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09.01.2009

12:50 Uhr

Deutschlands Kliniken

Qualitätsunterschiede in Krankenhäusern

VonMaike Telgheder

Zwischen Deutschlands Krankenhäusern herrschen nach wie vor große Qualitätsunterschiede. Zwar achten die Kliniken im zunehmenden Wettbewerb verstärkt auf Qualität, doch das sollen jetzt auch die Patienten mitbekommen. In Zukunft könnte indes auch hierzulande das amerikanische System „Pay for Performance“ Einzug halten.

Noch müssen Deutschlands Krankenkassen für die in der Klinik verschuldeten Fehler aufkommen. Foto: Archiv

Noch müssen Deutschlands Krankenkassen für die in der Klinik verschuldeten Fehler aufkommen. Foto: Archiv

FRANKFURT. Qualität ist für Francesco De Meo, Chef der Helios-Klinikengruppe, das entscheidende Stichwort, wenn es um die Zukunft der Krankenhäuser in Deutschland geht. „Nur diejenigen Kliniken, die ständig an einer Verbesserung ihrer Ergebnisqualität arbeiten und sich einem Qualitätswettbewerb stellen, werden langfristig im überbesetzten deutschen Klinikmarkt bestehen können“, sagt er.

De Meo trommelt nicht von ungefähr für das Thema: Qualität wird nach Einschätzung von Fachleuten in Zukunft eine zentrale Rolle spielen beim Kampf um Marktanteile auf dem 64 Mrd. Euro großen, aber relativ wachstumsschwachen Klinikmarkt in Deutschland. Private Anbieter wie Helios betreiben heute knapp ein Viertel aller Kliniken und dürften einen Umsatzanteil von etwa 13 Prozent halten. Für die Expansion sind sie bisher vor allem auf die Übernahme öffentlich-rechtlicher Krankenhäuser und deren nachfolgende betriebswirtschaftliche Sanierung angewiesen. Mittelfristig hoffen sie, auch über Qualitätskriterien Boden gut zu machen.

Axel Heinemann, der bei der Boston Consulting Group den Bereich Gesundheitversorgung leitet, geht davon aus, dass dieser Strategie auch andere Betreiber folgen müssen. Und zwar nicht nur mit Blick auf den Patienten, sondern auch mit Blick auf die Krankenkassen: „Die Kassen haben Interesse, mit qualitätsorientierten Kliniken zusammenzuarbeiten. Sie wollen schließlich nicht als Discounter gelten, sondern mit attraktiven Angeboten werben, damit sie auch weiterhin gesunde, leistungsstarke Mitglieder anziehen“, sagt der Berater.

Bislang können sich die Krankenkassen in Deutschland die Leistungserbringer unter den Krankenhäusern noch nicht selbst aussuchen und beispielsweise die, die eine schlechte Qualität abliefern, aussortieren. Auch für Behandlungskosten, die durch in der Klinik verschuldete Komplikationen entstanden sind, müssen die Kassen aufkommen.

In den USA dagegen wird im staatlichen System Medicare bereits das Prinzip „Pay for Performance“ angewandt. Sprich: Therapiekosten, die infolge einer nicht sachgerechten Versorgung entstehen, werden dort von der Kasse nicht mehr übernommen. Ein Szenario, dass Helios-Chef De Meo durchaus auch in Deutschland für möglich hält: „Ich denke, dass die Krankenkassen in Deutschland viel schneller, als wir es heute erwarten, sagen werden: Wir zahlen nicht für Komplikationen, die ihr im Krankenhaus produziert.“ Spätestens dann geraten Krankenhäusern unter Zugzwang, ihre Ergebnisqualität zu steigern.

In Deutschland wird das Qualitätsniveau in den Krankenhäusern bundesweit von der Bundesgeschäftstelle für Qualitätssicherung (BQS) gemessen. Anhand eigens erhobener Daten wird gemessen, wie sich die medizinische Qualität in Deutschlands Kliniken entwickelt hat. Nach dem neuesten Report, der Ende November vorgelegt wurde, werden Patienten in Deutschland gut, aber noch nicht gut genug behandelt. Nach wie vor gebe es große Qualitätsunterschiede zwischen den Krankenhäusern, heißt es. Verbesserungbedarf gibt es unter anderem bei Hüft- und Knieoperationen, der Behandlung von Lungenentzündung und der Geburtshilfe.

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