November nun am europäischen Pranger: Die schwere Panne ist nach einem EU-Untersuchungsbericht auf schwere Versäumnisse von Eon zurückzuführen.. EU-Energiekommissar Andris Piebalgs kommt dieses Ergebnis gerade Recht.

HB BRÜSSEL. Der Übertragungsnetzbetreiber Eon Netz habe nicht einmal über die nötigen technischen Sicherheitsvorkehrungen für eine solche Panne verfügt, heißt es in dem am Dienstag von der EU-Kommission veröffentlichten Bericht der Union für die Koordinierung des Transports elektrischer Energie (UCTE). Zudem habe Eon nicht ausreichend in sein Stromnetz investiert.

EU-Energiekommissar Andris Piebalgs wertete das Untersuchungsergebnis als Argument für den Vorschlag der Brüsseler Behörde, den Energieversorgern die Kontrolle über ihre Netze zu nehmen. „Indirekt spricht dies für die Entflechtung“ von Stromversorgung und Netzbetrieb, sagte Piebalgs am Dienstag. Die EU-Kommission hatte dies bereits in einer am 10. Januar vorgelegten Energiestrategie gefordert mit der Begründung, die großen Stromversorger sähen teilweise von notwendigen Investitionen in die Netze ab, wenn von der erweiterten Kapazität Konkurrenten profitieren könnten.

Piebalgs sprach sich zudem für europaweit einheitliche „Regeln für die Sicherheit und Zuverlässigkeit“ von Stromnetzen aus. In dem UCTE-Bericht hieß es Eon Netz habe „keine Sicherheitsverfahren“ für eine Panne wie die am 4. November 2006 vorgesehen. Das Unternehmen „verfügte nicht einmal über alle technischen Instrumente, um überprüfen zu können, ob das Netz innerhalb der Sicherheitsgrenzen betrieben wurde“, teilte die Kommission mit. Zudem habe das Unternehmen es versäumt, andere europäische Übertragungsnetzbetreiber über die vorübergehende Abschaltung einer Hochspannungsleitung zu informieren.

Der Stromausfall, der neben Deutschland auch Teile Frankreichs, Belgien, der Niederlande, Italiens und Spaniens erfasste, hatte seinen Ursprung in Norddeutschland im Regelgebiet von Eon Netz. Eine Hochspannungsleitung musste abgeschaltet werden, um ein Schiff unter ihr passieren zu lassen.

Dies führte laut dem UCTE-Bericht zu einer Leitungsüberlastung und schließlich dazu, dass das Netz der UCTE in drei Zonen geteilt wurde: West, Ost und Südost. In der westlichen Zone habe es danach nicht genug Strom gegeben, in der östlichen hingegen zu viel. Um dem Strommangel in der westlichen Zone zu begegnen, mussten Kunden in den betroffenen Ländern vom Netz genommen worden.

Allein in Frankreich wurde während des etwa halbstündigen Blackouts etwa fünf Mill. Kunden der Strom abgeschaltet. In Deutschland waren ebenfalls Mill. Menschen betroffen, in Belgien, den Niederlanden, Italien und Spanien waren einige Hunderttausend Kunden ohne Strom.

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