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19.04.2017

16:19 Uhr

DHL, Hermes, DPD

Paketboten händeringend gesucht

Das Paketgeschäft boomt – und dürfte rasant weiter wachsen. Die Zusteller wie DHL, Hermes oder DPD experimentieren zwar mit Robotern und Drohnen – doch gleichzeitig brauchen sie dringend viele neue Arbeitskräfte.

Paketzusteller sind auf Bewerbersuche. dpa

Paketboten

Paketzusteller sind auf Bewerbersuche.

BonnWenn es auf die letzte Meile geht, sind alle von Menschenhand abhängig – trotz schönster Innovationen im Zeitalter der Digitalisierung. Zwar mag die Auslieferung von Paketen per Drohne oder Roboter genauso wie in den Autokofferraum spektakulär daherkommen, doch sie ist weit vom täglichen Massengeschäft entfernt. Und so bleibt die Paketzustellung, das wissen Tausende von Boten aus ihrem Alltag, vor allem eines: knochenharte Schwerstarbeit.

Und die ist nicht sonderlich beliebt. Angesichts des anhaltenden Booms im Paketgeschäft suchen die Unternehmen inzwischen händeringend nach Arbeitskräften. „Das ist für uns eine Herausforderung, wir haben zunehmend Nachwuchssorgen“, klagt Ingo Bertram vom Paketzusteller Hermes. Das Hamburger Unternehmen beschäftigt rund 11.000 Mitarbeiter, hinzu kommen derzeit im Jahresschnitt weitere 11.000 Zusteller, die auf der Gehaltsliste von Subunternehmen stehen.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Dass es der Post-Pakettochter DHL weitaus leichter fällt, vakante Stellen zu besetzen, verwundert nicht. Selbst die Beschäftigten der vor zwei Jahren ausgegründeten „DHL-Delivery“-Gesellschaften, die schlechter bezahlen als der Post-Konzern und deshalb 2015 für wochenlange Streiks sorgten, werden nach den Landestarifverträgen der Speditions-, Logistik- und Transportwirtschaft entlohnt. Ihr Einstiegs-Grundgehalt liegt meist bei 12,79 Euro.

Entsprechend verhalten dürfte deshalb die Nachfrage nach Jobs bei den Wettbewerbern Hermes, GLS oder DPD sein. Diese Paketdienste greifen nämlich zum Großteil auf Subunternehmer zurück, die ihren Fahrern gerade einmal den Mindestlohn von 8,84 Euro bezahlen. Anders als die Deutsche-Post-Tochter sind die Aushilfsfirmen nicht an Flächentarifverträge gebunden. Der Grund: Nur selten gibt es in den oft kleinen Lieferwagen-Unternehmen einen Betriebsrat, erst recht keine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband. Hinter ihrem Arbeitskräftemangel steckt deshalb wohl eher eine Abstimmung mit den Füßen.

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Steigt das verschickte Volumen in der Paketbranche in den kommenden Jahren weiter – Experten rechnen bis 2025 gar mit einer Verdoppelung – müssen Unternehmen nach Alternativen Ausschau halten. Die Bedeutung von Paketshops werde zunehmen, man müsse über Crowd-Delivery, also die Zustellung durch Privatpersonen, oder auch über den Einsatz von Robotern nachdenken, erklärt Hermes-Mann Bertram.

Der Branchenprimus Deutsche Post DHL zapft eine andere Quelle an: So vereinbarten die Bonner erst vor wenigen Wochen mit der Bundeswehr eine Kooperation über die Integration von ausscheidenden Soldaten in den zivilen Arbeitsmarkt. Jährlich verlassen nämlich zwischen 10.000 und 15.000 Menschen die Streitkräfte. „Gerade vor dem Hintergrund des stark wachsenden Paketmarktes sind wir immer auf der Suche nach zuverlässigen, motivierten und gut qualifizierten Mitarbeitern“, sagt Jürgen Gerdes, der im Vorstand für Pakete zuständig ist.

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